Dienstag, 16. Juni 2015

Schrankleichenprofi

Der Inhalt meines Kleiderschranks besteht zu 99% aus hässlichen Klamotten. Lauter Fehlkäufe.
Da ist nicht EIN Lieblingsteil darunter, das ich gerne anziehe.
(Ok, 1 Ausnahme: der Trenchcoat von Takko für 39,99 €, reduziert auf 27,99, der sitzt gut und sieht tatsächlich aus wie sein großer Bruder, der Burberry.)

Warum?
Weil Klamottenkauf bei mir immer auf die selbe fehlgeleitete Weise abläuft.

So fängt es meist an:
Ich verliebe mich im neuen Heine-Katalog, in einer Butike in Wuppertal oder sonstwo, in ein superschönes Teil, das ich unbedingt haben will.


Dann sehe ich den Preis und denke:
"Ernsthaft? SOOO VIEL für ein Fähnchen aus 100% Polyäthylenhydrochlorid?! Ich brauche das ja auch nicht wirklich. Und ist das nicht sowieso viel zu gewagt? Im Büro könnte ich das nicht anziehen und demnächst auf'm Spielplatz auch nicht. Das kaufe ich auf keinen Fall!"

Aber:
Das Teil geht mir 14 Tage lang nicht aus dem Kopf.
Also versuche ich via Internet das selbe Teil für günstiger zu bekommen.
Aber da nagelneue Kollektion, kostet es überall gleich.
Ich könnte nun zwoeinhalb Jahre warten und es dann irgendwo günstig im Sale schießen.
Aber nein, ich will das Teil JETZT!

Ich überlege, was es mir wert wäre und lande bei 49,99. Höchstens!
Also suche ich nach etwas ganz ähnlichem, das nur 49,99 kostet. Höchstens!

Ich werde vielfältig fündig.
Aber: das eine Ersatz-Teil sitzt nicht richtig, das andere steht mir nicht, das nächste ist zu lang, das übernächste zu kurz usw usw.

Es endet dann meist so:
Ich Glückspilz! Aldi Nord, 9,99 € hat da was im Supisonderangebot! Und irgendwie sieht es meinem Traumfummel tatsächlich ein klein bisschen ähnlich.
Toll, ich besitze dann den retardierten Zwilling meines Traumstücks, fühle mich nicht richtig drin wohl, er sitzt schief und ist über'm Hintern zu kurz und ach....
Ab in den Schrank zu den anderen Fehlkäufen.


Mag gar nicht an den Abiball nächstes Jahr denken.
Da muss einfach was Schönes her, koste es, was es wolle!
Obwohl, also, ZU teuer darf es natürlich nicht...
Ich weiß zwar, dass dann Leander Schürkötters Mutter, wie immer, den Preis für den hässlichsten Fummel verdienen wird, weil modetechnisch hier angesiedelt.
Also könnte ich somit ganz entspannt in den Abend gehen, aber EINMAL will ich auch etwas Schönes tragen, verdammt nochmal!
Vielleicht ein wehender Chiffon-Traum in eisblö?

Mein neues Credo also ab sofort: don't take the second best.
Dann hab ich zwar viel weniger im Schrank, aber dafür nur Schönes!


Öhm... was trägt man eigentlich zu so 'nem Abiball?!

Samstag, 13. Juni 2015

Mama grillt...

Grundsätzlich mag ich Feuer.
Allerdings nur kultiviert.
Gemütlich flackernd und wohlige Wärme verbreitend, wie in Windlichtern oder im Kamin und nicht als Waldbrand, Wunderkerze oder als der spektakuläre Balkonbrand, den ich Silvester 1999 verursachte, weil ich mich angesichts des drohenden Weltuntergangs mutig genug fühlte, zum ersten und letzten Mal in meinem Leben einen Kracher zu zünden.
... der sich erst in der Markise der Nachbarn verfing, von da auf einen auf dem Balkon abgestellten Altkleidersack fiel und diesen in Brand setzte.

Bei Feuer ist mir einfach zuviel unberechenbare Physik im Spiel.


Jedenfalls waren Elvis und ich aufgrund vorbeiziehender Grillduftschwaden aus den Nachbargärten derart angefixt, dass unbedingt Grillwurst her musste.
Ich bin ein Mädchen, ich besitze 27 verschiedene Grillsoßen, aber keinen Grill.
Bisher haben das immer die Kerle übernommen, die bei mir ein und aus gingen. Die haben aber ihre miteingeschleppten Grille auch jeweils wieder mitgenommen.
Und da mir 3 Bratwürste pro Saison reichen und ich so ein dreckertes Ding (also Grill, nicht Mann! ...Obwohl...) nicht dauerhaft in meinem Haushalt will, besorgte ich einen Einmalgrill für Dreifuffzich.
So ein Ding ist sehr praktisch: Alles drin und dran, was man für 2 Grillgänge braucht.
Also ausgepackt und wie befohlen, das obenauf liegende Papier angezündet.
Ratzfatz schlugen übelriechende Flammen bis zur Decke!
Ich hatte den Grill im Wohnzimmer entzündet, immerhin hatte ich in Erinnerung, dass man bei einem normalen Alustandgrill stundenlang warten muss, bis Glut entsteht.
Während ich Elvis zubrüllte, er solle sofort den Rauchmelder von der Decke reißen, raste ich in die Küche und holte Ofenhandschuhe, packte das lodernde Ding und schmiss es auf den Balkon.
Wetterwerte übrigens: 25° C, Windstärke 8.
Ich stellte einen Eimer Wasser daneben. Am Liebsten hätte ich alles gelöscht, aber mein Hunger war größer als die Angst.
Elvis, Lucky Luke und ich beobachteten die Feuersbrunst da draußen durch die geschlossene Balkontür und ich betete, dass meine neuer Rasenteppich und der Bambussichtschutz feuerfest sein mögen.

Irgendwas stimmt doch da nicht. Vielleicht war der Grill kaputt? Abgelaufen?
Laut Packungsangaben war das Papier, das ich entzünden sollte, mit Spiritus getränkt.
Ach so, das muss einem doch gesagt werden!
Nach 15 Minuten sei der Grill grillbereit.
Nach 20 Minuten stieg nur noch weißer Qualm auf und ich legte die Würste auf den Rost.



2 Stunden später wollte ich das Monsterdings entsorgen und was stelle ich fest? Es ist knallheiß und zwar überall! Häää?


Es blieb dann auch noch gut 1 - 2 Stunden heiß.
Ich habe mir noch eine Banane in Orangenblütenhonig gegrillt, um die Hitze nicht zu vergeuden.

Merken für's nächste Mal:
1. Wetter-App installieren!
2. Grill nur aushäusig anzünden!
2. Vorher Rasenteppich und Bambus wässern!
3. Mindestens 1 Stunde warten, bevor man die Würste auf den Grill schmeißt.

Erwäge, mir einen Mann mit Grill zu suchen, das scheint einfacher und weniger angstbesetzt.
Aber unter 'nem Ugly Drum Smoker tu ich's nicht.
N popliger Webergrill geht auch...
Interessenten melden! Aber schnell, ich krieg schon wieder Hunger!


Lerngeschenk:
Eine Jeans, die zum Trocknen auf einem in Grillnähe abgestellten Wäscheständer hängt, der mitten in Qualmrichtung steht, riecht hinterher nach - nichts!

Mittwoch, 3. Juni 2015

Arbeitsamt - warum einfach, wenn's auch kompliziert geht

In der Jobbörse vom Arbeitsamt stieß ich neulich auf eine sehr gut anmutende Stelle.
Unbefristet, super Konditionen, interessantes Arbeitsgebiet, im Nachbarort.
Die Stelle war chiffriert, also Anruf beim dortigen Amt.

Ich erfuhr, dass die zuständige Dame noch nicht im Haus sei, dass außerdem ihr Telefon defekt sei und ich deshalb im Laufe des Tages immer mal wieder probieren sollte, durchzukommen.
Nach 4 Stunden und diversen vergeblichen Anrufen gab ich auf.

Da es bei guten Stellen auf Schnelligkeit ankommt und ich wusste, dass alle AA-Filialen Zugriff auf denselben Zentralrechner haben, rief ich im hiesigen AA an.
Die Durchwahl hatte ich Fuchs mir von einer anderen chiffrierten Stelle in der Jobbörse besorgt.

Ich: "Können Sie mir bitte die Adresse des Arbeitgebers der Chiffre-Nr. 123 geben, damit ich mich dort bewerben kann?"
Zuständiger Herr: "*schnauz* Ich bin gerade in einer Beratung!!!"
Ich: "Oh..."
Wie konnte mir das bloß entgehen, in meiner Eigenschaft als Hellseherin??
Zuständiger Herr: "*stöööhn* Na gut... Wie ist denn Ihre Kundennummer bei uns?"
Ich: "08154711XYZ"
Zuständiger Herr: "*tipptipptipp* Die Stelle ist ja in Nachbarstadt! Da bin ich doch gar nicht zuständig!"
Ich schilderte das Telefon-defekt-Problem.
Zuständiger Herr: "Ach so. Moment... *tipptipp* Ich sehe, Sie sind Industriekauffrau, der Job ist aber für Bürokaufleute!"
Ich: "Ja, aber das Anforderungsprofil erfülle ich voll und ganz."
Zuständiger Herr: "Näää, das geht nicht! Sie würden ja dann einer arbeitslosen Bürokauffrau den Job wegnehmen!"

Oh, tja, huch!
Ob mir das wohl sehr sehr egal ist??

Ich suchte mir dann noch die Durchwahl von einer dritten Stadt 'raus.
Tja, was soll ich sagen:
die zuständige Dame hatte nicht nur ein funktionierendes Telefon, sondern rückte anstandslos die Adresse des Arbeitgebers 'raus und wünschte mir sogar viel Erfolg bei meiner Bewerbung.
So geht's also auch!
Hmmmm, entweder die Frau stand unter Drogen oder sie war neu...

Und weil das bestimmt nicht mein letztes Mal mit den Sonnenscheinchen vom Amt war, lohnt es sich, dafür ein eigenes Label zu eröffnen.