Mittwoch, 26. Januar 2011

Schulformraten

Ich, Freundin Martina und Hund Otto spazieren am Möhnesee entlang.
Als wir in Höhe des Fähranlegers sind, kommt ein Bus mit einer Horde ca. 12-jähriger angefahren.
Der Bus hält, die Tür öffnet sich und heraus steigt ein Mann mit Nickelbrille, Vollbart und Norwegerpulli.

Martina: "Und, welche Schule?"
Ich: "Gesamtschule. Ganz klar."

Als nächste klettern 2 türkisch aussehende Jungs 'raus. Der eine schreit:
"Boah, Alter. Kuck ma! Voll das Meer, ey!"

Martina: "Ich korrigiere: Hauptschule!"

Dann springt ein blonder Junge in Tarnklamotten aus dem Bus und ruft:
"Yippieh! Erster!"

Ich: "Alles klar - Sonderschule!"
Martina: "Mhm."

Es leben die Vorurteile.
Oder nicht?

Montag, 17. Januar 2011

An Apple a Day keeps the Cops away!

Heute Nacht Morgen gegen 8.29 Uhr fahre ich ganz gemütlich die 300 Meter zwischen zuhause und Bäcker, als es auf halber Strecke blitzt und mein Freund, POM Henneke, hinter einer Ecke hervorspringt und mich heranwinkt.
Im Schlepptau 1 Dutzend Kleinwüchsige, die johlend meinen Wagen umringen.
Ich lasse die Scheibe herunter. 
"Wir blitzen heute alle Autos, die hier herfahren!", brüllt mir einer der Zweit(?)klässler entgegen."Du bist hier in der 30er-Zone nur 23 gefahren! Das finden wir gut und deshalb bekommst Du einen Apfel! Herzlichen Glückwunsch!"
Dass ich nur so langsam war, weil ich meinem neuen Nachbarn hinterhergeglotzt hatte, lasse ich unerwähnt.
Statt dessen rufe ich "Jaaayyy!", strahle und tue so, als freue ich mich ganz supidolle. Das wiederum freut die Kleinen ganz dolle und wir alle freuen uns, ausser POM.
"Mooooment!", unterbricht er den Freuden-taumel. "Fällt euch denn gar nichts auf?"
Die Kinder glotzen, starren, stieren, tuscheln.
Dann:
"Die is' nich' angeschnallt!", schreit eine kleine Petze.
"Ex-akt!", sagt der POM und zückt seinen Strafzettelblock.
"Ich wohne doch nur ein paar Meter von hier entfernt," erinnere ich ihn, der ja damals filmreif unseren Garten gestürmt hatte. "Und will bloß zum Bäcker da drüben."
"Auch auf einer, übrigens vom ökologischen Standpunkt aus betrachtet überflüssigen, weil zu kurzen Fahrt, hat man sich anzuschnallen."erklärt die Spaßbremse.
Ach so.
Und dann verlangt er 30 Ocken. Ich habe aber nur 20 dabei.
"Kein Problem," sagt POM. "Sie wohnen ja da drüben - dann können Sie das restliche Geld rasch holen." Aargh!!
Ich lächle das schönste Lächeln, dass eine Frau in meinem Zustand (mittelalt, noch ungeschminkt mit puffy eyes, leermagig, unterkoffeiniert) hinkriegt, aber es wirkt nur bedingt.
"Na gut. Dann geben Sie den Zwanziger her. Die restlichen 10 erlasse ich Ihnen.", entscheidet der POM.
"Aber dann habe ich kein Geld mehr übrig für den Bäcker!", will ich einwerfen, doch er kuckt schon wieder sooo...

Meine Güte, kann man so nachtragend sein?!
JA, ich bin zu blöd zum Flirten! (siehe hier)
Ich habe eben andere Sachen im Kopf, als die mimischen Regungen von Kerlen zu deuten! Wieso nimmt der das so persönlich?

"Dann muss sie den Apfel aber auch wieder hergeben, ne?", klugscheissert die Petze und natürlich pflichtet ihr der POM bei.
Pff. Drauf geschissen. Ich mag eh kein Obst.

Jetzt weiß ich, wie sich Ute Lemper (die älteren Herrschaften werden sich erinnern) damals gefühlt haben muss: vom gefeierten Star zur Geächteten in 2 Minuten. *schnief*

Mittwoch, 12. Januar 2011

"Mama, was ist fisten?"

fragt der Sohn beim Mittagessen.

Ich: Öööhhhmm... ääähhh... Weiß ich nicht.

Er: Klar weißt Du das, sonst würdest Du jetzt nicht so erschreckt gucken!

Ich: Nee, echt jetzt, keine Ahnung!

Er: Ich google das!

Ich: Nein!

Er: Doch! Bei "Google Bilder"!

Ich: Auf gar keinen Fall! Fisten ist so eine Art ..äähh..ööhh.. Sexualpraktik.

Er: Und was für eine?

Ich: Keine Ahnung. Sowas weiß eine Dame nicht und in Deinem Alter muss man das eh nicht wissen! Und nun iss Dein Gemüse!

Er: Pfff! Dann frage ich eben morgen meinen Biolehrer, den Herrn Schött.

Ich *froh, wieder ein Erziehungsproblem ans Fachpersonal abwälzen zu können*Tu das, Kind!

Er: Ja, ich werde sagen: 'Herr Schött, können Sie mir erklären was fisten ist? Meine Mama sagt nämlich immer zu meinem Papa: Komm', lass' uns mal wieder richtig fisten!'. Harharhar!

Hach ja, Kinder - unermesslicher Quell 
unfreiwlliger Schweißausbrüche der  Freude...


Nachtrag 13.01.11:
PS: Sohn wollte mit dieser ERFUNDENEN! Mama-Papa-Story die Erklärung von mir erpressen! Ich praktiziere das nicht und weiß daher wirklich nicht, ob fetthaltige Gleitmittel sich besser eignen als die auf H2O-Basis!!! Also bitte keine Anfragen diesbezüglich mehr mailen!

Montag, 10. Januar 2011

Tot in Wickede...

Neulich verstarb meine Ururgroßerbtante siebten Grades, Tante Theodora, kerngesund mit 92 Jahren und musste nun beerdigt werden.
Beerdigungen sind ja grundsätzlich kein Burner (obwohl - manche schon, wenn ihr versteht...), aber wie Tante Theodora unter die Erde gebracht wurde, war unter aller Sau.

Am Tag der Beerdigung fuhr ich also in Theas Heimatstadtkaff Wickede, nahm in der Kapelle Platz und harrte der Dinge, die da kommen sollten.

Der Pfarrer (ein knöcherner, komplett spaßbefreiter Endfünfziger) und 2 Messdiener betraten die Szene.
Die Aussegnung begann.
Der Pfarrer leierte gelangweilt und nuschelig seinen Sermon im typisch katholischen Sinne von "Gottes blutiger Bannstrahl der Rache wird alle Ungläubigen treffen" herunter.

Er betet noch kurz was, es wurde kein einziges Lied gesungen und die einzigen persönlichen Worte waren:
"Frau Theodora wurde am letzten Montag in ihrem 92. Lebensjahr aus unserer Mitte gerissen."
Kein Wort darüber, dass sie 48 Jahre in ihrem Beruf als Kinderkrankenschwester aufging, dass sie die örtliche FrauenFürFrauen-Gruppe ins Leben gerufen hatte, dreifache Europameisterin im Reticellaklöppeln war, oder dass sie, obwohl 42 Jahre lang Schnupftabaknutzerin, eine intakte Nasenscheidewand mit ins Grab nimmt. Nix.

Gegen Ende des Geleiers betrat das Leiden Christi, in Gestalt von 6 Sargträgern, die den Altersdurchschnitt in schwindelerregende Höhen trieben, die Kapelle. 
Jeder quasi selbst schon mit 1,5 Beinen im Grab, dazu allesamt hager und leichenblass.
Bis auf einen: der hatte einen Touch ins zirrhosengelbe. Schnell überschlug ich im Geiste die Eintragungen in meinem Impfbuch - war Hepatitis dabei?
Meine Güte, wer hatte denn die gecastet?!

Pater Demian hatte zuende geleiert, die Sargträger hievten Thea auf ein Wägelchen und schoben mit ihr von dannen. Der Pfarrer schubste die vor ihm gehenden Messdiener und zischte:
"Los, los, los! Ich habe heute noch 3 Beerdigungen!"

Der Trauerzug ging gemäßigten Schrittes raste also hinter dem Sarg her. Irgendwann kam eine Bodenkante, die es zu überwinden galt. Für junge, kräftige Burschen wäre das kein Problem gewesen, für die 6 Methusalixe schon. Und weil das Wägelchen schräg auf die Kante zurollte, hing zuerst 1 einzelnes Rad über der Kante in der Luft.

Durch dieses Ungleichgewicht neigte sich der Wagen plötzlich zur Seite und der Sarg kam ins Rutschen.
Ein Raunen ging durch die Menge und es hat echt was sehr stranges, wenn ein Trauerzug plötzlich unisono "Ouuh!" in die Stille hinein macht.
Die Unholy Union packte den Wagen zwar rechtzeitig, aber er rumpelte und holperte heftigst über die Kante und es ist sicher, dass Theodora auf alle Ewigkeiten schief in Frieden ruhen wird!
Nun Ex-Kante.
Nur wenige Tage nachTheas Beerdigung wurde
das Ding, das jahrzehntelang dafür sorgte,

dass vermutlich Hunderte Leichen
schräg in ihren Gruften verrotten, begradigt.

Am Grab angekommen wurde der Sarg auf über der Öffnung liegende Bretter gestellt. Das Sixpäck packte die Seile, hob an, jemand zog schnell die Bretter darunter weg und der Sarg wurde abgelassen. 
Für junge, kräftige Burschen wäre das kein Problem gewesen, für die 6 Methusalixe schon: einem rutschte das Seil aus der Hand und die arme Thea befand sich schon wieder in Schieflage.
Wieder raunte die Menge und wieder war das sehr strange.

Der Pfaffe leierte ein Gebet 'runter, fragte anschließend: "Wer aus dieser Runde wird Frau Theodora wohl als Nächster folgen?", segnete kurz herum, verabschiedete sich dann mit einem knappen "Beileid!" und stürmte über den Friedhof von dannen.

Da ich ein Blumengesteck im Auto vergessen hatte, stürmte ich hinterher. Zufälligerweise parkte der Gottesmann direkt neben mir und so bemängelte ich, dass das gerade ja wohl eine sehr unpersönliche Beerdigung gewesen sei.
Er: "Ich hatte eben nicht mehr Informationen über die Verstorbene; es kam ja zu keinem Trauergespräch, weil die Tochter zu weit weg wohnt."
Ich: "Wie bitte? Sie wohnt 15 km entfernt. In einem Altenstift. Normalerweise kommt doch der Pfarrer bei Trauerfällen ins Haus, oder nicht?!"
Er: "Die Tochter gehört aber nicht zu meiner Gemeinde und ich kann schließlich nicht zu JEDEM nach Hause fahren!"
Äh... reden wir hier von Berlin-Mitte oder von Wickede-Ruhr?!
Da sterben die statistischen 3 Leichen, die in Wickede per annum anfallen, zufällig alle an 1 Tag und dann verliert er derart die Contenance?!
So ein dummes Arschloch!

Ich schnappte mein Gesteck und ging zurück zum Grab. Die Trauergemeinde war auf dem Weg zum Leichenschmaus und der Friedhofsgärtner buddelte bereits mit einem winzigsüßen Minibagger das Grab zu.
Als er mich näherkommen sah, bölkte er ungefragt:
"Tja, da sind 'Se wohl zu spääät! Die Beerdigung is' schon vorbei! Die war um 2. Müssen 'Se halt pünktlicher sein!"

Ey, ham die Polyhydrochlorethylen im Trinkwasser oder was geht in Wickede ab?!
"Mein lieber Herr Gesangverein!" würde Thea jetzt entrüstet sagen.
Ich hatte ordentlich Blutdruck, sprang zurück ins Auto, um schnellstmöglich die Stadtgrenze zu erreichen, bevor mich ein Schlaganfall dahinrafft und ich womöglich in Wickede beerdigt werden muss!
Wickede - die einzige Kleinststadt Deutschlands
mit 2 Leichenhallen.
Wer oder was wird eigentlich alles zum Theologiestudium zugelassen?!

Und war das nun typisch katholisch oder typisch Kaff?!

Ach ja, geerbt habe ich übrigens Folgendes:
Da füllt man Likörchen ein und wenn man den dann ausschenkt, pfeift das kleine goldene Vögelchen oben rechts. Putzig, ne?!
Als Kind durfte ich nie dran packen, aber heute kann ich damit machen was ich will! Harharhar!