Donnerstag, 27. September 2012

Juliane von Knigge - Durch's Treppenhaus

Ich bin von Geburt an Mieterin.
Ich habe noch nie in einem Haus gewohnt; immer in Mietwohnungen.
Auch meine Eltern und Großeltern sind keine Hausbesitzer.

Ich wohne im 3. Stock.
Wenn's bei mir klingelt, betätige ich den Türöffner, gehe ins Treppenhaus und gucke durch's Geländer, wer da so hoch kommt.

Nun habe ich im Laufe der letzten Jahrzehnte folgendes beobachten können und zwar ausnahmslos:

  • Hausbesitzer (und deren Kinder) brüllen vom 1. Stock an los; also sobald sie mich ihrerseits durch's Geländer oben erblickt haben"Na, alles paletti? Mönsch, ist das ein Wetterchen draußen! Schlecht mit der Parkerei hier, ne? Wem gehört denn der versiffte Buggy neben der Haustür? Ist das eurer?Blablabrüll!" ... oder was man sonst so zur Begrüßung sagt.
  • Leute, die selber zur Miete wohnen (und deren Kinder), kämpfen sich still und leise in den dritten Stock und warten mit der Begrüßung bis zur Wohnungstür. Sehr löblich.

MERKE:
Nicht JEDER Nachbar ist an einer lautstarken Fremdunterhaltung quer durch's Treppenhaus interessiert - also:
KLAPPE  HALTEN, BIS  DIE  ZIELWOHNUNG  ERREICHT  IST!

Bei manischen Quasslern muss man tricksen:
Wenn ich weiß, dass meine Kusine Imre zu Besuch kommt, besteht immer die Gefahr, dass sie von ihren täglichen 27 Milliarden gesprochenen Worten, 7 Millarden zwischen Erdgeschoss und 3. Stock rauslässt.
Nicht schön. Das kann man keinem Nachbarn zumuten.
Zumal Imre, durch die Vielquatscherei atemnotsbedingt, nicht zügig bis in den dritten kommt, auf Treppenabsatz 1 & 2 pausieren muss, dort aber munter weiterquatscht.
Wenn Imre also kommt, verstecke ich mich hinter meiner Wohnungstür und öffne erst, wenn ich ihr Gehechel direkt davor vernehme.

Tjaha, denkt mal drüber nach, ihr Hausbesitzer, wenn ihr das nächste Mal eure veramten Bekannten im Mietsbunker besucht!
Und brieft auch eure Kinder!

Abschließend noch der Spruch, den ich meiner Schwiegermutter auf ein Kissen getackert habe:
Ein guter Gast ist niemals Last.

Mittwoch, 26. September 2012

CakePops für Anfänger und Eilige

Anleitung:
  1. Lieblingskuchen kaufen gehen
  2. in mundgerechte Stückchen schneiden
  3. (die Pedanten knabbern die Stückchen noch CakePop-förmig rund)
  4. Gabel hineinrammen (-> Edelstahl oder Silber -> mehrfach verwendbar. Ökologisch supiwertvoll. Da freut Paul Watson sich strubbelig!)
  5. genießen!

Käse-Sahne-Cakepop.



Der LAG nennt es "stinknormal Kuchen essen".

Ich nenne es "die schnellsten CakePops der Welt zaubern".

Gabel: Boston von WMF
Mein sich in der Gabel spiegelndes smaragdfarbenes V-Neck-Shirt: Tacco, 7 Ocken.
Handcreme: Florena Kirschblüte.


Übrigens, auch echte Kerle können zauberhaft!
Der Typ ist Musiker und soweit ich die Spiegelung in seinen Backutensilien erkennen kann, backt er nackt ;-)

Sonntag, 23. September 2012

Von Omma- & Oppaschleimern

Durch Rewe schlendernd höre ich, wie eine ca. 5-jährige zu der Frau neben ihr sagt: "Du bist viel netter als meine Mama!"
Die Frau freut sich und strahlt.
Ich sage: "Wie gemein!"
Die Frau freut sich sichtlich weniger und stammelt: "Ich bin ja die Oma..."

Und wenn schon.
Da reißte Dir als Mama twentyfourseven den Arsch auf und dann sowas.
Nur gut, dass die Mama des undankbaren kleinen Kackbratz dieses zweifelhafte Kompliment nicht gehört hat.

5 ist irgendwie ein grausames Alter.
Laut einem sich hartnäckig haltenden Gerücht habe ich mit 5 bei einer Familienfeier lauthals gekräht:
"Ich mag meinen Papa viel lieber als meine Mama!"
Und - hat mein Papa sich über das Kompliment gefreut?
Mitnichten, er verpasste mir einen ordentlichen Anschiss.
Und - hat meine Mama das als Anlass zur Selbstreflexion genommen?
Mitnichten, statt dessen tupfte sie sich theatralisch die geröteten Augen und die Stimmung war hin...
Wie gesagt: Gerücht.

Bin sicher, Elvis hat sowas wie das Rewekind bestimmt auch zu seinem über alles geliebten Oppa gesagt hat, dieser alte Oppaschleimer, der.
Und Oppa ist seinerseits ein Elvisschleimer. Was Elvis als Kleinkind alles durfte - dafür hätte ich früher den Arsch versohlt gekriegt!
Also wenn ich den Arsch versohlt gekriegt hätte. Tatsächlich gab's immer nur Schimpfe und anschließend ungemütliches Schweigen.

Oh, Moment, erinnere mit einiger Häme an den einzigen Vorfall, bei dem Elvis von Oppa was hinne druff gekriegt hat:
Oppa hatte den 2-jährigen mit zu Plus genommen.
Für das Pfund Gehackte, das sie Omma mitbringen sollten, schien kein Einkaufswagen nötig. Und als Oppa, letztendlich vollbepackt mit zig Kleinteilen, Richtung Kasse stolperte, bekam Elvis einen seiner berüchtigten Trotzanfälle und fing an, Bonbontüten aus den Regalen zu reißen und auf den Boden zu pfeffern.
Als die 37 mehr oder weniger streng ausgestoßenen NEIN!s keine Wirkung zeigten, wusste Oppa sich nicht anders zu helfen, als ungelenk mit einer Chipstüte auszuholen und auf Elvis Windelhintern zu zielen.
150 g Chips auf 1500 g Windel hatten natürlich 0 Fühleffekt - sorgten aber für ordentlich Schrecken. Bei beiden.
Das ist nun 12 Jahre her; Oppa plagt immer noch das schlechte Gewissen und Elvis tut immer noch geschockt...

Da fällt mir ein, dass ich meine Omma auch irgendwie besser fand als meine Mutter.
Und leckerer gekocht hat sie auch.

Tja, ich glaube, das geht allen Kindern so.
Aber dann sollen sie im Stillen genießen und gefälligst ihre kleinen, vorlauten Schnauzen halten.


Mittwoch, 19. September 2012

Neulich in der Psychiatrie

...hatte ich ein Vorstellungsgespräch als Sekretariatsmitarbeiterin.
Und ich hab's versaut. Absichtlich.
Dabei hätte ich den Job echt gerne gehabt.
Aber es gibt Dinge, die kann ich einfach nicht durchgehen lassen.

Nach dem üblichen Einstiegsblabla ("Ham Se gut hergefunden? Erzähln Se mal über sich. Was sind Ihre Stärken und Schwächen?") folgte ein kleiner Test.
Der Verwaltungschef wollte wissen, wie wichtig mir ein freundlicher Umgangston sei.
Blöde Frage eigentlich, wer hätte da schon mit "unwichtig" geantwortet?
Er zeichnete folgende Situation:
Einer der Psychiater hat gerade einige Stunden auf dem Klinikdach damit verbracht, eine suizidgefährdete Patientin vor'm final move zu bewahren, kommt anschließend ins Sekretariat, um den Bericht abzugeben und vergreift sich mir gegenüber im Ton, weil er nervlich durch ist.

Ich erwiderte, dass der Typ immerhin jahrelang für solche Szenarien studiert hätte und dass er sich als erwachsener & gesunder Mensch im Griff haben sollte.
Das war nicht die Antwort, die Cheffe erwartet hatte.
Er beharrte darauf, dass der Arzt zurecht geschlaucht sei und ob ich kein Verständnis dafür hätte?
Ich so:
"Klar habe ich Verständnis dafür, aber der Mann soll seine Laune trotzdem nicht an mir auslassen."
Und im Versuch die Stimmung zu retten:
"Ich persönlich würde auf'm Tisch tanzen und nach Veuve Cliquot verlangen, wenn ich ein Leben gerettet hätte!"
Aber die Stimmung blieb im Eimer.
Er faselte von Extremsituation, Adrenalienspiegel, usw.
Ich schlug augenzwinkernd vor, über des Doktors Verfehlung großzügig hinwegsehen zu können, wenn er mir am nächsten Tag eine Schachtel Entschuldigungspralinen überreichen täte.
Auch das kam eher suboptimal an.
So ging das Gespräch noch eine Weile hin & her.
Weder er noch ich wollten vom jeweiligen Standpunkt abrücken.
Außerdem war es heiß, ich pmste vor mich hin und der Typ ging mir tierisch auf den Zeiger.
Um meinem Leiden ein Ende zu setzen, fragte ich, ob es moralisch überhaupt vertretbar sei, einen Menschen, der sich derart unglücklich fühlt, dass er sein Leben beenden will, davon abzuhalten.

Des Verwaltungschefs Kinnlade fiel und ich wurde schneller hinauskomplimentiert, als ich "Psychose" sagen konnte...

Egal, bewerbe ich mich eben beim Fernsehsender in der Nachbarstadt; die suchen ebenfalls jemanden für's Sekretariat.
Prominente finde ich eh viel dufter, als emotional instabile Irre
(und ich spreche hier von den Ärzten!).

Montag, 3. September 2012

Durch die Woche mit dem King

Samstag:
"Ich gehe jetzt zur Bank und gebe den Antrag für mein Jugendkonto ab!"
informiert Elvis mich gegen 18.29 Uhr.
Boah, wat'n Megafail.
Der junge Mann, der mir neulich erzählt hat, dass er Investmentbänker werden will, kennt die Öffnungszeiten einer Bank nicht mal ansatzweise.
Die Öffnungszeiten von NewYorker kennt er in- & auswendig.


Sonntag:
0:57 Uhr:
Ich träume, dass ich mitten auf der Autobahn stehe und ein 40-Tonner mit Fernlicht auf mich zurast.
Ich werde wach und merke, dass ich tatsächlich geblendet werde. Nämlich vom iPott-Flutlicht, das mir Elvis vor's Gesicht hält.
Ich (-> direkt panisch, denn wenn nachts was is', dann isses was Schlimmes): "WAS?!"
Elvis: "Welche Jeansgröße habe ich?"
Ich (-> das plötzlich einsetzende Engegefühl in der Brust tapfer ignorierend): "Was? Häh? Wieso?!"
Elvis: "Ich habe grade bei skatedeluxe.de 'ne ganz gute Jeans gesehen. Die will ich mir bestellen."
*seufz*
Was wundert mich sowas überhaupt - seine nocturne Affinität ist ja bekannt: <klick>
Seit wann & wieso haben  Handys eingebaute Taschenlampen?? 


Montag:
Auf der Autobahn.
Ich (<- zwar halbblinde & dauerfluchende, aber dennoch sehr besonnene & sich an alle Regeln haltende Autofahrerin mit Kleinstwagen):
"Oh, huch! Was war das? Bin ich gerade geblitzt worden?!"
Elvis (nach Blick auf Tacho): "Mutter... Auf der Autobahn wird man bestimmt nicht wegen 75 kmh geblitzt!"
Ab welchem Alter wächst den Kleinen eigentlich dieser verächtlich-höhnische Unterton?!
Und bevor die Herren wieder lästern: Ich fuhr ausschließlich RECHTS!


Dienstag:
Sitze spätnachmittags in Docs Wartezimmer und warte auf Elvis, der das erste Mal ohne Mutti ins Sprechzimmer wollte. *schneuz*
Plötzlich reißt der Doc die Tür desselbigen auf und stürmt zur Anmeldung:
"Das Telefon! Schnell!"
Ich springe auf und auf halbem Wege zu meinem "Baby in Gefahr" höre ich den Doc ins Telefon bellen:
"Karin! Ich habe den Smoking in der Reinigung vergessen. Die schließen in 10 Minuten! Kannst Du ihn schnell holen?"
Dann zu mir:" Wir wollen doch heute Abend in die Oper!"
Ja, nee ..äh.. toll... Viel Spaß! Ich setze mich dann wieder ins Wartezimmer und veratme die herannahende Ohnmacht...


Mittwoch:
Wir gucken Scrubs. Thema Eisprung.
Dr. Reed erzählt, dass sie jeden Monat ihrem jeweiligen Ei einen Namen gibt.
Ich: "Hä? Es springt doch pro Monat nicht nur 1 Ei!"
Elvis: "Doch, klar."
Ich: "Echt? Aber es gibt 2 Eileiter. Müsste dann nicht aus jedem Eileiter gleichzeitig eins springen?"
Elvis: "Nee, es springt monatlich immer nur 1. Mal aus dem einen, mal aus dem anderen."
Ich habe das gegoogelt. Er hat recht. Wieso weiß der sowas? Sexualkunde ist 5 Jahre her!
Und wie konnte es zu seiner Existenz kommen, derart minderinformiert, wie ich bin?
Ein Wunder...


Donnerstag:
Lese bei Facebook, dass einer von Elvis' Klassenkameraden dort nicht nur mit seiner Mutti (-> Katalogmodel) "befreundet" ist, sondern auch noch eines ihrer neuen Agenturfotos  gepostet hat, mit dem Kommentar: "Ich habe die schönste Mutter der Welt".
Also nach 'nem gesunden 14-jährigen klingt das aber nich', ne?
(Elvis hat mich bei FB nicht nur geblockt, sondern auch noch als "Person, die mich belästigt" gemeldet! Warte täglich darauf, dass die Kripo hier klingelt.)


Freitag:
Elvis (XBox zockend) zu Mitbewohner1, der das Wohnzimmer betritt:
"Na, musste mal auf's Klo?"
MB1: "Auf's Klo? Es ist 5 Uhr morgens! Ich muss gleich zur Arbeit!"
Elvis: "Oh!"
Es ist nicht überliefert, wieso er Oh! sagte.
Überraschte ihn die Tatsache, das Erwachsene zu solch unchristlicher Zeit ihrem Tagwerk nachkommen müssen?
Oder dass er seinen persönlichen "Ich zocke die Nacht durch"-Rekord erreicht hat?
Ich werde ihn fragen, sobald er auf ist. So gegen 15.30...