Mittwoch, 28. Juli 2010

Fluch' nicht, verdammt nochmal!

Neulich besuchte ich mit meinem Patensohn (5) den Spielplatz.
(Falls Lunge mitliest: 5 JAHRE!) 
Wir hatten's richtig nett:
wir rutschten, schaukelten, mampften die von Mutti mitgegebenen Apfelstückchen und bewarfen die anderen Kinder mit Sand.
Was man halt so macht, auf'm Spielplatz...

Dann betrat ein "großer" Junge (ca. 7) mit seinem Opa die Szene. Die beiden spielten Fußball.
PaSo guckte sehnsüchtig zu.
Auf seine Frage, ob er mitspielen dürfe, kam vom Jungen direkt ein ruppiges "NEIN!".
Netterweise schoss der Opa PaSo den Ball auch mal zu, was aber direkt vom Enkel abgeblockt wurde.
Zwischendurch, wenn Opa mal kurz die Aufsichtspflicht schleifen liess, um dem Ball nachzujagen, streckte sein Enkel PaSo die Zunge raus und drohte mit der Faust.

Irgendwann kickte Opa den Ball versehentlich ins Gebüsch und Enkel und PaSo jagten hinterher.
Nach erfolgreicher Ballsuche seitens des Jungen, verliess PaSo mit hängendem Köpfchen den Busch, trottete zu mir herüber und erzählte weinerlich:
"Er will nicht mit mir spielen! *schnief* Und er hat Doofi zu mir gesagt! *schluchz* !"
Oha, nun war pädagogisches Geschick gefragt!

Ich fing also an, mir den Mund fusslig zu reden:
"Nimm's nicht ernst! Der kennt Dich gar nicht und weiß nicht, was für ein toller Junge Du bist und was Du schon alles kannst! *etc.etc.* Und wenn der das nächste Mal Doofi zu Dir sagt, sagst Du einfach Doppeldoofie, ok?"
PaSo nickte, schluchzte noch einmal theatralisch, zog geräuschvoll das Näschen hoch, während ich ihm die WinniePooh-Kappe zurechtrücke, und sagte dann:
"Ich habe 'blöde Sau' zu ihm gesagt - geht das auch?!" 

Wir haben dann relativ zügig den Spielplatz verlassen, da ich Petzpotential und -geschwindigkeit des anderen Jungen nicht einschätzen konnte...

Von MIR hatte er das ganz sicher NICHT!!!
Und seine Eltern sind als sanftmütige Menschen bekannt.
TV wird streng limitiert und zensiert geguckt.
Bleiben als Delinquenten nur noch die Großeltern (eher unwahrscheinlich) oder die KiGa-Kumpels (sehr wahrscheinlich).
Tja, wir werden es nie herausfinden, denn PaSo schweigt sich über den Urheber des bösen Wortes beharrlich aus...

Mittwoch, 21. Juli 2010

Zu Gast bei Feinden - Housewarming

Neulich war ich mit meinem Lebensabschnittsgefährten zu einer Housewarming-Party eingeladen.
Die Gastgeber: seine Schwester Bernadette, ihr sehr gut betuchter Mann Guntram und deren 14-jähriger Sohn Johannes.
Ich kannte Detti bisher nur von einer einzigen Begegnung, nämlich vom 95. Geburtstag der UrOma.
Damals fand ich sie zwar nett, aber mit diesem leicht anstrengenden Touch, der allen neureichen, ihrem-erfolgreichen-Gatten-den-Rücken-Freihalterinnen so eigen ist.
Glücklicherweise wohnt Bernadette 300 km entfernt, ist charitymäßig stark eingespannt und so sind regelmäßige Besuche GsD nicht drin.
 
Detti und Guntram hatten sich vor Jahren eine alte Villa zugelegt und dieses Prachtstück wurde von Detti liebevoll rundumerneuert und bis ins kleinste Detail neu ausgestattet. 

Wir reisten zum Castle-Warming schon früh an, denn LAG freute sich auf regen Austausch von Familientratsch mit seiner Schwester.
Detti hatte aber keinen Sinn für Plaudereien, hatte doch der neue  Bürgermeister sein Kommen zugesagt und somit war sie nervös bis zum Anschlag. Flatterte nervös von Raum Saal zu Saal und rückte hier & da das Silber zurecht.
Irgendwann fiel Dettis kritischer Blick auf uns und ihr ging auf, dass LAG und ich die mit Abstand Rangniedrigsten auf dieser Crémaillère sein würden und rasch wurde aufgepimpt:
LAG bekam einen ausrangierten Armani-Blazer des Gatten übergeworfen; mir wurde ein Hermès-Carré mit den Ausmaßen meines "Wer findet Nemo"-Badelakens umgeschlungen.
Für Johannes, LAG et moi gab es bis zum offiziellen Beginn des Events ausschließlich Mineralwasser und Meringues, weil das, im Falle eines Um- oder Hinfallens, keine Flecken macht.
Weder auf den weissen Versace-Spitzentovaglias (so nennt man Tischdecken, sobald sie mehr als 200 € pro Meter kosten), noch auf den weissen Benz-Sofas, noch auf den crèmefarbenen Takhebs, die von Mönchen des TashiLumpo geknüpft wurden und auf die sie immerhin 2 Jahre warten und 3000 Ocken pro Stück hatten hinblättern müssen. (Versandkosten: 600€ pro Teppich! *röchel*). 
Irgendwann streikte Wasserbauch-Hanni und es wurde ihm 1 Glas O-Saft genehmigt ("Aber nur im Garten!"). LAG und mir wurde ein klitzekleines Käffchen erlaubt, mit Geschirrtuch"untersetzer" und natürlich nicht im edlen (und empfindlichen!) Ivoire, sondern in Keramikpötten.
Kaum hatten wir den ersten Schluck getrunken, als es klingelte und Detti uns mit dem Aufschrei:
"Ab in die Küche mit den Pötten! Die ersten Gäste kommen!" 
die Tassen quasi vom Mund wegriss. 
Die ERSTEN Gäste?!?! 
Was waren denn wir, wenn keine Gäste?!
Nur "Bruder mit Schnalle", oder was?!


Lady Alquist sorgte im Laufe des Abends immer mal wieder für Ungemütlichkeit.
Etwa, als sie alle Gäste von ihren Plätzen hoch scheuchte, auf der hektischen Suche nach ihrem just abhanden gekommenen Dior-Ohrring ("PLATIN !!").
Oder mit dem strikten Verbot für die Gäste, sich selbst an der Erdbeerbowle zu bedienen. Das dürfe einzig Guntram übernehmen - wegen der Kleckergefahr! Was Guntram dazu zwang, 4 Stunden lang brav neben der Bowleschüssel stehenzubleiben.
Oder als sie sich mit dem Aufschrei "Füße hoch!" vor dem sofasitzenden Bürgermeister auf die Knie warf, um ihm einen Aufnehmer unter die Stiefel zu legen, weil sie ihre hellen Mönchsteppiche in Gefahr sah. 
(Hatte der jungsche BM doch tatsächlich die Stillosigkeit besessen mit dem Motorrad vorzufahren und somit tiefschwarze Motorradstiefel zu tragen!).
Die Hors d'oeuvres, Amuse gueules, Canapés und Petit fours durften ausschließlich in der komplett gefliesten und somit komplett abwaschbaren Küche im Hallenbad-Flair eingenommen werden. 

Zwischendurch erwog ich, die Pratesi-Gästetücher im Bad (deren Benutzung LAG, und mir auch untersagt worden war) als Klopapier zu nutzen und sie wieder ordentlich zusammengelegt zurück zu legen; aber leider litt ich, vermutlich verursacht durch den Kulturschock, an akutem Stuhlverhalt. 

Whatever... 
Beleidigt, verkleidet und miesgelaunt, weil zu Unrecht in Sozialverhalten, Tischmanieren und Motorik unterschätzt, hockten LAG und ich verschüchtert auf der äußersten Kante einer champagnerfarbenen Chaiselonge in der Nähe des Entrées und "genossen" La Fête, welche wir dann doch recht rasch verließen.

Was lernt frau daraus? 
1. Richte Dich in Weiß ein und Du wirst des Lebens nicht mehr froh! 
2. Geld macht hysterisch, nicht glücklich. 
3. Der optimale LAG ist Vollwaise UND Einzelkind.
Denn früher oder später lernt frau die Ursprungsfamilie kennen und meistens wird's dann gruselig.
(Ausnahme:
bei einem 'TAGESabschnittsgefährten' hingegen ist der Familienstand völlig unerheblich!) 

Ja ja - bin selber Schuld! Hätte VORHER abchecken müssen, ob Einzelkind oder nicht; aber sorry - ich war kurzfristig abgelenkt von seinem Segelboot und der Skiausrüstung in der Garage!!

Mittwoch, 14. Juli 2010

Mein Stalker (oder: The Netto-Incidents)

Ich habe einen Stalker.
Werner.
Ich weiß nicht, wo Werner plötzlich herkommt und woher er mich kennt, aber er ist nun mal da und jetzt muss ad-ä-quat mit der Situation umgegangen werden, bevor noch was Schlimmes passiert.

Werner stalkt mich seit einiger Zeit und ich kann's ja verstehen -jemand der attraktiv und interessant ist, weckt zwangsläufig das Interesse anderer- aber doch bitte nicht in so abartiger Art und Weise!

Ich kaufe abwechselnd bei Penny, Edeka und Netto ein - je nach dem, was gerade wo angeboten wird.
Das heißt: ich schneie sehr unregelmäßig in diese Läden 'rein (Werner stalkt mich ausschließlich bei Netto): mal am Montag Mittag, mal am Donnerstag Abend.
Und manchmal gehe ich wochenlang nicht zu Netto, z.B. wenn mal wieder die Kühltheke ausgefallen ist und man auf Fleisch und Aufschnitt 80% Rabatt kriegt.

1. Vorfall:
Irgendwann vor 5 Monaten komme ich also mittags bei Netto 'raus und direkt vor der Einkaufswagengarage steht ein Typ und raucht. Ich erkenne ihn sofort, denn Werner ist stadtbekannt als Epagneul Breton-Züchter.

2. Vorfall:
Eine Woche später (abends):
ich komme bei Netto 'raus - vor der Einkaufswagengarage steht Werner und raucht.
Gut, 2 Mal kann Zufall sein.

3. Vorfall:
4 Wochen später (nachmittags):
ich komme bei Netto 'raus - vor der Einkaufswagengarage steht Werner und raucht.
3 Zufälle hintereinander??

4. Vorfall:
5 Tage später (morgens):
ich komme 'raus - Werner raucht.
Da war mir klar: ich werde gestalkt!
Wäre Werner jetzt einigermassen knackig, würde ich ja ein Auge wegen seines, vom psychopathologischen Standpunkt aus betrachtet: bedenklichen Verhaltens zudrücken, aber isser natürlich nicht.

5. Vorfall:
2 Monate später (nachmittags):
ich komme bei Netto 'raus - vor der Einkaufswagengarage steht Werner und raucht. 

Ich erzähle meinen Mitmenschen davon, aber die wiegeln ab. Is' klar: ein eigener Stalker erzeugt Neid bei von der Natur wenig Begünstigten... 

Hier die unqualifiziertesten Kommentare: 

-Kollegin Lotte:
"Vielleicht arbeitet er bei Netto und macht Raucherpause?" 
Ach, wenn's doch nur so einfach wäre! Aber Werner ist 1. Rentner und 2. zeitlich völlig ausgelastet mit seiner Zucht und meinem Stalking.

-Lebensabschnittsgefährte: 
"Kann es sein, dass der arme Kerl dort einfach nur einkauft, genau wie Du, und nun fälschlich von Dir beschuldigt wird? 
(ey, was fand ich nochmal an dem?!)
Werner hat NIE irgendwelche Waren dabei. 

-(die eigene!) Mutter:
"Du, ich finde Deine Idee, die Polizei um Rat zu fragen nicht so dufte, Du." 
Na klar - was frage ich überhaupt 'ne alte Hippiebraut?! Wahrscheinlich ist sie in Gedanken schon wieder beim nächsten AmsterdamTrip und überlegt, wie sie die geschmuggelten Drogen am Besten in ihrem Chignon unterbringen kann...

-Elvis:
"Du warst doch eben bei Edeka. Wenn Werner heute DORT gestanden hätte, dann hättste echt Grund Dir Sorgen zu machen!"
Hmmmmm, da hat er nicht Unrecht, der junge Mann...

-POM Henneke:
"Also wollen Sie nun Anzeige erstatten oder nicht? Ohne Anzeige kann ich nicht tätig werden! Und NEIN, ich will nicht mit Ihnen einkaufen gehen!"
Ich sach' nur: A8...

So auf mich allein gestellt, zwang ich Elvi mit (<-Taschengeldsperre), um Werner zu begutachten.
Aber Werner, der Fuchs, war nicht da.
Natürlich nicht - er ist offenbar clever genug, sich nicht vor Zeugen zu zeigen!
Das Mal danach, war er auch nicht da, vermutlich vermutete er einen weiteren Zeugen in separatem Auto. Beängstigend clever!

Sollte mir in nächster Zeit was zustoßen, dann weiß man ja, wer's war: Werner - mein Stalker!