Mittwoch, 17. Oktober 2012

Sauerländer Sexmonster

Kürzlich versetzten hier im nordwestlichen Sauerland mysteriöse SMSen ältere Damen in Angst & (wohligen) Schrecken.

Am Sonntag nachmittag gab es daher in der vollbesetzten Winkelkötterschen Festscheune (-> Pfarrer Filthaut wurde 80) nur
1 Thema:
das SMS-PHANTOM, wie Tante Gundis ihn getauft hatte.
Es stellte sich heraus, dass von den 17 weiblichen Opfern alle über 70 und einige mit mir verwandt sind.

Fest davon überzeugt, dass es sich beim anonymen SMS-Absender um ein abartiges Sexmonster handelt, überlegte man sogar, POM Henneke aufzusuchen, zwecks Polizeischutz.
Einzig der doch eher harmlos anmutende Text ließ die Damen zögern:

"Guten Tag. Hier sende ich Dir meine neue Handynummer!"

Natürlich hatten alle direkt zurück geschrieben:
"Wer sind Sie?" oder "Kennen wir uns?"

Manchen antwortete der Lüstling mit einem schlichten "Ja sicher".
Manche der Damen versetzte er mit der unheilvollen Drohung
"Komme in den nächsten Tagen mal vorbei!" in Panik.
Und manche ängstigte der Unhold gar mit Insiderinformationen:
"Schmerzt dein Hallux noch?" oder "Wie war das Bridgeturnier am Freitag?".

Natürlich traute sich keine der Damen die angezeigte Handynummer einfach mal anzurufen, denn es ist ja aus "Aktenzeichen XY ungelöst" hinlänglich bekannt, dass man ungebeten zugesandte Nummern unter gar keinen Umständen zurückrufen soll, weil man sonst in der fiesen Jamba-SparAbo-Hölle landet, in der man dann auf Jahrzehnte für 9,99 € pro Monat festsitzt.

Die Damen taten also das, was ältere Damen in so einer Situation eben tun: sie schalteten ihre Handys aus und verstauten sie vorerst in der Kramschublade.

Kusine Püppi machte dann am Montag dem Spuk ein Ende und wählte todesmutig (und vorsichtshalber vom Bürotelefon aus) die Nummer des SMS-Monsters.

Tja, was soll ich sagen...
.
.
.
.
.
Unser Oppa ging ran.

*seufz*, *augenroll* & *stöhn*


Das warf Fragen auf:
Wieso nur Damen SMSen bekamen?
Unser Oppa ist bei älteren und zumeist verwitweten Damen ein Geheimtipp:
noch sehr rüstig, unternehmungslustig und hilfsbereit ruft man ihn gerne an, wenn eine Birne im Kronleuchter gewechselt, das Frostschutzmittel im Ford Taunus nachgefüllt oder eine Kiste Sherry für die nächste Rommérunde besorgt werden muss.
Den wenigen noch lebenden Ü70er Herren hatte er beim wöchentlichen Stammtisch laminierte Kärtchen ("laminieren" - sein neuestes Hobby) mit der neuen Handynummer zugesteckt.

Wieso ohne Namen?
Bei der Ursprungs-SMS ("Hier sende ich Dir meine neue Handynummer!") hatte er vergessen, seinen Namen drunterzusetzen.
Auf Püppis Frage, wieso er denn seinen Namen nicht unter die folgenden SMSen gesetzt hätte, antwortete er:
"Wieso denn? Die Damen haben doch gewusst, dass ICH das bin, sonst hätten sie ja nicht geantwortet!"

Fragt nicht...
Alte Leute-Logik eben.

Donnerstag, 11. Oktober 2012

Ladies, beware of Peter Pan!

Liebe Frauen und Mitbürgerinnen,
heute möchte ich euch vor einer ganz üblen Spezies Mann warnen:
Peter Pan.
Wir erinnern uns: Peter Pan ist dieser kleine Vollidiot, der niemals erwachsen werden wollte und seine Umwelt mit seinem retardierten Gehabe tierisch nervte.
Kein Mensch braucht sowas.
Und erwachsene Frauen schon gar nicht.

Ich habe hier mal einige Verhaltensweisen aufgezählt, die, ZUSAMMENGENOMMEN, darauf hinweisen, ob ihr einen echten Peter "PissOff" Pan erwischt habt:

1. Outfit:
Nix ist für PP schlimmer, als gestylt zu sein wie ein Spießer ("Spießer" bedeutet in diesem Fall: stinknormaler & nicht gestörter Durchschnittsmann).
Gekauft wird das Outfit in Skater- und sonstigen Youngster-Shops.

Haare:
Geligel oder Tim&Struppi-Zipfel, weil's so dufte jugendlich wirkt. Die mit wenig Haar greifen gerne zum Beanie, auch bei 28°C im Schatten.

Klamotten:
- Hoodies
- ausgeleierte Shirts mit megacoolem Aufdruck ("HardRockCafé", "Led Zeppelin World Tour '71", etc.) darüber gerne:
- Holzfällerhemden,  niemals zugeknöpft (-> symbolhafte Auflehnung gegen das Establishment), 3 Nummern zu groß (-> vermittelt: "Ich lehne mich zwar auf, aber bitte tut mir nix, ich bin bloß ein kleiner Junge!")
- ausgefranste Jeans

Schuhe:
- Turnschuhe (Geburtsjahrgänge vor 1970 bevorzugen Puma)
- Chucks & Look-a-likes


2. Name:
Herren älteren Semesters tragen naturgemäß altmodische Namen.
Gesunde Männer tragen das mit Fassung, PP kürzt cool ab:
Karl-Heinz -> Carlo
Reinhold -> Ray
Hans-Joachim -> Joe
Günther -> Terry
Richard -> Rick.
Gerne behält PP auch den Spitznamen aus Teenagertagen:
Atze, Lupo, Toto, Pille, etc.


3. Ursprungsfamilie:
Oha.
Vatta, Muttern und Peter haben da irgend'n unverarbeitetes Psychoding am Laufen, in das frau sich niemals einmischen sollte; es sei denn sie ist Psychologin.
Vatta hat ihm zeitlebens Anerkennung verwehrt.
Muttern würde ihrem Jungen gerne bis zu ihrem Tode seine Wäsche waschen.
Zu Besuch bei den Eltern kann es zu folgender typischer Szene kommen:
Vatta: "Mensch, Gerold, was soll denn dieser alberne Kuhflecken-Pulli? Kannst Du dich nicht seriöser kleiden?"
Gerry (46): "Boah, ey *augenroll* ja jaaaaaa!"


4. Freunde:
Nur oberflächliche Freundschaften. Gleichaltrige Männer sind meist "Spießer", und bei jüngeren kann PP nicht mehr mithalten.


5. Sex:
Ein Akt mit PP erinnert an den Sex aus Teenagertagen, bei dem der Typ unbeholfen auf einem herumrutschte und sich (oder besser: ihr) an den garantiert falschen Stellen den Wolf rubbelte.
PP entwickelt sich da nicht großartig weiter und rammelt mit 46 immer noch wie ein 16-jähriger. Nur nicht mehr so ausdauernd.
Außerdem krault und kitzelt er gerne.


6. Sprache:
Bemüht jugendlich.
Er lobt mit coolio, nice oder geilomat. Im süddeutschen auch paaaasst bzw. paaascht.
Grundsätzlich wird zur Begrüßung Hi! gesagt; auch zum Seniorchef.
Oder zum Papst.
Verabschiedet wird mit "Ciaooo!"


7. Familie:
PP ist Verantwortungsphobiker. Sollte er dennoch versehentlich Kinder gezeugt haben, hat er in deren Kindheit garantiert mehr Spaß als sie selbst.
PP hat auch viel mehr Spaß im Phantasialand und jauchzt in der Käferbahn lauter als alle anderen  Kinder.
Anfangs finden die Kleinen ihren jungtuenden und verspielten Pappi toll. Zu seinem Leidwesen entwickeln sich die Kinder aber weiter; werden groß & größer und blicken irgendwann verachtend auf den retardiert-infantilen Typ herunter.
Sind die Kinder aus dem Haus, hat Frau Pan 1 Kind übrig: Peter.


8. Natürliche Feinde:
Alle "Autoritäten": Chefs, Vorgesetzte, Vermieter,  Lehrer der Kinder, Arbeitsamtsachbearbeiter, etc.
Bei denen vergreift PP sich oft im Ton.
Ist entweder zu unverschämt oder zu freundschaftlich (->der Seniorchef wird mit "Hi! Na, alles easy?" begrüßt).


9. Beruf:
Da PP gegen Bonzen und Chefs rebelliert (-> Autoritätskonflikt) und gleichzeitig Null Ehrgeiz hat, ist er natürlich nie selbst Chef und man findet ihn nur in hinterer oder letzter Reihe (Angestellter, Abeiter, Geselle, etc.).


10. Frauen:
Nun könnte man meinen, dass PP sich ausschließlich für sehr junge Frauen interessiert. Aber nein! Er ist meist mit Gleichaltrigen liiert, weil er deren bewundernde Bestätigung (-> "Mein Freund ist zwar gleichaltrig, aber er ist so dufte jung geblieben!") und einen Mutterersatz braucht, der ihm sagt, wo es langgeht.

In Onlinebörsen preist er sich gerne an als "jungebliebenen Mittfünfziger" oder "52, aber deutlich jünger aussehend".
Chats eröffnet er mit Hey ho! und endet mit Greetz!


11. Hobbys:
Schön am Beach / im Park / in der Hängematte liegen und relaxen.
Ansonsten nix konkretes: bisschen Sport, bisschen Musik, bisschen Lesen, bisschen fernsehgucken, bisschen "Playsie" zocken oder bisschen Gitarre spielen.


12. Kritikfähigkeit:
Hatta nich'.
PP trottelt unbekümmert von einer zum Scheitern verurteilten Idee zur nächsten.
Vorausschauend sein oder Mitdenken ist nicht seins.
Alles, was er anpackt endet vermurkst, da er sich nur peripher für Sachen interessiert, die über seine Lieblingsbeschäftigung "schön am Beach/im Park/in der Hängematte liegen und relaxen" hinausgehen und somit von nichts richtig Ahnung hat.
Dummerweise hält er sich irrtümlich für einen Obermacher (schlau, diplomatisch, charmant).
Da immer nur auf's Spaßhaben bedacht, findet er alltägliche Aufgaben wie Haken in die Wand dübeln oder Glühbirne im Kronleuchter wechseln unsexy.
Einerseits vergeigt er sowas, da er bereits übellaunig und dementsprechend lax an die Sachen herangeht.
Andererseits ist er geil auf Anerkennung (siehe Vattaproblem) und will für die simpelsten Dinge gelobt werden.
Nur - welche Frau lobt dafür, dass er zwar endlich das Wohnzimmer gestrichen hat, aber zu faul war, Abdeckplanen auszulegen und die Arme nun mühsam Farbkleckse von Pflanzen, Büchern und Haustieren kratzen muss.
Kritisiert man ihn, kommt das altbewährte "Ja jaaaaaaa *augenroll*!"

Typischer Dialog mit einem PP (51):
PP: "Sollen wir ins Bräustüberl essen gehen? Erinnerst du dich, da war es früher immer so lecker."
Sie: "Wir waren da zuletzt in den 90ern. Gibt's den Laden denn noch?"
PP *leicht angepisst, weil sie ihm für die brillante Idee nicht direkt einen Blowjob anbietet*: "Keine Ahnung."
Sie: "Montags ist meist Ruhetag. Hoffentlich haben die geöffnet."
PP *genervt*"Ja jaaaa, wird schon..."
Sie: "Das Bräustüberl liegt mitten in der Fußgängerzone. Wo könnten wir denn dann parken?"
PP *noch genervter*: "Maaann, lass' mich doch in Ruhe mit so 'nem Scheiß..."
...
Sie: "Soooo... ich habe das mal rasch gegoogelt. Das Bräustüberl gibt's nicht mehr. Und wohin nun?"
PP *total angepisst*: "Boah, ey, leck' mich doch! Ich dachte, wir machen einfach mal was Schönes ...BlaHeulJammer... und jetzt nimmste meine Idee auseinander!"
Sie: "Nun ja, nachdem wir bei unserer letzten gemeinsamen Unternehmung einen Umweg von 38 km fahren mussten, weil Du unterwegs die brillante Idee hattest, dich, statt wie die Spießer nach dem Navi, lieber an Cassiopeia zu orientieren, stehe ich deinen Ideen ein wenig misstrauisch gegenüber."


Bekannte Beispiele:
Turk & J.D, die beiden Oberdeppen aus "Scrubs".
Der Protagonist aus "About a boy" von Nick Hornby.
Doug Hefernan, die Dumpfbacke aus "King of Queens".

Das fatale:
frau erkennt einen Typ mit Peter Pan Syndrom erst ab einem bestimmten Alter.
Grob geschätzt ab 36.

Zum Schluss noch ein todsicherer Tipp, wie man einen Peter Pan enttarnt:
Anspielungen auf sein Alter ("Du bist aber auch nicht mehr der Jüngste!" oder als Mittvierzigerin: "WIR in unserm Alter...") lassen ihn schneller das Weite suchen als Woddy Woodpecker.

Montag, 1. Oktober 2012

Kein Neger

Sonntag vormittag.
Ich schlendere mit meinem  Patensohn vom Kindergottesdienst nach Hause.
(Wer kichert da?! Ich hatte am Vorabend beim Rommé gegen seine Mutter verloren.)

Kurz vor'm Ziel kommt uns der Stadtkurier-Bote entgegen.
Die Zeitungen schiebt er in einem alten Kinderwagen vor sich her.
Der Bote ist dunkelhäutig. Sehr dunkelhäutig. Usain-Bolt-mäßig dunkelhäutig.
Wir hier im nordöstlichen Sauerland kennen Dunkelhäutige eigentlich nur aus "Länder, Menschen, Abenteuer" und vom Karneval in Bergisch-Gladbach.
Kaum hat PaSo ihn erblickt, zeigt er aufgeregt mit dem Zeigefinger auf den Mann und schreit:

"KUCK MA!"

*seufz*

Ich weiß, was jetzt folgen wird:
Paso wird mir gut hörbar erklären, dass da ein NEGER auf uns zukommt. Er weiß natürlich aus KiGa, Schule und Elternhaus, dass Neger zu den bösen Wörtern gehört und dass das richtige Wort Dunkelhäutiger ist; aber wenn Kinder aus dem Häuschen geraten, ist auf political correctness schnell mal geschissen. 
Ich werde einen Schweißausbruch bekommen, mich wortreich bei dem Mann entschuldigen müssen und PaSo anschließend daran erinnern, dass er Neger -verdammtescheißenochmal- nicht sagen darf.
Zumindest dann nicht, wenn ich dadurch in Schwierigkeiten gerate.
Herr Bolt wird mich stellvertretend für das ungezogene Gör an meiner Seite hassen und ich werde nie wieder einen Stadtkurier im Briefkasten finden.
Oder höchstens einen, der mit Anthrax präpariert ist.
*seufz*
Tolle Aussichten.

Ich könnte PaSo rasch den Mund zuhalten, wie neulich, als wir in der Stadtbücherei waren und er sich beinahe bei der Bibliothekarin verplappert hätte, weil ich... äääh, tut jetzt nix zur Sache.

Aber es kommt sowieso anders:
Paso zückt also den Zeigefinger, schreit "KUCK MA!" und setzt dann nach:
"*pruuust* Der schiebt *hihihi* Zeitungen *hahaha* im *pruuust* Kinderwagen* höhöhö* spazieren *pruuust*!"
Okaaaay...
Das war's...?!
Nun gut, kindlicher Humor eben; man kennt das ja:
einmal kurz gefurzt und Du hast das Kind 'ne halbe Stunde mit Kichern beschäftigt.

Mein Puls sackt direktemang von 120 auf angenehme 90.
Ich kichere hysterischerleichtert auch, grüße Herrn Bolt extrafreundlich und alles ist gut...

PS:
Heute sagt man PoC oder Person of Colour.
Einverstanden, wenn ich da mal kurz mit den Augen rolle?