Montag, 21. Mai 2012

Spritz mich, Baby, one more time!

Wer sich beim Arztbesuch amüsieren will, sollte eine Injektion verlangen.
Egal welche.
Als Ehemalige, finde ich es immer wieder lustig, einen Mediziner beim Spritzen, Blutabnehmen oder Impfen zu beobachten, denn die Jungs machen das IMMER irgendwie murksig.

So auch eben, als ich mir die 1. von 3 Impfdosen gegen Rinderwahnsinn verpassen ließ.

  • Zuerst versprüht der Doc großzügig Stediril im ganzen Raum, um die Haut zu desinfizieren. Das wird aber nicht, wie vorgeschrieben, trocknen gelassen, sondern mit einem unsterilen (heißt: schmuddeligen) Tupfer abgewischt.
  • Dann wird mit der nackten Hand auf der zwar nicht desinfizierten, aber nun prima sauberen Hautpartie herumgetatscht, auf der Suche nach dem richtigen Quadranten (der richtigen Vene, oder was man sonst gerade so braucht).
  • Dann wird gespritzt, natürlich an ganz anderer Stelle, denn Stediril ist farblos und so weiß Monsieur le Docteur nicht genau, wo er eben hingesprüht hat. Manchmal mit Aspiration, manchmal ohne, je nach Tagesform und Bock. Und wenn schon?! Dann wurde halt ein Blutgefäß getroffen - ist noch keiner dran krepiert. Oder?!
  • Zum Schluss klatscht man ein Pflaster auf die Einstichstelle - so man sie denn wiederfindet. Hat man's nämlich gut gemacht, ist davon -leider- nichts mehr zu sehen und man klebt das Pflaster einfach dahin, wo man vermutet, dass dort die Nadel einst stuk und das ist in 99% der Fälle 12 cm weiter rechts. Hat man's schlecht gemacht und ein Blutgefäß getroffen, blutet's nach und man verpflastert -Hurra!Hurra!- die richtige Stelle.
Wüsste zu gerne, was passiert, wenn ich den Dokter nächste Woche, zum 2. Impftermin, mal auf all das hinweisen täte.
Immerhin zahle ich pro Impfung 20 Ocken; dafür kann ich ja wohl vernünftige Arbeit verlangen, oder?
Andererseits halte ich mich doch lieber an die alte Regel:
Reize nie den Mann mit der Spritze (dem Bohrer/dem Spekulum/dem Zystoskop) in der Hand!

Und wer bin ich denn, dass ich es mir anmaßen dürfte, einen Akademiker auf solche Lappalien hinzuweisen?
Ich habe ja nicht mal Apretur!
Und der Mann rettet sonst komplette LE-BEN!
Was ist dagegen schon eine kleine nekrotisierende Stelle an meinem Oberarm?
Und dann noch am linken, wo ich doch Rechtshänderin bin!

So hoffe ich, dass es auch diesmal gut gehen und mir nicht der Arm über Nacht abfallen wird...

Sonntag, 6. Mai 2012

Konfirmation - Das Event

6.30:
Mein Wecker klingelt.

6.33:
Eine Panikattacke überrollt mich. Hatte schon damit gerechnet.
Spaßeshalber messe ich meinen Blutdruck:
170 zu 90, Puls 110. *schluck*
Ich werde also heute sterben.

7.30:
Ich wecke Elvis und vergewissere mich, dass wir spätestens um 9.15 in der Kirche erscheinen müssen, also 15 Minuten vor Beginn des GDs.
Elvis: "Nee, um 8.15."
Ich: "8.15? Kann nicht sein. Bist Du sicher? Das ist ja viel zu früh!"
Er: "Äääääh..."
Ich: "Ruf' jemanden an, der's weiß! SOFORT!"
Nachdem er 3 Konfimanden angerufen hat, sind nun 3 Familien verunsichert, weil es von denen auch keiner so genau weiß. Gnihi.
Ich schlage vor, die Streberin des Kurses anzurufen.
"Die rufe ich auf GAR KEINEN an!", sträubt er sich.
"Die rufst Du AUF JEDEN an!", drohe ich mit meiner "I love you, but will not hesitate to kill you"-Miene (Mischung aus PMS-Monster, Medusa und Hannibal Lecter). Er fügt sich und siehe da: die Streberin bestätigt 9.15.
Gutes Kind.

8.45:
Das SoVa klingelt. Wir fahren gemeinsam zur Kirche.
Im Auto motzt er:
"Du hast meinen Neffen gar nicht eingeladen! Der ist schließlich unser beider Patenkind!"
Tja, hätte er sich bei der Planung mehr eingebracht, wäre mir dieser Lapsus vermutlich nicht unterlaufen.
Oder vermutlich doch.
Ich gebe zu bedenken:
"Der Typ hat sich seit seiner eigenen Konfi vor 15 Jahren nicht mehr bei uns gemeldet! Ich kann den eh nicht ab und seine Trulla ist Octolactoveganerin. Ich setze mir doch nicht 'nen Pickie an den Tisch! Überdies bin ich nicht scharf darauf, mich mit dem zickigen Maître eines Landgasthofes wegen eines einzelnen octolactoveganen Menüs auseinanderzusetzen."
Er: "Pfff, bist Du intolerant!"
Ich: "Pfff, yep, bin ich!"

9.00:
Ankunft in der Kirche. Zum Glück sind noch genügend Plätze frei:
Das SoVa und ich besetzen Bank Nr. 3 und halten sie für die noch nicht eingetroffene Verwandtschaft frei.

9.15:
Der Pfarrer macht mit uns ein WarmUp und erwähnt dabei, dass im Foyer ein Tisch mit Getränken und Traubenzucker-Getreideriegeln steht, falls jemandem mulmig wird.
WAAAAH!!! Sowas sagt man doch nicht! Ist dem das Wort triggern kein Begriff?!
Jetzt ist mir tatsächlich mulmig und mir fällt auch direkt die schlechte Luft auf. *röchel*

9.20:
Die Kirche ist fast voll.
Wo zur Hölle bleibt die scheiß Verwandtschaft???
Das SoVa guckt sich um und entdeckt sie in der letzten(!) Bank.
Können 14 Menschen aus 2 verschiedenen Clans tatsächlich ALLESAMT zu dämlich sein, um zu begreifen, dass die freigehaltenen Plätze neben uns für sie reserviert sind?
Ich winke sie zu uns. Die Ommas winken fröhlich zurück.
Oh Mann, das wird ein langer Tag...

9.24:
Die freien Plätze neben uns werden nun besetzt von Dr. Lustig und Familie. Seine Nichte wird konfirmiert.
Als Panikerin, mittig in einer überfüllten Kirche mit schlechter Luft und Traubenzucker-Getreideriegeln im Foyer, sitze ich neben dem einzigen Arzt im Saal - der liebe Gott hat mich wohl doch ganz gern!

9.30:
Der Gottesdienst beginnt. Gerede, Gebete, Gesinge.

10.12:
Die Konfirmanden werden nach vorne gerufen und konfirmiert.
Die Jungs in ihren Anzügen und Krawatten sehen wie kleine Gentlemen aus.
Die Mädchen in ihren Minikleidchen und Stilettos sehen wie kleine Prostituierte aus.
Außer die Streberin; die trägt ein sehr geschmackvolles Cremefarbenes, knielang, mit Chanelballerinas. Gutes Kind.
Ich muss ein bisschen weinen und tupfe mir verstohlen die Tränen aus den Augenwinkeln.
In der ganzen Kirche schniefen und tupfen nur 2 Menschen:
ich in Reihe 3 und unser Oppa ganz hinten. Sind die anderen so abgebrüht?

10.34:
Der Pfarrer bittet die Gemeinde zum Abendmahl.
Ich bleibe sitzen, denn ich gehöre ja nicht zu seinen Schäfchen. So kann ich mir die anderen genauer betrachten und staune:
ich sehe üppige Dekolletés, Ultraminis, Hotpants und HighHeels. Und ich habe mich gesorgt, dass das züchtige Etuikleid mit Blickdichtstrümpfen und 3cm-Absätzen nuttig wirken könnte...
Die dazugehörigen Gesichter haben eindeutig slawischen Einschlag.
Ich raune dem SoVa zu:
"Wenn ihr Kerle mal für umsonst Flittchen gucken wollt, müsst ihr nicht extra zum Straßenstrich nach Dortmund fahren, sondern braucht nur mal einen Gottesdienst hier im Ostblock-Viertel zu besuchen."
"Man sagt nicht mehr 'Ostblock'!", klugscheißert er (ach so, na klar, wo ich ja so viel Wert auf political correctness lege) und:
"Pfff, bist Du intolerant!"
Jo, bin ich...

11.00:
Der Gottesdienst ist zu Ende.
Alle drängeln sich vor der Kirche. Gratulationen. Fotosession.

Die Heilige Familie.
11.12:
Der Pfarrer stößt zu uns.
Ich frage ihn, ob er jemals eine schlimmere Losertruppe hatte als die Konfirmanden Zwanzigzwölf. 
Er quasselt sich diplomatisch heraus und wechselt schnell und geschickt das Thema. Allerdings nicht zu seinem Vorteil, denn beim Herumplaudern kommt heraus, dass er zum dritten Mal verheiratet ist.
Mon Dieu, ich wohne in Sodom & Gomera!

11.20:
Es ist kühl und die Ommas drängen zum Aufbruch ins Restaurant.
SoVas Schwester Nini (wandelnder Krisenherd) hakt sich beim Pfarrer unter und flötet: "Kommen Sie doch mit zum Essen!"
Ich möchte mich ad hoc übergeben.
Nicht, dass ich was gegen promiskuitive Pfarrer hätte, aber das Essen beim Maître ist so teuer, da bin ich froh um jeden, der's heute am Magen hat.
GsD lehnt der Pfarrer dankend ab:
"Ich werde schon woanders zum Essen erwartet."
"Bei Nummer Drei?", fragt unser Omma.

Oh ja, das wird ein langer Tag...

11.32:
Ankunft im Restaurant.
Dort treffen wir den kircheschwänzenden Rest der Verwandtschaft.
Nur Kusine Püppi samt Mann und Kind fehlt noch.

11.35:
Wir stellen uns alle zum Gruppenfoto vor dem schönen schmiede-eisernen Tor zum Biergarten auf.
Der LAG muss knipsen.
"Nun kuckt doch mal alle vernünftig!", schnauzt er (-> leicht gereizt. Vermutlich, weil er nicht mit auf's Foto darf).
Nini kräht: "Was sagt der Fotograf zu seinen arabischen Kunden? - Allamalachenn! Hihihi!"
Keiner lacht. Wir sind ja keine Araber.

11.41:
Kaum im Restaurant bestellt sich Tante Elisabeth eine Rosé-Schorle.
Ächz. Noch nicht mal High-Noon und der erste Gast ordert ein 6-Ocken-Getränk.
Nini preist unterdessen dem LAG die Kellnerin an:
"Wow, die hat ja ordentlich Holz vor der Hütt'n! Hihi! Kannst ja mal rausfinden, ob das alles echt ist. Höhö! Du stehst doch auf üppige Oberweiten, oder?" 
Er bejaht.

12.13:
Ich werde seit 11.36 von 3 Ü-80erinnen verfolgt, die sich im 4-Minutentakt nach dem Verbleib von Kusine Püppi erkundigen, denn:
"Jetzt gibt's doch gleich Essen!".
Da ich seit 11.36 im 4-Minutentakt erklären muss, dass das Essen, wie auf der Einladung eindeutig vermerkt, um 12.30 serviert wird, reagiere ich auf Tante Hubertines Frage: "Kannst Du sie denn nicht mal anrufen und hören, ob die überhaupt schon losgefahren sind?" mit einem ruppigen "NEIN!".
Das geplante "Wieso nicht?" bleibt ihr vor Schreck im runzligen Halse stecken.
Ich ahne, weshalb in Altenheimen das Mittagessen um 11.30 auf dem Tisch stehen muss.

12.25:
Auftritt Kusine Püppi mit Mann und Kind.
Die Ü-80erinnen atmen auf und scheuchen alle rasch zu Tisch,
"damit die Kellnerin sieht, dass sie endlich servieren kann".
Das SoVa hält eine kurze Rede und sagt, was man eben an so einem Tag sagt.

12.32:
****Essen****
Beim Nachtisch frage ich den LAG, ob er auf üppige Oberweiten steht.
Er verneint.

13.45:
Das Essen ist beendet.
Dafür, dass sie mich vorher gefühlte 3 Stunden wegen Püppi genervt hat, hat die Ü80-Fraktion wie die Spatzen gegessen und bedauert, dass es sich am heutigen Tag leider nicht gehört, nach DoggyBags zu fragen.

Da die Torten erst um 15.30 serviert werden, ist nun genügend Zeit zum plaudern, pinkeln und paffen.

Onkel Werner schleicht mit seiner riesigen Spiegelreflexkamera umher, auf der Jagd nach originellen Schnappschüssen.
Meine Mutter will einen auf ultracool machen und ihm den Stinkefinger vor die Linse halten, verwechselt aber in der Eile den Mittel- mit dem Zeigefinger.

Ich quatsche ein bisschen mit Ben (14), Urgroßneffe (oder so).
Ben antwortet auf 99% meiner Fragen mit "Weiß nich'."
Bisher nahm ich an, dass nur Elvis so dauerminderinformiert ist.
Ben weiß weder ob, noch was, noch wo sein Bruder, der gerade Abi macht, demnächst studieren wird.
Er weiß allerdings ganz genau, dass der Bruder am Donnerstag, den 28.06.12 gegen 15. 27 Uhr ausziehen wird. Wo er hinziehen wird weiß Ben nicht, aber er kriegt dann sein Zimmer.
Ich glaube, der Fachterminus hierfür ist "Inselinteresse".

Das Sova (50) und seine Schwester Nini (60) haben sich lange nicht gesehen und retardieren nun auf's Übelste. Sie tuscheln, kichern und juchzen wie die Teenager. Ihre Mutter schüttelt nur den Kopf und schämt sich ein bisschen für die beiden; sie hätte doch so gerne mit Ihrer Familie angegeben.
Wenn ich die zwei Peinlichkeiten so sehe, bin ich direkt froh, geschwisterlos zu sein.

15.30:
****Torten-Time****

Der Heilige Elvis langweilt sich. Er hat sein i-Dings zuhause vergessen. Ben nicht und deshalb verläuft die Kommunikation zwischen den beiden etwas schleppend.
Beim Schlemmen kommt mir eine Idee. Ich flüstere dem Heiligen Elvis zu:
"Ich wette 5 Ocken, dass unser Omma mütterlicherseits ihren Teller schneller leer hat, als unser Omma väterlicherseits!".
Mit fachmännischem Blick auf Tortenstückdicke und Konstitution der beiden Kampfschnecken wettet er dagegen.
Offenbar war mein Flüstern nicht leise genug, denn mein Vater mischt sich ein und setzt ebenfalls auf Omma mü mit der Begründung, dass Omma vä ein Gebiss trägt und es da schon mal zu dentalplastischen Schwierigkeiten kommen kann. Vor allem, wenn Nüsse im Spiel bzw. in der Torte sind.
Der LAG ist zwar schwerhörig, aber akustischen Mist, egal wie leise, hört er komischerweise immer. Er klinkt sich ein und setzt auf Omma vä.
Und so sitzen wir 4 da und starren gespannt auf die Ommas.
Leider geziemt es sich an solch einem Tag nicht, sie anzufeuern.
Omma vä gewinnt, aber nur, weil Omma mü sich beim essen auf ein Quätschchen mit Tante Anneliese eingelassen hat.

16.38:
Feierabend!
Allgemeiner Aufbruch.
Da von den 3 Torten 2 übrig sind und auch das Buffet von uns nicht komplett leergefressen wurde, machen wir uns schwertupperbepackt auf den Heimweg.
Ich fühle mich fit und entspannt, trotz Familienoverkill.


NACHTRAG:
  • Auf allen 8.327 Fotos gucke ich blöde aus der Wäsche! Das kann ja wohl nicht wahr sein!!
  • Dem Heiligen Elvis fällt ein, dass er vergessen hat, das Stammbuch beim Pfarrer abzugeben.
  • Er hat ordentlich "verdient", obwohl er's nicht verdient hat!
  • Die Restaurant-Rechnung war viel niedriger, als befürchtet.
  • Merken für's nächste Event: Koche nicht selbst! Feiere nicht zuhause! Bringe Übernachtungsgäste anderweitig unter!

Soooo, hättn wa das auch erledigt!
Was kommt next?!