Mittwoch, 19. Dezember 2012

Ute, Herr Neumann und das Autofahren

Es läuft jedesmal gleich ab:
Sobald in geselliger Runde das Thema auf Männer bzw. Frauen am Steuer kommt, gebe ich mein Leid zum Besten.
Nämlich, dass Herr Neumann fährt wie eine gesengte Sau.

Ich erzähle, dass er Verkehrsschilder für Vorschläge und nicht für Vorschriften hält.

Ich erzähle, dass er die Rechts-vor-Links-Regelung grundsätzlich ignoriert, obwohl das für mich, die Rechtssitzende, übel ausgehen kann.

Ich erzähle, dass er jedesmal aus seiner Ausfahrt auf die von dort nicht einsehbare Straße herausschießt, statt sich vorsichtig "heranzutasten", wie es in der Fahrschule immer hieß.

Ich erzähle, dass er sich auf längeren Autobahnfahrten Zigaretten auf Vorrat dreht oder sich Kaffee aus der Thermoskanne einschenkt (hoffe, dass ich nicht im Wagen bin, wenn er sich dabei mal die Kronjuwelen verbrüht!) und währenddessen mit dem Knie lenkt.
Ob rechte oder linke Spur ist dabei unerheblich.

Ich erzähle, dass er letztens sein neues Navi eingebaut und adjustiert hat. Während der Fahrt.

Ich erzähle, dass er auch in verengten Baustellenabschnitten auf der Autobahn schneller fährt als erlaubt und dabei LKWs überholt.

Ich erzähle, dass er unerklärlicherweise einen Linksdrall hat und immer ein bisschen zu nah an der Gegenfahrbahn fährt.
(Neulich hat er in einer engen Innenstadtstraße einen anderen Wagen am Außenspiegel touchiert. Er war eindeutig Schuld, da mal wieder zu weit links. Er hechtete dann aus dem Auto und hat den anderen Fahrer dermaßen angeschnauzt, dass dieser sich sofort schuldig fühlte und sich kleinlaut verzogen hat.)

Ich erzähle, dass aus den o.g Vergehen schon einige kleinere Unfälle hervorgegangen sind, die aber Null Lerneffekt erzielten.
Holen sich Männer auf diese Weise ihren Adrenalinkick?!
Und falls JA - muss das denn sein??

Bis dahin ist noch alles in Ordnung.
Meine Zuhörer kommentieren diese Abartigkeiten mit "Uuuuuh!" und "Booaah!" und "Nääää, ne?!" und werfen Herrn Neumann finstere Blicke zu, während mir das gebührende Mitleid zuteil wird.

Doch unweigerlich folgt dann von irgendwem die Frage:
"Und wie reagierst Du in solchen Situationen?"

Ich hasse Autofahren und speziell das Autobahnfahren.
Für mich lauert auf der Straße hinter jedem Verkehrsschild, jeder Kreuzung und jedem 40-Tonner der sichere Tod.
Dementsprechend nervös reagiere ich auch als Beifahrer.
Und sobald Herr Neumann dann erzählt, dass ich schon während der Auffahrt zur Autobahn das Hyperventilieren anfange, bei Überholvorgängen meine Finger in seine Oberschenkel kralle und aus Leibeskräften "NEEIIN!", "IIIIIIEEEEK!" oder "ICH WILL NICHT STÄRBÄÄÄN!" kreische, wendet sich das Blatt und aus dem vorherigen "Juliane, Du Arme!" wird ein opportunistisches
"Alfred E., Du Ärmster!"

Pffff.
Ich ahne, wie Ute Lemper sich damals gefühlt haben muss, vom gefeierten Star zum Nobody in 3,7 Sekunden.

In diesem Sinne:
Allzeit gute Fahrt!