Sonntag, 18. November 2012

Besten Dunk, Elvis!

Elvis eben so: "Ich brauche einen neuen Basketball!"
Ich: "Du hast doch einen."
Elvis: "Der ist aber schon 2 Jahre alt!"
Ich: "2 Jahre schon? Och Gottchen, dann kann er ja bald in den Kindergarten!"

Elvis ächzt, rollt die Augen und trollt sich, bevor die Alte noch mehr Scheiße labern kann. 
Teenager verscheucht innerhalb von 8 sec. und
20 Ocken gespart!
Bin ich genial, oder was?!

Natürlich wird er seinen neuen Basketball kriegen, der gute Junge, der!

Immerhin hat er sich nach jahrelangem Fußballtraining nun endgültig für Basketball entschieden und das ist ein himmelweiter und wohltuender Unterschied.

Endlich bin ich diese prolligen Fußballeltern los, diese potientiellen RTL-MittenimLeben-Protagonisten im Adidas-Jogger, obwohl selber total unsportlich, die beim Training und Spielen vom Rand aus hochcholerisch Dinge brüllen wie:
"KEVIN, NICH SO LAHMARSCHIG! LAAAAAUUUF! LAAAUUUF DOCH KER VERDAMMICH!"
Oder:
"NIMM IHM DEN BALL AB, JUSTIN, BOAH EY, WARUM NIMMSE DEM TYP NICH DEN SCHEISSBALL AB?!"

Und Kevin und Justin und Co., anatomisch jungen Rottweilern gleichend (-> gedrungen, bullig und keinen Spaß verstehend), metzeln sich durch's Spiel.

Und ich spreche hier nur von der F-Jugend!
Und von den MÜTTERN! Die Väter sind noch schlimmer!

Nee, das wünscht sich keine Mutti für ihr Baby. 
Zumindest keine hochkultivierte, die ausschließlich Arte guckt und den Spiegel liest, so wie ich.
Jetzt bietet sich mir ein wunderbares Bild von hochgewachsenen, sich elegant bewegenden Hünen, die jeden Körperkontakt meiden und niemals auf dem Spielfeld fluchen würden!
Wir in den Rängen, in eine coole Mischung aus Casual und Business gewandet, applaudieren artig, wenn ein Ball in den Korb geht oder lassen ein wohltemperiertes "Oooouuuuuh, wie schade!" ertönen, wenn Leander, Florian oder Jeremias daneben geworfen haben.
Es gibt keine Hooligans und kein tumbes Fangegröhle.

Einziger Minuspunkt:

Die Fußballer tragen die besser sitzenden, ergo hübscher aussehenden Klamotten.
Warum Basketballer diese schlabberigen Oversize-Buchsen und ärmellose Trikots tragen, ist mir ein Rätsel.
Kein schöner Anblick beim weißarmigen und blassbeinigen Durchschnittssauerländer, der so gar keine Sexyness wie beispielsweise Shaquille O’Neal oder LeBron James besitzt.

Na gut, noch ein Minuspunkt:

bei der Fahrgemeinschaft habe ich den Part der Mutter, die Freitagabends regelmäßig das RTL-Liebesfilmfilmblockbustermovie die 48-teilige Arte-Doku über das Gesamtwerk Wim Wenders' verpasst, weil ich die Jungs um 21 Uhr vom Training abholen muss.

Aber egal; Elvis könnte mich nur noch mit Ballettstunden glücklicher machen...

So, nun entschuldigt mich, ich muss meinen kleinen AirJordan zu einem Spiel fahren.

Sogar FLOTUS and POTUS sind Fans! Hach...

Freitag, 9. November 2012

Sex and the Sauerland

Vorab: Sex and the City, Staffel 3, Episode 18, "Gute Nachbarschaft":
Miranda stürzt in eine Sinnkrise, als die Kellnerin vom Chinaimbiss am Telefon schon vorher weiß, was sie (also Miranda) bestellen wird, weil sie dort IMMER das selbe bestellt.

Gestern Abend lud uns Mutter Neumann zum Chinesen ein.

19.00 Uhr:
Auftritt: Alfred E. Neumann, Mutter Neumann, Elvis et moi.
Das "Red Dragon House" ist rappelvoll. Wir erwischen den letzten freien Tisch.

19.04 Uhr:
Elvis sitzt gekrümmt am Tisch und nuschelt: "Mir ist schlecht."
Ihm schwant wohl, dass der Abend mit uns alten Leuten langweilig werden könnte.
Vielleicht nimmt er auch Drogen, man weiß es nicht genau.
Er schleicht erstmal zum Klo.

19.09 Uhr:
Begrüßungscocktails werden serviert.
Wir sitzen 'rum und warten mit Stößchen und Bestellung auf Elvis.
Man weiß ja, was sich gehört.
Plaudereien gestalten sich schwierig, da es voll ist, eine Geräuschkulisse wie am Hauptbahnhof zur Rushhour herrscht und der schwerhörige Alfred E. und seine Mutter mit ihren ewig funktionsuntüchtigen Hörgeräten als Entertainer ausfallen.

19.14 Uhr:
Es dauert und dauert. Ich vermute, dass Elvis versucht, sich mit den beschränkten Mitteln eines Restaurantklos, die Haare zu re-stylen, die vorher von der albernen Hoppercap, die er selbstverständlich am Tisch abzusetzen hat, zerknautscht wurden.
Ich studiere derweil die Cocktailkarte und lerne:
"SwimmingPool":
Rum, Wodka, Blue Curacao 21%, Ananassaft, Kokossirup, Sahne.
"SwimmingPool (alkoholfrei)":
Rum, Blue Curacao-Sirup 0%, Ananassaft, Kokossirup, Sahne.

19.17 Uhr:
The King is back. Die Frisur gefällt ihm zwar nicht so, aber wenigstens ist ihm nicht mehr schlecht.


Elvis, gewohnt kameraphob, dabei ist er so hübsch,
"der wird bestimmt mal Schauspieler", wie unser Oppa immer orakelt.

Wir entscheiden uns für's Buffet; außer Mutter Neumann, die bestellt sich "was Richtiges".

ab 19.25 Uhr:
Das Buffet ist eröffnet...
Ich entscheide mich wie immer für Curryhuhn scharf.
Mutter Neumann kriegt ihre Entenbrust serviert.
Von da an jammert sie für den Rest des Abends im 3-Minutentakt:
"Och, Kinder, das schaffe ich doch gar nicht alles! Könnt ihr mir nicht helfen?"

Elvis erblickt am Nebentisch ein rehäugiges Gleichaltriges, beide starten eine komplizierte Flirt-Choreo von Tisch zu Tisch und um's Buffet herum, so dass er die nächsten 57 Minuten nicht ansprechbar ist.

Eine der Kellnerinnen kommt und fragt, ob alles in Ordnung ist.
Hier nun mein persönlicher Sex and the CIty-Moment, und im Gegensatz zu Miranda finde ich die Situation witzig (hierzu muss man wissen, dass ich mir seit Jahren, und zwar immer wenn Elvis beim Vater, auf Klassenfahrt, im Mathecamp oder sonstwo weilt, im "Red Dragon" Curryhuhn scharf to-go hole).
Die Kellnerin guckt also auf meinen Teller und ruft aufgeregt:
"Aaaah, Curryhuhn schaaaaf! Das Sie immer essen!"
Sie zieht ihren Kollegen, der gerade vorbeikommt, am Ärmel heran, zeigt auf mich und sagt erfreut: "Da! Curryhuhn schaaaaf!"
Auch er erkennt mich sofort und strahlt: "Jaaa, Curryhuhnfrau!"
Alfred E., Elvis und Mutter Neumann glotzen.
"Kennt ihr euch?" fragt Alfred E.
"Ja sichaa!" nickt die Kellnerin begeistert. "Frau immer ruft an mittags und bestellen Curryhuhn schaaaaf zum Abholen! Nix anderes, immer Curryhuhn schaaaf!"

Gut zu wissen, dass Diskretion hier groß geschrieben wird.
Da kann ich ja von Glück sagen, dass ich immer alleine herkomme und keinen heimlichen Liebhaber oder jemanden vom BND mitbringe.
Und ehrlich gesagt, verstehe ich die Begeisterung der beiden Chinesen nicht. Bin ich die Einzige, die das Curryhuhn schaaaf bestellt?

Das Reh vom Nebentisch ist gegangen und ich erzähle Elvis von der Marmeladenglasgrafik des Soulweepers, bevor ihm vor Langeweile wieder schlecht wird.
Er: "Hat er die Grafik mit Optimus Prime gemacht?"
Ich: "Nee, mit Excel."
Er: *augenroll*
Pfff, arroganter Sack.

In den Verdauungspausen zwischen den Buffetgängen inspizieren Elvis und Alfred E. die Fotos auf meiner Kamera, die ich als artige Bloggerin überall mit hinnehme.
Alfred E. zu Elvis: "Guck mal, da hat sie wieder ihr Mittagessen fotografiert!"
Beide kichern affig.
Ja, habe ich und ich schäme mich nicht dafür!

Elvis will sich nochmal Nachtisch holen.
Ich bitte ihn, mir eine Kugel Vanilleeis mitzubringen, weil es mir, so als Dame, peinlich ist, mehr als 3 mal in Buffetnähe gesichtet zu werden.
Er geht und kommt ohne mein Eis zurück.
Er hat's vergessen.
Wie kann man innerhalb von 30 sec. was vergessen?!
Er will seinerseits auch nicht noch mal am Buffet gesichtet werden und so endet mein Abend ohne Vanilleeis.

Memo an mich:
nächste Woche seine Lunchpakete für die Schule "vergessen".

21.56 Uhr:
Gut gesättigt machen wir uns auf den Heimweg.
Mutter Neumann hat sich den Rest der Ente einpacken lassen:
"Davon esse ich noch bis nächsten Mittwoch!", freut sie sich.
*örks*

Unter'm Strich war Herr Neumann übrigens 6x am Vor- & Hauptspeisenbuffet und 2x bei den Desserts und sah dementsprechend aus: Reis klebte am Hemd, Schokosoße am Kinn.
Fressmaschine, die.
Habe ich eigentlich schon erzählt, dass er neulich einen Termin bei Prof. Mang, dem Schönheitschirurgen, hatte und dieser ihn als Liposuktionskandidaten abgelehnt hat?
Ach nee, stimmt, darüber darf ich ja nicht reden...