Donnerstag, 26. August 2010

...nun pirschen wir durch's Hirschrevier...

Auf meinem Lebensabschnittsgefährten und mich passt der alte Spruch "Gegensätze ziehen sich an".

Er ist ein sehr naturverbundener Mensch, liebt alle Tiere, ist Mitglied bei Greenpeace, trennt seinen Müll und hasst alles neumoderne wie Internet, Playstation, Fernsehen (Ausnahme: Nachrichten, Sendungen mit Ranga Yogeshwar und Actionfilme).
Jeden Morgen schrotet er für's Müsli Braunhirse & Buchweizen in einer Körnermühle, die das mit gefühlten 3.000 Dezibel erledigt, weshalb ich sehr froh bin, dass wir nicht zusammen wohnen.
Und er liebt Sonnenauf- & -untergänge.

Kein Urlaub, in dem nicht mindestens 46 Fotos von Sonnenuntergängen und 3 von Sonnenaufgängen (die verschläft er meist, weil ich heimlich den auf 4 Uhr früh gestellten Wecker entschärfe) gemacht werden.
Aber wozu? Kennste einen Sonnenuntergang, kennste alle.

Die Sonne ist nun mal da. Auf- und unterzugehen ist ihr Job, das muss man nicht extra dokumentieren. Mein Chef knipst mich auch nicht bei jedem Wort, das ich tippe.

Und er ist leidenschaftlicher Segler. Wobei er natürlich achtgibt, dass er mit seinem Kiel keinen des Weges schwimmenden Fisch köpft.

Ich mag Natur auch.
Gebunden als Blumenstrauß und kultiviert als Grabbepflanzung oder in Parks.
Ich mag Tiere - aber nur die hübschen. Bei Nacktmullen oder Welsen gruselt's mich...  die könnte ich nicht mal essen!

Andere sind schneeblind, ich bin waldblind: nach 1 Stunde mit Hund im Wald, flirren mir die Augen vor lauter grün und ich muss dringend den nächsten Asphaltdschungel aufsuchen.
Meine Assoziationen zu "Wald":

  • Exhibitionisten lauern hinter Bäumen
  • zwielichtige Typen in Tarnklamotten führen querwaldein ihre Rottweiler spazieren
  • das Handy meldet ein Funkloch
  • wenn man einen ganz besonders miesen Tag erwischt, entdeckt der Hund eine Leiche im Unterholz und
  • wenn man dann vor Schreck kollabiert, kann man nicht gerettet werden, weil Waldwege zu eng und unübersichtlich für einen Rettungswagen sind (den man aber wegen des Funklochs ohnehin nicht hätte rufen können).
Und Segeln ist mir zu anstrengend, dieses ganze Auf- & Abgetakele...
Wenn ich ausserhalb meiner 4 Wände Spaß haben will, dann muss das schneller gehen:
3 Straßen weiter schlendern, sich ins Eiscafè Venezia in die Sonne setzen, Sanften Engel bestellen, mit dem Barista flirten, Fußgänger begucken - fertig!
CounterStrikes Condition Zero habe ich in 4 Stunden durchgezockt und Camping verabscheue ich noch mehr als Nacktmulle.
Ach ja, und der Genuss eines McRib beschert mir multiple Orgasmen.


In der Hoffnung, mir die Natur auf spielerische Art etwas näher zu bringen, lud der LAG mich neulich zu einer "Glühwürmchennacht" ein.



In dem Werbeprospekt, den er mir überreichte, stand:

"Vollmondwanderung durch den Stadtforst unter der Leitung von Elisabeth Morgenröthe-Rauthenkrantz. Machen Sie sich auf einen ereignisreichen Abend gefasst, denn nachdem sich Fuchs & Hase 'Gute Nacht' gesagt haben, ist trotzdem noch ordentlich was los im Wald.

Hänsel- & Gretelmäßig bahnen Sie sich unter Leitung von Waldmeisterin Morgenröthe-Rauthenkrantz einen Weg durchs Unterholz und schauen den Fledermäusen bei der Nahrungssuche zu. Wir lauschen den Geräuschen der Nacht und erfahren, womit Tiere nachts beschäftigt sind. Nebenbei wird Waldmeisterin Morgenröthe-Rauthenkrantz Sie an ihrem großen Erfahrungsschatz teilhaben lassen."

Ich hoffte sehr, dass Tiere nachts einfach nur daliegen und pennen, denn nichts ist mir peinlicher, als Tieren beim Paaren zuzugucken. 

Wir starteten um 20 Uhr: 9 Nachtwanderer und die Waldmeisterin.
 

Was der LAG leider dabei nicht bedacht hatte:
ich bin nicht nur grünblind, ich bin auch nachtblind, was bedeutet, dass ich beim ersten Hauch einer Dämmerung da draußen nicht mehr sehen kann. Da half mir auch der angekündigte Vollmond nix, denn es war die ganze Nacht bewölkt.
Ergo stolperte ich steviewonderesk durchs dunkle Dickicht, konnte weder die Fledermäuse beim Fressen, noch die Wildschweine beim Suhlen erkennen und der abschließenden Knicklicht-Schnitzeljagd zurück zum Ausgangspunkt konnte ich auch keinen Spaß abgewinnen.



Als wir irgendwann im Fuchsgehege standen, wollte Morgenröthe-Rauthenkrantz wissen, ob uns aufgefallen wäre, dass es dort ganz speziell riecht. Der Fuchs hätte nämlich eine besondere Duftdrüse.
Alle schnupperten ausgiebig.
Außer der LAG. Der musste dringend pinkeln und wurde nervös. Tja, das war die Strafe dafür, dass er vorher, während einer kurzen Rast, der Waldmeisterin 3 ihrer selbstgebrannten Brennesselschnäpse abgeschwatzt hatte, während wir andern nur 1 bekamen.
Es wurde erschnuppert: regennasse Erde, morsches Holz und Popkorn. Alles falsch.
„Riechen Sie noch mal ganz genau mit geschlossenen Augen!“ forderte Morgenröthe-Rauthenkrantz uns auf.
Wir schnupperten nochmals intensiv.

Torf? Nein.
Heu? Nein.
Hm.
„Also", insistierte die Waldmeisterin, "wonach riecht es hier im Fuchsgehege?“

„Nach Fuchsscheiße?!“ rief LAG, mittlerweile stark an Contenance einbüßend.
"Aber nein!", widersprach Morgenröthe-Rautenkrantz entrüstet und klärte uns auf: Der Fuchs hat eine Drüse am Schwanz, die sich Viole nennt und den Duft von Veilchen verströmt.
Eingebaute BriseOneTouch sozusagen. Das optimale Haustier. 


Gegen Ende der Führung, es war bereits stockfinster, wollte die Waldmeisterin, dass wir nun physisch-mentalen Kontakt zur Natur aufnehmen.
Die Aufgabe:
jeder Teilnehmer sollte sich einen Baum suchen, mit dem man sich innigen Kontakt vorstellen könne.
Dann den neuen Tagesabschnittsgefährten umarmen, die raue Rinde an der Wange spüren, seinen frischherben Duft einatmen und den dabei entstehenden Emotionen und Gedanken freien Lauf lassen und den körpereigenen energetischen Speicher neu auffüllen.
Man solle aber bitte nicht vergessen, dem Baume für die Energiespende seinen Dank auszusprechen, und dafür dass er so verlässlich jahrein jahraus Früchte trägt.
Dafür gab sie uns 10 Minuten Zeit.
Ich lehnte mich halbherzig mit dem Rücken an den Nächstbesten, starrte ins Dunkle und hoffte, dass mir mein Baum keine Spenden in Form von Zecken oder Ameisen zukommen liesse. Mitten in die Stille hinein plätscherte es plötzlich. Ziemlich laut sogar.
Iiiieh! Welches Viech pinkelt denn in so vollem Strahl?
Ein Hirsch? Ein Werwolf??
Dann dämmerte es mir: LAG! Wie peinlich!
Nur gut, dass die Waldmeisterin hier nicht mal eben kurz das Deckenlicht anknipsen konnte, um den Übeltäter zu enttarnen.
Niemand verlor ein Wort über den Vorfall; wahrscheinlich hatte jede der Frauen ihren Mann im Verdacht.

Zurück pirschten wir durchs Hirschrevier.

Fazit:
1. Natur ist mir nach wie vor nicht hygienisch genug, um mir sympathisch zu sein.
2. Richtig müsste es heißen: "Gegensätze ziehen sich zunächst an"
3. Den nächsten Kerl suche ich mir gemäß des Spruchs "Gleich & Gleich  gesellt sich gern"
4. Ich bin ziemlich enttäuscht vom LAG, denn er leugnet bis heute, dass er der Plätscherer war.


Samstag, 14. August 2010

"Böse Taten" - At Work

Ich kann nix dafür - es überkommt mich einfach!

Hier noch mehr Böses:


  • Meinen PrivatMüll im Papierkorb meines Arbeitskollegen entsorgt 
Einmal im Jahr miste ich Garage, Kofferraum und Keller aus.
Da sich diesmal wieder viel Mist angesammelt hatte und die Gemeinschaftstonnen vorm Haus eh immer schnell voll sind, habe ich den Müll in kleine Tütchen verpackt und mit ins Büro genommen. Dort habe ich diese Tütchen im PAPIERkorb meines Arbeitskollegen "Gouda" (<-- in seinen Mundwinkeln bilden sich Käseecken, wenn er spricht), 3 Zimmer weiter, entsorgt, obwohl es sich um Müll für die GRAUE Tonne handelte.
Jeden Tag 1 Tütchen und das 2 Wochen lang. Natürlich immer dann, wenn Gouda schon weg war.
Wenn ihn da mal nicht der Hausmeister (früherer Moskau-Inkasso Mitarbeiter) erwischt, wo Mülltrennung doch sein Steckenpferd ist. Harharhar!!!



  • Billigen Kaffee in teure Tüten umgefüllt 
Seit Kollegin Charlotte im Stern gelesen hat, dass die meisten gängigen Kaffeesorten krebserregende Stoffe beinhalten, darf im Büro nur noch KopiLuwak gebrüht werden. 
Oder ausnahmsweise -kurz vor Monatsende- der billige Davidoff-Crema für 12 Ocken pro Pfund. Und da versteht Charlotte keinen Spaß! Immerhin geht es da um Leben & Tod. Da ich aber nicht einsehe, soviel Geld nur für Bürokaffee auszugeben, habe ich jetzt, wo Lotte im Urlaub ist, die hochgiftige(!) Krönung für 2,99 im Supersonderangebot gekauft.
Da ich aber auch nicht will, dass Lotte denkt, ich nähme sie nicht ernst, bzw. wolle sie gar töten, habe ich die leere Davidoof-Packung vom letzten Pfund aufgehoben und den Jacobs da hineingefüllt.


  • Zeitschrift auf fremden Schreibtisch abgelegt 
Ich saß im Büro und genehmigte mir zum 1. Käffchen des Tages die aktuelle Ausgabe von "Mens Health", die ich Gouda am Vortag aus seinem Papierkorb entwendet hatte.
Mich interessierte vor allem der Leitartikel, nämlich wie Mann vom Frauenstemmen starke Arme kriegt.
Da vernahm ich im Flur die Stimme vom Chef.
????
Der verirrt sich sonst nie zu uns in den 4. Stock, ausser kurz vor Weihnachten, wenn er durch die Büros tingelt, jedem Merry Christmas wünscht und selbstgemachte Kleinigkeiten seiner Frau an uns verteilt (letztes Jahr handelte es sich um eine in einen Apfel gerammte Spitzkerze mit Rentiermuster). Ich riß die Füsse vom Tisch, verschüttete dabei den kompletten Kaffee über mir und da ich mit kaffeetriefenden Händen an keine Schublade oder Schranktür packen wollte, aber dringend die Zeitschrift loswerden musste, zielte ich auf den Papierkorb meiner Kollegin Heike (Schreibtisch schräg gegenüber und gerade abwesend), schmiss und traf genau in ihre "Noch zu erledigen"-Ablage.
Charlotte, am Schreibtisch neben mir, grade aus ihrer Schockstarre erwachend, warf ihre "Gala" direkt hinterher, die mittig auf Heikes Tisch klatschte und mit einem Artikel über Britney Spears' Hautprobleme ("Hormone oder Heroin?") aufklappte.
Ich stellte die Tasse ab und griff mir in letzter Sekunde einen herumliegenden Aktenordner, den ich mit beiden Armen umklammerte, um den Kaffeeunfall zu verdecken.
Lotte begann wild in die Tastatur zu hacken.
Die Tür ging auf und der Chef stürmte herein, mitsamt dem neuen Counseling Psychologist, der engagiert wurde, um unsere Working Atmosphere zu analysieren und zu verbessern und den er uns nur kurz vorstellen wollte.
Nach vereintem Handegeschüttel trat Chef an Heikes Schreibtisch, warf einen Blick auf Gala & Mens Health und verabschiedete sich mit einem zackigen "Soll sich mal bei mir melden!".
*schluck*
Lotte und ich entfernten sämtliche Spuren, legten Heike eine Gesprächsnotiz hin und verdrückten uns in die Caféteria. Auf DEN Schreck genehmigten wir uns erstmal ein Kottenforsterschinken-Knäcke.

Mal abwarten, was noch passiert...

Obwohl:
DAS kann man eigentlich nicht als böse Tat werten, da ich die Zeitschrift ja nicht absichtlich auf Heikes Schreibtisch geworfen habe und dass Lotte in ihrer Panik es mir nachtut - dafür kann ICH ja nix.

Aber:
Ungutes tun ist irgendwie lustiger und viel spannender als gut sein.
Notiz an mich:
Dringend an meiner Konditionierung arbeiten!