Montag, 30. Mai 2011

Kochen für Paare

"Romantischer Kochkurs für Paare.
An 2 Abenden werden 3-Gang-Menüs zubereitet. 15 €".

Klingt erstmal gut.
Aber Obacht!
Wenn der Kursanbieter der Hausfrauenbund eines kleinen sauerländischen Städtchens ist, sollte man von einer Buchung absehen.

Fotos habe ich leider keine; versuche aber die wichtigsten Eindrücke zu schildern.

5 Paare mittleren Alters und die Kursleiterin alten Alters treffen sich in der Schulküche der örtlichen Realschule.
Da Schulküchen aus hygienetechnischen Gründen gerne vom Boden bis zur Decke gekachelt und mit  80.000-Lux-Neonröhren ausgeleuchtet sind, verleiht das dem Ganzen ein unromantisches Pathologieflair.

Jedes Paar bekommt 1 Kochnische und 4 (in Worten: VIER!) Rezepte zugeteilt.
Und da nun jeder Einzelne 2 Rezepte in 60 Minuten zu wuppen hat, kommt statt Romantik nur Hektik auf und es endet damit, dass man zwar zur vereinbarten Zeit seine Oeuvres fertiggestellt hat, sich aber gegen Ende nur noch schlecht gelaunt zuraunzt.

Schlussendlich hocken 10 Menschen im Nebenraum auf ausrangiertem Schulmobiliar (die Tische immerhin mit Papierdecken "dekoriert") und schaufeln ihre 3 Gänge-Menüs in sich hinein, da die Kursleiterin den Raum nur für 90 Minuten nutzen darf.

Die naive Sauerländerin um die Vierzig hofft nun auf ein besseres Gelingen am Folgeabend. Aber nee: genau dasselbe!

Auch die Endabrechnung birgt eine Überraschung:
Ausser den 15 Ocken Kursgebühr (pro Person) werden plötzlich noch 3 € Kopiergeld fällig.
Und da die Superhausfrau natürlich alles auf dem Markt bzw. im Reformhaus eingekauft hat, kommen noch 12 Euro Lebensmittelkosten pro Paar hinzu.

Hmpf.
Muss nicht noch mal.

Montag, 16. Mai 2011

Zu Gast bei Feinden - Die Konfirmation

Der liebe Gott hat mir wieder ein Lerngeschenk gemacht:
diesmal eine Einladung zu einer Konfirmation.
Und nun weiß ich, wie man es NICHT macht.

Wochen vorher kam die Einladung, über die ich mich sehr wunderte, da die Konfirmandin eine sehr entfernte Verwandte ist, deren Eltern mich noch nie zu irgendwas eingeladen hatten.

Der Karte war ein Zettelchen beigefügt:
leider hätte der Vater beim Platzkartenkauf gepatzt (ich tippe eher auf: gespart), aber man könne ja "etwas früher zur Kirche zu kommen, um sich einen guten Platz zu sichern".
(Merke: Bevor man seinen Gästen solche Ratschläge gibt, sollte man sich vorher mit den Räumlichkeiten der Kirche vertraut machen. "Etwas früher" anzutanzen hat nicht viel Sinn, wenn das Kirchlein 100 Sitzplätze bietet, von denen 80 bereits per Platzkarte reserviert sind und gleichzeitig 200 Menschen Einlass begehren.)

Einige Zeit später rief mich eine Kusine an und erzählte wutentbrannt, dass sie tags zuvor die Konfirmandinnenmutter in einem Laden gesehen, ohne dass diese sie bemerkt hätte.
Die KonfiMu hätte dort jemandem erzählt, dass sie alle Verwandten, Freunde und Nachbarn (auch diejenigen, zu denen man schon lange keinen Kontakt mehr hat) "ausgegraben hätte, damit das Kind mal richtig absahnt".
(Zur Info: ich rede hier von Leuten, die einen Pool und ein Pony im Garten haben und sich in Markenklamotten wanden; ergo Geld nicht wirklich benötigen.)
Ich hatte ein sehr teures Bettelarmband als Geschenk gekauft.
Mein erster Gedanke war: das teure Ding um- und gegen billigen Modesschmuck einzutauschen. Aber die Konfirmandin kann ja nix für ihre raffgierige Mutter.

Der Tag der Konfirmation kam.
Ab Punkt 9 stand(!) ich in der Kirche.
Um 9.30 begann das Event und - Überraschung!
Da vorher noch 3 Teenies getauft werden mussten, bevor sie konfirmiert werden durften, zog sich das Ganze über 2,5 Stunden hin!
Danke auch, liebe Blödeltern von Kindern, die nicht, wie es sich gehört, spätestens 76 h nach der Geburt getauft wurden!

Glücklicherweise fing gegen halb 11 ein Kleinkind in der hintersten Reihe derart das Kreischen an, dass es samt Mutter die Kirche verlassen musste und somit ein Sitzplatz frei wurde.

Anschließend traf man sich im Restaurant in der Null-Sterne-Gaststätte "Schlicht & Billig", in der ein Saal gemietet worden war.
Zu Beginn wurden Sekt, Orangensaft und Sekt mit Orangensaft gereicht (woher stammt eigentlich diese widerliche Unsitte O-Saft in Sekt zu kippen und wann hört das endlich auf?!)
Da Madame Gierig ja nun JEDEN eingeladen hatte (z.B. ihre "Hilfe" und deren beste Freundin), kannte man sich untereinander gar nicht oder war verkracht und somit war unbefangener SmallTalk nicht wirklich drin.
Der Rest schwieg beleidigt, da Kusine & ich für eine rasche Verbreitung der Absahnstory gesorgt hatten.
Irgendwann fragte sogar der Kellner irritiert:
"Ist etwas nicht in Ordnung? Hier herrscht ja Grabesstille!" 

Madame hatte sich gegen ein Rechaud-Buffet und für Tischleindeckdich entschieden und da es ziemlich lange dauerte, bis die 2 Kellner alle Platten aufgetischt hatten, war das Essen nur noch lauwarm.
Bis sich dann alle Gäste bedient hatten, war es lau bis kühl...
Laue Dosenböhnchen; laue Dosenmöhrchen und laue Dosenpilze.
Dazu gab es laue Spätzle, laue Salzkartoffeln und zweierlei Laufleisch: Rind & Schwein.
Wenn man wollte, konnte man das Ganze in einer SauceHollandaise ertränken, die ich in Form, Farbe, Konsistenz & Geschmack sofort als diese Fertigsoße enttarnte.
So simpel hatte ich zuletzt vor 10 Jahren bei meinem Neffen gegessen, der, mit 18 von zu Hause ausgezogen, damals noch nicht wusste, dass man mit frischen Lebensmitteln kochen kann.
Zum Nachtisch gab es Eis.
Viele Gäste - wenig Kellner - warmes Wetter.
Man ahnt es schon: die Eiskreation "Pückler-Art", die übrigens auch so aussehen kann, ähnelte mehr einem Pudding.

Anschließend wurde jeder genötigt, sich in dem eigens angeschafften Erinnerungsalbum zu verewigen.
Wie gesagt, die meisten Gäste waren sauer oder kannten die Familie nicht gut genug, um etwas Herzliches zu schreiben. Und so schrieben die meisten ein unmotiviertes "Viele Grüße von X & Y".
Mir waren simple Grüße zu poplig und so schrieb ich dieses hübsche Gedicht von den Anonymen Alkoholikern in das Album. Das passt immer.

Zum Schluss gab's die Torten:
2 von KonfiMu selbst gemachte Philadelphiatorten (auch so eine nicht totzukriegende Unsitte) in gelb & rot  und 1 bei einer Konditorin (noch in der Ausbildung und derzeit im Mutterschutz, daher sehr günstig) bestellte.
Diese Torte war der Burner:
krumm & schief; die Marzipandecke war noch teilweise weiß vom Mehl beim Ausrollen; die Konditorin hatte sich beim Wort "Konfirmation" verschrieben und versucht, es zu korrigieren, was aber nicht gefunzt hat. Der Name des Mädchens leuchtete uns in neongrün entgegen.

Dann durften wir endlich nach Hause gehen.
Und die meisten waren echt angesäuert:
man wusste ja, dass diese Familie es durchaus hätte besser machen können (Stichwort: Pool & Pferd), statt dessen haben wir Gäste das Billigste vorgesetzt bekommen.

Ich habe keine Ahnung, wie die Konfirmandin selbst diesen Tag erlebt hat.
Ich hoffe, nicht allzu unangenehm.

Einige Tage später rief mich die KonfiMu an, um sich für das schöne Armband zu bedanken, das ihrer Tochter sehr gefallen würde, und um zu beteuern, dass so etwas Teures ja gar nicht nötig gewesen wäre.
Unterm Strich hätte das Mädchen 2.000 Ocken abgesahnt zusammenbekommen.
Oh happy day...

Ich bin seit Kurzem nicht mehr der Kirche angehörig, aber ich verspreche hiermit dem lieben Gott und dem Sohn (also meinem, nicht seinem; oder doch: von mir aus auch seinem) hoch & heilig, dass ich aus Sohns Konfirmation im nächsten Jahr keine solche Farce machen werde.
Amen!