Mittwoch, 14. Februar 2018

"Titty Twister" oder "Wie ich eine Mammographie überlebte"

Valentinstag 2017 hatte ich einen Termin zur Krebsvorsorge beim Gyn.
Da war trotz meines Singlestatus' untenrum was los.

Für Valentinstag 2018 hatte ich Glückspilz einen Termin zu meiner 1. Mammographie zugeschickt bekommen und so war auch für obenrum gesorgt.

Ich machte mich also auf die Jagd nach Erfahrungsberichten, live und im Internet.

Zuerst irritierte mich, dass die meisten Frauen steil gehen bzw. gar nicht hin, weil sie sich "entmündigt" und "bevormundet" fühlen, dass ihnen da ein fixer Termin vorgesetzt wird.
Grundgütiger.
Geht's noch?!
Mal abgesehen davon, dass man diese Termine auch absagen oder verschieben kann (aber dafür müsste man ja ein Telefonat führen, so richtig mit Nummer wählen und reden und so), freue ICH mich über jede Erledigung, die mir abgenommen wird.

Ich befragte also Frauen.
Tenor:
"Das ist soooo schmerzhaft!"
"Mir wurde schwarz vor Augen!"
"Ich hatte anschließend blaue Flecken!"
"Je kleiner die Oberweite desto größer der Schmerz!"

Oha.
"Naja", dachte ich, so als schmerzempfindliche Kleinbrüstige, "man MUSS da ja nich hin, ne..."

Aber unser UrOmma war an Brustkrebs gestorben und der Kleine Fabian, mein Gyn, riet mir dringend zu, weil er allein mit tasten und Ultraschall nicht alles erfassen kann, was in so 'nem Busen vor sich geht, und auch er warnte: "Das tut aber weh!"



Und so ging ich heute nervös as fuck zum Screening Center.
Aber nicht die Angst vor einem schlimmen Ergebnis ließ mich bibbern, sondern der Gedanke an AUA! KOLLAPS! und HÄMATOME!

Tja...

Hm...

Die gute Nachricht:
Das Ganze ging so schnell, dass ich nicht mal das Parkticket latzen musste, weil ich noch unter den 15 Freiminuten lag.

Die schlechte Nachricht:
Die Busenzurechtrückerin hatte kalte Hände.

Anders ausgedrückt:
auf meiner Liste der schmerzhaften Dinge, von 1 bis 10, also von Blasenspiegelung über Aphten bis Wurzelbehandlung - da steht die Mammographie gar nicht mit drauf.
Weil's nicht weh tut.
Was soll da auch weh tun?!
Druck ja, ok, aber von "Schmerzen" oder "unangenehm" ist das meilenweit entfernt. Ich musste nicht mal veratmen.
Klar, jeder hat ein anderes Schmerzempfinden, ich zum Beispiel stehe bei der alljährlichen Zahnreinigung jedesmal kurz vorm Kollaps.

Ich vermute mal ganz stark, dass Damen, die bei der Mammo den Adler machen, das nicht aufgrund eines unerträglichen Schmerzes taten, sondern aufgrund der beschissenen Gesamtsituation:
- von anderen gehört, dass das scheußlich weh tut
- fremde Ärzte und Arzthelferinnen in unbekannten Räumlichkeiten, die
- mit kalten Pfoten an intimen Stellen rumfummeln
- der Busen eingeklemmt in einem riesigen medizinischen Apparat
- Angst vor Röntgenstrahlung
- Angst vor einem eventuell negativen Ergebnis
Vor lauter Aufregung nicht gefrühstückt, hyperventiliert, usw. usw.

Ich wiederhole es gerne nochmal:
MAMMOGRAPHIE TUT NICHT WEH!
Das schwört euch eine, die an ganz schlechten Tagen dem Zahnarzt bei der Zahnsteinentfernung von der Liege springt!

Also geht hin, klatscht denen eure Bälle auf den Tisch und lasst tun, was getan werden muss!

Das Ergebnis erhält man übrigens innerhalb der nächsten 10 Tage.

Freut mich, wenn ich helfen konnte.

Tüdelü.

Samstag, 10. Februar 2018

Petze

Wir erinnern uns:
Im Sommer 2016 hatte mir das Arbeitsamt netterweise eine 3-modulige Fortbildung zum Thema Finanzbuchhaltung spendiert.

Ich bestand Modul 1 und 2 und habe auch die entsprechenden Zeugnisse bekommen.
Ob ich die 3. Prüfung bestanden habe, wusste ich bis letzte Woche nicht.
Das hatte Gründe.
Der Schulleiter hatte mich damals verdächtigt, ihm das Amt auf den Hals gehetzt zu haben, das ihm ordentlich die halbillegale Bude auseinandergenommen hatte.

Ich war es nicht, echt nicht; was mich aber zur Verdächtigen machte:
1 Tag, bevor die Schule gestürmt wurde, hatte ich einen Termin bei eben jenem Amt.
Ich versicherte ihm, damit nichts zu tun zu haben, aber er glaubte mir nicht und ignorierte mich komplett.
Dummerweise war er nicht nur Schulleiter, sondern auch unser FiBu-Dozent, oder besser gesagt: "Dozent", dessen Rache so aussah, dass er mir bei Fragen nicht weiterhalf, sondern empfahl, mich selbständig durchs Buch zu ackern (ja, haha. Wer Datev kennt, weiß, was für ein umständlicher und benutzerunfreundlicher Mist das ist).

Ich ging also mies vorbereitet in diese Prüfung, als einzige, konnte also nirgends abgucken und der Dozent tat mir weder helfen, noch legte er die Lösung hin, wie er es bei einer früheren Prüfung schon mal getan hatte, als er merkte, dass wir's alle nicht geschnallt hatten.
("Bei mir fällt keiner durch! Ich lass mir doch nicht die Quote versauen!")

Und so war ich nach dieser Prüfung froh, da endlich weg zu sein und es war mir auch schnurz, ob bestanden oder nicht, ich hatte immerhin eine Teilnahmebestätigung, die ich meinen Bewerbungen zufügte.

Da ich nun einen guten Draht zu unserer Personaldame habe, bat ich sie kürzlich, im genannten Etablissemang anzurufen und mein fehlendes Zeugnis anzufordern, damit sie die Unterlagen der neuen Mitarbeiterin komplett hat, usw. blabla...
Der Schulleiter versprach nachzuforschen und sich dann zu melden.
Ich war mir sicher, von dem hören wir nie wieder.
Irrtum.
1 Stunde später rief er zurück und teilte ihr mit, dass es leider kein 3. Zeugnis gäbe, da ich durchgefallen sei.

Öhm...
Hallo?!

Mal abgesehen davon, dass ich mit einem so schlechten Ergebnis nicht gerechnet hatte - spinnt der Typ, das dem Arbeitgeber mitzuteilen?!
Was, wenn ich da in der Buchhaltung angestellt wäre?! Dann könnte ich meine Sachen packen, Stichwort Probezeit.
Kurze Nachricht an mich, die Durchgefallene, wäre wohl angebrachter gewesen.

Ich hätte nicht übel Lust, dem Typ via Anwalt eine zu verpassen (leisten könnt ich's mir ja jetzt, höhö), Stichwort Jobverlust während der Probezeit dank Datenschutzverletzung, oder so.
"Leider" habe ich letzte Woche meine Probezeit heil überstanden
Schade, ich hätte echt Beefbock.

Und was passiert nun mit dem nicht bestandenen Modul?
Mich ans Amt wenden - neeee, nachher wird's ungemütlich, weil ich die Prüfung nachholen muss oder schlimmer: die Kohle zurückzahlen!
Die haben knapp 4.000 Ocken dafür gelatzt. Dann wollen die verständlicherweise auch Ergebnisse sehen.

Ich lasse es mal so, wie es ist und arbeite einfach weiterhin fleißig vor mich hin.
Aber nicht in der FiBu :-)

Dienstag, 6. Februar 2018

Adolf, Eva und Blondie

...haben einen neuen Zettel an die Tür vom Führerbunker gehängt:

Dem Kiga-Vorstand wurde mitgeteilt, dass einige Eltern Bedenken wegen der erhöhten Schließzeiten 
geäußert haben. Leider zu kurzfristig, und so können die Zeiten für 2018 nicht mehr geändert werden.
Der Vorstand

BEDENKEN?! Welch putzige Untertreibung.
Bei mir war's ExistenzANGST, als Anfang November schlankerhand die Anzahl der Schließtage von 16 auf 26 erhöht wurde.

Eigentlich könnte man dem Führer Vorstand für die Klopper auf einmal den Kontroletti von der Stadtverwaltung auf den Hals hetzen:
1. Ende des Jahres sowas mitzuteilen ist schon ziemlich aso, wenn man bedenkt, dass Arbeitnehmer dann schon ihre Urlaubsplanung für nächste Jahr durchhaben müssen/sollten.
Aber der findige Vorstand (u.a. Anwalt) wird sich auf das Kiga-Jahr berufen und das startet ja erst im September.
2. Um 10(!) Schließtage erhöhen. Wow. Und das,...
3. ...ohne es mit dem Elternbeirat zu besprechen, was bei Schließzeiten ab 20 aber vorgeschrieben ist.

Wenn man bedenkt, dass der Vorstand aus 2 Frauen und 1 Mann besteht, handeln die ziemlich asozial.
Da gehen Arbeitgeberattitüde und Kinderlosigkeit eine unholy union ein.
Vielleicht sollten gerade diese Herrschaften lieber die Volkshochschule leiten.
Oder den hiesigen Schützenverein.
Ich mein, ich reiße mir doch auch nicht die Leitung des Dackelzuchtvereins unter den Nagel, obwohl ich keinen Dunst von Hunden habe.

Nu ja, sollen die 3 doch weiterhin dämliche Dinge in ihrem Vorstandskämmerchen aushecken; Hauptsache, mein Kind wird beaufsichtigt, während ich arbeiten bin und das machen die echt gut.
Die Erzieherinnen sind nämlich allesamt ziemlich dufte.

Dienstag, 16. Januar 2018

Youtube und seine Leichen

Neulich postete ein amerikanischer Youtuber, ein Video, in dem eine Leiche zu sehen war.

Logan Paul (Typ: hyperaktiver Ritalinverweigerer mit mieser Sozialisierung) war mit seinen Kumpels nach Japan gereist, um im Selbstmordwald zu übernachten.
Kaum 12 Meter durchs Gehölz gestolpert, entdeckte die Truppe einen am Baume Baumelnden, filmte ihn, lud das Video hoch und kassierte dafür so einen megamäßigen Shitstorm, dass er rasch ein Entschuldigungsvideo hinterherschickte und sich vorerst aus der Öffentlichkeit verpisste.

87 Trillionen andere Youtuber ließen sich dazu aus und YouTube strafte ihn für die Verletzung der Richtlinien ab, indem man ihm aus Google-Preferred verbannte, ihm die Hauptrolle in einer YTRed-Serie wegnahm und einen geplanten Film absagte.

Äh…? 
Ernsthaft??

Youtube hat Richtlinien?? Das is'n Scherz, oder?!

Ich gucke seit ca. 1 Jahr kaum noch TV, sondern Filme, Serien oder Dokus auf YT und über was ich da schon gestolpert bin...

Ich habe Bergsteiger abstürzen und Arbeiter von Kränen fallen sehen.
Ich habe Kids beim Roofing zu Tode stürzen sehen.
Ich habe einen Mann verbrennen sehen.
Ich habe gesehen, wie jemand vor laufender Kamera erschossen wird.
Ich habe gesehen, wie sich jemand vor laufender Kamera erschießt.
Ich habe gesehen, wie ein Hirsch erlegt und ausgenommen wird.
Ich habe gesehen, wie eine Horde Urbexer in einem Lost Place eine Erhängten findet und daran KungFu-Tritte ausprobiert.
Ich habe Tatortfotos von zerstückelten Leichen gesehen.
Und so weiter und so fort...

Und natürlich wurde mir auch das Yankee-in-the-woods-Video empfohlen.
Algorithmus sei dank.
Ja, es ist total daneben, eine Leiche zu filmen (von der ich ja immer noch hoffe, dass es ein Fake war, aber die bläulich verfärbte Haut lässt leider anderes vermuten, und würde auch Logans Reaktion nicht besser machen) und das ins Internet zustellen.
Ja, es ist völlig daneben, sich mit pissgelber Narrenkappe neben einer Leiche zu filmen, Faxen zu machen, irre zu kichern, Grimassen zu schneiden und dutzendfach "Wow! Fuck!  What the ....! Wow! Fuck! Fuck! Wow! usw. usw." zu kreischen.
Aber...
Hallo?!
Siehe oben!
Alles schon mal dagewesen!
Ich habe massenweise "Todes"-Videos gemeldet, nie eine Antwort bekommen und gelöscht wurde auch keines.
Vermutlich beruft sich YT auf seine Richtlinien *hüstel*, heißt: wenn du ein abartiges Video besitzt - pack' einfach den "Obacht! Ü18-Content!" drauf und dann munter hochgeladen!

Wieso kriegt aber nun ausgerechnet dieser Logan einen auf den Sack?
Weil die Eltern seiner (nun leider verstörten) Zielgruppe Youtube die fucking hell heiß gemacht haben?

Was eine bigotte Heuchelei, ey, aber vielleicht habe ich es nur nicht richtig geschnallt?
Wer Licht in mein Dunkel bringen kann - bitte gerne!

Ich hoffe nur, dass irgendwer eine Lehre daraus gezogen hat.
Dass Logi 'n büschn mehr Respekt Menschen gegenüber zeigt, egal, ob tot oder lebendig.
Dass YT nun genauer auf die Finger geschaut wird bzw. dass die tollen Richtlinien mal überarbeitet werden.
Bei Instagram funzt das ja auch einwandfrei:
du entdeckst ein verstörendes Foto, Porno oder Gewalt, meldest es und innerhalb von 2 - 3 Stunden ist das Foto gelöscht und obendrein kriegste noch 'ne nette Danke-für's-Melden-Nachricht.

So, nun entschuldigt mich, ich gehe mir mal diese ganzen Leichen aus'm Kopf schlagen und vielleicht mache ich ein Video davon...

Samstag, 6. Januar 2018

Von besoffenen Babysittern, Behinderten und einem Lerngeschenk

Natürlich macht eine Firma, bei der es weder Urlaubs- noch Weihnachtsgeld gibt, zwischen den Jahren nicht zu.
Und so saß ich im Büro und konnte, da Restdeutschland geschlossen hatte und so für sehr wenig Arbeitsaufkommen sorgte, das Liebengebliebene wegarbeiten.


Die Neue war auch da. Eine sehr sympathische Dreißigerin.
Als sie uns erzählte, dass sie 3 Wochen zuvor geheiratet hatte, fielen bei uns anderen unisono die Kinnladen.
30 und frisch verheiratet??
Die verabschiedet sich spätestens in 1 Jahr in MuSchu und wir Zurückgebliebenen können wieder im Akkord malochen!

Grad neulich, als eine der Minijobberinnen in MuSchu ging, hatte ich erfahren, dass der Chef sie sogar wissentlich schwanger eingestellt hatte. Ungewöhnlich.

Sie fehlt mir sehr, denn sie hat ordentlich was weggearbeitet.
Überhaupt, wenn man sich unsere Truppe mal ansieht:
alle behindert. Eine Kollegin ist einarmig. Ein Kollege hat MS. Der EDVler ist taub. Mein Vorgesetzter hat Bechterew. Die Personalerin ist kleinwüchsig. Die Chefsekretärin ü70 und die Buchhalterin adipös per magna.
Ein Auffangbecken für Versehrte.
Was denkt der Chef sich dabei?
Ist er ein Heiliger oder will er bloß Zuschüsse absahnen?
Und wie passe ICH da überhaupt rein? Ich bin fit. Was ist also meine Behinderung? Alt und langsam? Nicht sehr helle? Oder ist es Lucky?

A propos.
Luckys neuestes Lieblingswort ist "Penner".
Kann sein, dass er da vielleicht beim Autofahren mal was aufgeschnappt hat. Wenn ich am Steuer sitze, bin ich nämlich nicht mehr ich selbst (also Dame mit Contenance); den ersten Herzklabaster habe ich schon hinter mir, wenn ich noch keine 100 m gefahren bin.
Ich glaube, das sind die Dämpfe in so 'nem Wagen. Benzin, Kühlflüssigkeit und was da sonst so 'rumwabert. Gesund ist das nicht.

Jedenfalls ist so ein Kind mit Faible für böse Wörter doof. Am Weihnachtssamstag war ich mit ihm bei Rewe und wie wir da so an einer Mutter samt Teenietöchtern vorbeirollten, rief Lucky mit glockenhellem Stimmchen: "Hallo, was macht ihr da?". Mutter und Töchter guckten verzückt, da schob er auch schon nach: "ihr P....". Da ich schon sowas geahnt hatte, hielt ich ihm blitzschnell die Hand vor den Mund, um "enner" zu verhindern.
Puh, Ruf als süßes Bübchen nochmal gerettet, wa?
Dank' mir später.
Du Penner.

Ich war heilfroh, als die Kigaferien vorüber waren und ich die Erziehungsaufträge wieder ans Personal abgeben konnte.
Aber vorher galt es, die Ferien zu überbrücken.
Elvis, Motorradbraut und Pilot - bitte übernehmen Sie!


Der Pilot hatte seinen Betreuungsauftrag, wie erwartet, vergessen.

...und so hatte er 3 Tage lang seine beiden Kinder, die sich übrigens noch gar nicht kannten, zu beaufsichtigen. 3 Tage Ananas aus der Dose, Würstchen und Nutella und, da der Pilot offenbar an einer Urinphobie leidet: tagsüber Windeln für den eigentlich trockenen Lucky. Korrigiere: nicht Windeln, sondern nur Windel. Eine. Für 8 Stunden.
Jedenfalls habe ich seitdem nichts mehr von ihm gehört; ich nehme an, er ist kurzfristig zur Kur gefahren.

Was Elvis betraf, war ich doch ob seiner Babysitter-Qualitäten ein klein wenig verunsichert, nachdem der Kleine neulich unter seiner Obhut den halben Hausstand aus dem Fenster geworfen hatte, glücklicherweise aber nicht selbst hinterherfiel.
Es schmälerte meine Verunsicherung wenig, als er an seinem 1. Einsatztag erst um 5.30 Uhr von einer Party heimkam und seinen Rausch ausschlief, während Lucky lustige Dinge tat wie Schränke ausräumen oder einen Stuhl ans Fenster im Treppenhaus ziehen, um zu gucken, wann ich nach Hause komme.


Einzig die Motorradbraut (17) hatte alles im Griff.


Und dann waren die Feiertage auch schon vorbei und Tadaa! 2018 ist da.

Und hier noch mein Lerngeschenk aus 2017 für euch:

Mittwoch, 20. Dezember 2017

Wie ich mal fast einen schönen Geburtstag feierte

Neulich wurde ich alt.
Ziemlich alt.
So alt, dass man nicht mehr von "Lebenshälfte" reden kann, sondern vom letzten Drittel.
Alles, was jetzt nur noch kommen kann ist Krankheit, Siechtum, Tod.
Was den Tod betrifft, schaue ich mir seit ein paar Monaten mit nahezu obsessiver Besessenheit Sterbevideos bei Youtube an.
Ja, gibt es.

Die Wochen vorher bewahrte mich mein abartig stressiger Job und die Annahme zweier Kolleginnen, dass ich 40 würde, davor, depressiv zu werden und an meinem Geburtstag selbst wollte ich das Beste daraus machen, in dem ich am Abend mit ein paar Leuten Essen ging.

Während ich den 40. noch groß gefeiert hatte, so richtig mit Location mieten und Unterhaltungsprogramm, wurde es diesmal, aufgrund einiger in den letzten 10 Jahren Weggestorbener und/oder Rausgekickter, klein und ruhig.
"Gesetzt" heißt das dann wohl.


Frühstück, einsam.
(Lucky guckte lieber Kika und Elvis schlief
den Rausch einer Fachschaftsparty aus.)
Mit Blumen, selbstgekauft(!).



Und ja, ich trug ein Krönchen!
Na und?!




Ich bekam einen Selfiestick und kann meine Outfits nun immer komplett knipsen!
(Also, sobald ich 'raushabe, wie. *hüstel*).
Ich stellte 6 Outfit bei Instagram zur Auswahl und die Mehrheit entschied sich ...
- nicht für das da oben, da der Favorit einen riesen Fettfleck aufwies.



Ab 50 bekommt man offenbar diese typischen Altmenschengeschenke.
Wenigstens konnte man's essen.
(Pro-tipp: sollte mir irgendjemand in der Zukunft eine Kerze mit meinem Namen
oder schlimmer: mit einem Bibelvers drauf, schenken, den töte ich mit der noch
verbliebenen Kraft meiner arthritischen Pfoten, werde davon ein Video machen und
es bei Youtube hochladen, damit alternde Frolleins sich das dann abends alleine
auf ihrem Sofa ansehen können und anschließend vor lauter Herzklopfen nicht
in den Schlaf kommen.)
Aber ..äh.. ich schweife ab.

Ich trug also das adrette Twinset, die Haare lagen gut, der Babysitter kam pünktlich und Elvis und ich machten uns auf zum Restaurant, wo uns mich die anderen schon erwarteten.
Drücker, Küsschen, Smalltalk und Geschenke wurden ausgetauscht.

Wir setzten uns und kaum hatten wir unsere Getränke bestellt, rief der Babysitter an, um ins Telefon zu heulen, dass Lucky sich ganz komisch benehmen würde:
"Eierloch" und "dämlich" hätte er sie genannt, sie mit Autos beworfen und ihr die KiZi-Tür vor der Nase zugeschlagen und sie wüsste jetzt auch nich *mimimi*...

Fun fact: sie (22) macht gerade eine Ausbildung zur Pädagogin.

Das Gör geht mir unter der Woche schon genug auf den Sack, weil es vor 10 nicht in den Schlaf kommt und mich so meiner kompletten freien Zeit beraubt, und nun versaute es mir meinen Geburtstag?
Meinen einzigen 50.??
Die 3 kleinen Stündchen, die ich relaxed und ohne Blagengedöns verbringen und in denen ich mich feiern lassen wollte????
Nü, das war wohl zuviel verlangt.
Ich stand kurz vor'm Apoplex. Mit Tetraplegie!

Elvis, der Gute, bot an, nach Hause zu fahren und an Heulsusis Stelle auf Lucky aufzupassen.
Aber da Frauen jedweden Alters kleine Kinder ja supisüß finden (also außer Frauen, die gerade im Besitz eines kleinen Kindes sind) wurde ihm von den Anwesendinnen aufgetragen, das Kinde geschwinde herzuholen.
Die Herren der Tafelrunde und ich weinten in unsere Schnapspinnchen.

Wie der Rest des Abends verlief, könnt ihr euch denken:
ist ein Kleinkind anwesend, dreht sich alles um's Kleinkind.

Sehr lecker war's!

Tja, und das war's mit meinem Fuffzichsten, nech.
Mehr gibt's dann auch tatsächlich nicht zu erzählen.

Ach doch...
Als wir spätabends nach Hause kamen, klingelte Lucky bei meiner muffeligen Übermirmieterin.
(Ja, genau die, die sich bei der Vermieterin beschwert hat, dass er zu laut badet.)
Arschblag.

Ich setze allerdings große Hoffnung in meinen 60.
Dann ist Lucky 13 und seit 3 Jahren im Internat.




Und hier noch die wichtigen Weisheiten einer Fuffzichjährigen:
- hock' dich beim Kotzen hin (ggfls. "Plexus oesophageus" googeln)
- Männer sind alle gleich
Doch.
Dohoch!
WOHL!
- einem Selfiestick liegt kein Manual bei
- vergeude keine Zeit damit, darüber nachzudenken, was andere über dich denken. 99% der anderen sind so mit sich selbst beschäftigt, dass es sie einen feuchten Furz interessiert, was du tust oder lässt
- wenn man wegen einer Blasenentzündung ein Antibiotikum nimmt, stinkt der Urin nicht nach Spargel, egal wie viel du davon verdrückst.
- im Manhattan Icetea ist kein Eistee

Sonntag, 3. Dezember 2017

Zwangsurlaub

Freitag kam ich ins Büro und erfuhr, dass ich in der kommenden Woche Urlaub zu nehmen hätte, denn die 2017er Urlaubstage dürfen nicht in 2018 mitgenommen werden.
Die Streber-Kollegin (die mich anfangs "langsam, weil alt" genannt hatte und mit der ich witzigerweise mittlerweile ziemlich dicke bin) hatte flugs in einer Excel-Tabelle ausgerechnet, wer von uns wann Urlaub nehmen müsse und ob ich was dagegen hätte, direkt ab Montag zuhause zu bleiben.
Hatte ich nicht.


Montag:
Ich fahre zu Elvis in die Sehr Große Stadt. Er möchte zu Ikea.
Da ich mich sehr selten in sehr großen Städten aufhalte, bin ich mit 28-spurigen Fahrbahnen überfordert und verwechsle prompt eine Auffahrt mit der Ausfahrt (nein, nicht als Geisterfahrerin! Malt's euch halt auf.)
Wusstet ihr übrigens, dass es Regeln für das Fahren innerhalb mehrspuriger Kreisel gibt? Naaa? Nee, ne?

In der WG angekommen bietet sich ein, oberflächlich betrachtet, gutes Bild: aufgeräumt und neutral riechend, aber in den Ecken tummeln sich Staubballen in Basketballgröße, im Kühlschrank finde ich Biowaffen (Eier, abgelaufen vor 3 Wochen) und ich zähle 6 Bierkästen, 14 Wodkaflaschen und keinen Staubsauger.
Im leeren 30 qm-Wohnzimmer steht ein Tisch, auf dem 2 Sprudelkästen und ein Pappbecher stehen. Ich will die Kästen vom Tisch räumen, darf aber nicht, da dieses Arrangement offenbar das Setting eines komplizierten Trinkspiels darstellt.
Der Verlierer muss den Sprudel trinken. Sagt Elvis.

Die Sehr Große Stadt ist so groß, dass die Strecke WG - Ikea genauso lange dauert wie Sauerland - WG, obwohl wir uns nur innerhalb der Stadt bewegen.
Ikeas sehen offenbar überall gleich aus: 17 Stufen hoch in die Showrooms, "Restaurant", 12 Stufen runter zum Kleinkram, SB-Halle, Kassen, links Kekse, rechts Hotdogs.
Ich verlasse den Laden mit 2 Ursulas (wer hat denn das vermasselt?? Däckö, Stryck oder Flaussyk - ok, aber URSULA?!)



Dienstag:
Eine Firma, bei der ich mich im Frühjahr bereits vorgestellt hatte, lädt mich zum 2. Gespräch ein.
Ich starte früh in die 15 km entfernte Stadt und liege sehr gut in der Zeit als ich mich knapp 1 km vor'm Ziel verfahre, trotz Navi (JA, DAS GEHT!). Wie wir wissen, ist Autofahren nicht gerade mein Hobby.
Also nochmal rund um den Pudding. Die Straßen sind voll und ich stehe 2 Minuten vor'm Termin vor der Firma. Es gibt keinen eigenen Parkplatz und so klappere ich alle Tipps der Tippse ab: Aldi, Getränkemarkt, Rathaus, Querstraßen. Alles voll. Parkhaus 4 km entfernt.
Laut Sekretärin ist das immer so.
Also jeden Tag rumgurken bzw. ins teure Parkhaus und 4 km quer durch die Fußgängerzone latschen? Nach 15 Minuten Gesuche greife ich zum Handy und sage ab.
Ich will mich schließlich verbessern.

Abends grabscht sich Lucky die Cornado-Tüte. Ich nehme sie weg, immerhin hatte er schon Gummibären. Er holt tief Luft, um loszubrüllen und ZACK! steckt ein Cornado in der Luftröhre.
Er röchelt und guckt erschrocken.
Ich halte ihn kopfüber über die Badewanne und wemmse auf den Rücken.
Er kotzt. Wieder auf den Beinen röchelt er nicht mehr, läuft aber dunkelrot an, das Gesichtchen ganz verzerrt.
Scheiße! Wen rufe ich zuerst an? Alltimeretter Nachbar Pellwitz oder den NAW??
Ich lasse Lucky nochmal über der Wanne baumeln.
Nochmal klopfen, nochmal kotzen und ZACK! ist das Cornado raus.
Lucky möchte an dem Abend nix mehr essen und geht widerstandslos ins Bett.
Puh. Mit diesem Kind machste was mit. Sowas ist dem lieben Elvis nie passiert.


Mittwoch:
Da ich mir bei der "21kg-Lucky-über-der-Wanne-baumeln-lassen"-Challenge was gezerrt habe, bleibe ich mit Rücken-/Nacken-/Kopf und Nurofen-Erdbeer-Overdose zu Hause und wasche mir den Wolf.
Ich freue mich auf's Shoppen in der Großen Stadt morgen.

Nachmittags hat Lucky seinen ersten Frisörtermin.
Ich habe Angst. Fabienne nicht.
Während sie Luckys Babyflaum wegsäbelt, redet sie pausenlos auf ihn ein. Er schweigt und guckt. 
Entweder ist er tatsächlich unbeeindruckt
oder er hat einen Zuckerschock dank der Gummibären,
die Fabienne ihm zuvor verabreicht hat. 
Kann auch sein, dass er sich gar nicht angesprochen fühlt,
denn sie nennt ihn Gustav. So heißt aber nicht das Kind,
sondern sein Plüschtier, was sie aber erst beim Bezahlen schnallt.


Donnerstag:
Nachts hat es 0,431 mm geschneit und der Verkehr liegt brach.
Laut Radio hat die Schneekatastrophe ausgerechnet die Große Stadt am übelsten erwischt.
Oh nein! Nicht noch ein Tag zuhause!!
Mittags rufe ich eine dort wohnende Bekannte an; sie sagt, die Straßen seien frei und der Katastrophenschutz abgezogen (Scherz!).
Danke, Radio Sauerland, du Lügenpresse!
In der tollsten Boutique des Sauerlandes finde ich wider Erwarten nix dolles, entscheide mich aber für ein paar Teile im Menopausen-Look (googelt mal #menocore - leider kein Scherz): eine Jogg-Jeans im Nubuk-Look, sieht cool aus und lässt die Wampe unbemerkt vor sich hinwabbeln; einen Fledermausflauschpulli, der garantiert keine hitzewellenbedingten* Schweißflecken sichtbar werden lässt und ein Shirt, das den cellulitösen Hintern gut bedeckt.
*die ich gar nicht mehr habe, dank Mönchspfeffer
Eine Klamotte von DooF - wer hätte sie nicht gern?!



Freitag:
Der Mittwoch rächt sich jetzt: ich bügele mir den Wolf.
Und dekoriere die Hütte weihnachtlich.
Außerdem will ich mal wieder was bloggen: Gedanken zum nahenden Fuffzigsten und über meine Versuche, vegetarisch zu leben.
Habe aber keinen Bock.
Für lange Texte habe ich keinen Kopf im Moment. Außerdem tun mir seit dem Cornado-Vorfall zusätzlich die Hände weh.
Ich finde vielmehr Gefallen an Instagram und diesen putzigen kleinen Filmchen**, die man dort machen kann.
**können nur Mitglieder sehen.


Samstag:
Neuer Babysitter No. 1 kommt.
Da ich aber gar nix vorhabe, verkrümele  ich mich ins Auto und erfreue mich an Julien Bam-Videos (Guckbefehl!).


Ins Café kann ich leider nicht, da ich vergessen habe, einen BH anzuziehen, kein Makeup trage und sich ein Fleck auf dem Shirt befindet.
Die Schmerzen sind schlimmer geworden, ergo meide ich Bewegungen wie Spazieren gehen. Das ist doch kein normaler Muskelkater mehr! Bei Wärme wird's besser, vor allem in den Händen. Ist das Rheuma, Gicht, Altersstarrsinn??
Nach 1 Stunde sehe ich Lucky und Babysitter aus dem Haus kommen. Damit der Babysitter nicht sieht, dass ich bloß alleine im Auto abhänge, fahre ich rasch los zum Lädchen an der Ecke und erstehe 1 Swiffer für Elvis und 2 neue Perversitäten: Ahoibrause-Limonade und Edle Tropfen Kräuterbitter. Bah ey!
Aber: wenn man den Kräuterlikör aus den Pralinchen in einem Glas sammelt und mit der Ahoibrause mischt, geht's eigentlich.

In Erwartung eines monstermäßgen Geschmackserlebnisses
konnte ich die Kamera kaum ruhig halten.

Für abends begehrt ein nett aussehender Typ aus Nachbardorf via NeueLiebe.org ein Date. Ich lasse ihn abblitzen. Ich will lieber alleine zuhause auf'm Sofa hocken, Emrahs warmen Banana Dream French Toast essen und dabei Lost-Place-Videos von Jack "Horrido" Silver gucken. Und zwar für immer.
So weit isses schon...



Sonntag:
Da ich mich zeitmanagementtechnisch verhauen habe, kommt heute neuer Babysitter No. 2 (die Polizistin). Ich habe wieder nix vor, verstecke mich im Schlafzimmer und schreibe diese Zeilen.
Erst geht alles gut; nach 1 Stunde wendet sich das Blatt: Lucky fängt an, affig herumzualbern und sobald die arme Frau was sagt, ruft er Sachen wie "Halt die Schnauze, du Penner!"
Oh. mein. Gott.
Dieses Kind ist mir direkt aus der Hölle geschickt worden, als Strafe für mangelnde Verhütung.
Ich entschuldige mich 1000fach beim Babysitter, nenne ihr aber todesmutig einen neuen Termin, nämlich meinen Fuffzichsten, um diesen mit den artigen(!) Mitgliedern meiner Restfamilie (also die, die noch nicht weggestorben sind) au restaurant zu begehen.
Sie sagt, sie guckt zuhause in ihren Terminkalender und meldet sich dann.
"Nicht", denke ich und smse unserem alten Babysitter.
Die sagt prompt zu.
No. 2 eine Stunde später auch.
Argh!