Donnerstag, 30. Juli 2015

Arbeitsamt - Keine Bildung für niemand

Ich so:
"Hallo, Frau Arbeitsagentin, ich habe gelesen, dass es so 'ne Art Bildungsgutscheine für Arbeitslose gibt. Und da bei immer mehr Jobs SAP-Kenntnisse vonnöten sind, würde ich mich in dem Bereich gerne weiterbilden."

Frau Arbeitsagentin:
"Ja, sowas gibt es. Ich gebe Ihnen jetzt die Telefonnummern von 3 SAP-Trainern. Dort rufen Sie an und fragen nach den nächsten Kursterminen. Wenn Sie fest in einem Kurs angemeldet sind, bekommen Sie von mir den Gutschein ausgestellt."

Hö?!
Das ging ja leicht!
*freu*

SAP-Trainer Nr. 1:
"SAP-Schulungen sind so gefragt, wir sind bis 2017 ausgebucht!"

SAP-Trainer Nr. 2:
"SAP-Schulungen sind so gefragt, wir sind bis 2049 ausgebucht!"

SAP-Trainerin Nr. 3:
"Wir bieten extra Kurse für Arbeitslose mit Bildungsgutschein an.
Die Mindestteilnehmerzahl ist 15. Ich kann Sie gerne auf die Liste setzen. Diese Liste existiert allerdings schon seit eineinhalb Jahren."

Ich: "Wieso so lange? Ist denn niemand an SAP interessiert?"

SAP-Trainerin:
"Doch schon, aber ein Kurs kostet pro Person und Modul 1.400 Euro, die das Arbeitsamt nicht wirklich zahlen will. Also rücken die extrem selten Gutscheine 'raus und so kommen wir natürlich niemals auf die geforderten 15 Teilnehmer, nicht mal auf 5. Sie wären in eineinhalb Jahren die Nr. 6. Und Obacht! Die Gutscheine sind nur eine bestimmte Zeit gültig. Wenn Sie sich bei mir anmelden und innerhalb dieser Frist den Kurs nicht angefangen haben, verfällt der Gutschein. Da beißt sich die Katze in den Schwanz. Wundert mich, dass Sie so einfach einen Gutschein bekommen haben."

*Ohne Worte*


Label: Arbeitsamt

Sonntag, 19. Juli 2015

Wie man sich einen Millionär angelt

Das interessiert euch sicher alle, gell?

Meine Freundin Charlotte (45), heilig, klugscheißerisch, hilfsbereit, hat's geschafft.
Und zwar so:

Es war einmal ein junges Paar aus einfachen Verhältnissen, 15 Jahre jung, die verliebten sich gar sehr ineinander. 
Sie hatten die selben Interessen, konnten miteinander lachen, reden, aber auch schweigen. Seelenverwandte.
Kaum volljährig, zogen sie zusammen und lebten fortan glücklich miteinander.
Alles lief wunderbar, bis das Herzflattern und Leidenschaft flöten gegangen waren.
Man trennte sich nach 15 Jahren auf, was sonst keiner schafft, harmonische Art & Weise und man blieb zumindest locker in Kontakt.
(Nennt mich bekloppt, aber nur, weil's im Schritt nicht mehr kribbelt, man sich aber sonst in allen anderen Lebensbereichen top versteht, trennt man sich doch nicht!)

Der Mann, einfacher Handwerker, zog in die weite Welt hinaus, konkret: nach Großbritannien.
Dort verliebte er sich in die Tochter seines neuen Chefs.
Man verlobte sich. Er verstand sich sehr gut mit den Schwiegereltern.
Alles supidupi.
Dann, wie im Märchen so üblich, Auftritt: böse Hexe in Form eines Fährunglücks, bei dem die Verlobte und ihr Vater um's Leben kamen.

Die Witwe, Alleinerbin und bis dato Nur-Hausfrau, war völlig überfordert, schaffte es aber mit Hilfe ihres Fast-Schwiegersohnes, der sich nun alles nötige kaufmännische Wissen in unzähligen Aus- und Fortbildungen aneignete, das Unternehmen erfolgreich am Laufen zu halten, was ihm dankbarkeitshalber den Status des Alleinerben bescherte.

Es folgte eine kurze, kinderlose Ehe mit der Sekretärin (Ja, komisch, ne? In dieser Firma scheinen sich alle total lieb zu haben) und 15 Jahre nach seinem Weggang, kehrte er nach Deutschland zurück.
Die Schwiegermutter mittlerweile tot. Seine geerbte Firma läuft bestens.
Die stressigen Jahre allerdings waren nicht spurlos an ihm vorübergegangen und so riet ihm sein Arzt, dringend kürzer zu treten.
Also wurde delegiert und umstrukturiert und er zog sich fast komplett zurück.

Was nun tun mit der ganzen freien Zeit?
Das, was ihn die ganzen Jahre nicht losgelassen hatte, nämlich eine erhoffte Reunion mit seiner Seelenverwandten Charlotte.

Charlotte hatte ihrerseits eine gescheiterte Beziehung hinter sich, war seit 10 Jahren alleinerziehend und dank Dauergeldsorgen zu einer verbitterten, misstrauischen Ziege mutiert, die sich mitnichten wohlig seufzend in die starken Arme des Millionärs sinken ließ.
Au contraire!

Als er das erste Mal nach der langen Zeit vor ihrer Türe stand, in der Hand einen Strauß mit 15 langstieligen Baccararosen (für jedes Jahr, das sie getrennt waren, 1 Rose), da hat sie ihn bloß angeschnauzt, dass sie für solch angeberisch großen Gebinde keine geeignete Vase hätte! Woraufhin er die Rosen in der Kloschüssel(!) zwischenlagerte und Charlotte ins Auto zerrte, um im nächstgelegenen Möbelhaus eine Vase auszusuchen, was sie dann auch mit hochrotem Kopf, da in Joggingbuxe und Birkenstocks, tat.


Darauf folgten 2 Jahre härtester Baggerei seinerseits, ehe sie endlich JA sagte!
Sie zierte sich, wollte sich weder verletzen, noch kaufen lassen.
Und gekauft hat er ihr einiges: den Thermomix zu Ostern, das iPhone zum Geburtstag, die 3(!) Paar Escada-Pumps zu Weihnachten, die Reise nach Gomera in den Sommerferien, das Fahrrad für's Kind, die Pommesbude.
Ja, richtig gelesen: die Pommesbude!
Charlotte liebt Fish & Chips. Da hat er ihr schlankerhand in der Großen Stadt, in die sie immer zum Shoppen fahren, eine Fish&Chips-Bude gekauft.

Ist das Hollywood, oder nicht?!

Und kann sie es genießen, die dumme Nuss?!
Nee, natürlich nicht!

Will er sie in den Palmgarden zum Essen ausführen, um den kinderfreien Tag zu nutzen, will sie nicht, weil sie ein furchtbar schlechtes Gewissen bekäme und ihr das Essen auch gar nicht schmecken täte, wenn sie weiß, dass das Kind nicht an dieser lukullischen Offenbarung teilhaben kann.
(Ey, scheiß' auf alle zuhause gebliebenen Kinder dieser Welt, der Palmgarden hat einen verfickten STERN!
Die Blagen müssen ja nie erfahren, dass man dort war!)

Will er das Kind mit dem Jaguar-Cabrio von der Schule abholen, dann keinesfalls mit offenem Verdeck und ohne Sonnenbrille bitte, weil es sonst zu protzig wirkt.
(Hallo?! Wir reden hier von einem elitären Privatgymnasium! Da gehört ein Jaguar-Cabrio eher zu den bescheideneren Fahrzeugen, die da vorfahren.)

Will er eine Reise mit ihnen machen, muss er erst gegen ihre mannigfaltigen Bedenken anreden (4-Sterne-Hotel? Muss es sowas teures sein? Fliegen ist gefährlich! Fremde Länder - fiese Krankheiten! Nicht, dass das Kind sich an Luxus gewöhnt! Irgendwann ist womöglich Schluss, sie wieder arm und hat dann nix mehr zu bieten. Usw. usw.) und dann das EINE Totschlagargument finden, das sie überzeugt.

Der Kerl hat echt Nerven...
Und ist 'ne Perle vor die Sau ..äh.. Frau.

Charlotte muss erstmal lernen zu genießen und nicht dauernd die Spaßbremse zu geben.
Aber hey, offenbar ist sie es ihm wert - und ich wünsche beiden eine glückliche Beziehung bis ans Ende ihrer Tage.

Freitag, 10. Juli 2015

Arbeitsamt - Der frühe Vogel fängt hier nix

In dreieinhalb Monaten endet meine Elternzeit.
Danach bin ich arbeitslos.

Heute hatte ich nix besseres vor, also machte ich mich auf den Weg zur Arbeitslosmeldestelle in Nachbarstadt.
Freute mich, dass ich so superduperstreberhaft überpünktlich bin, um keinesfalls eine Frist zu versäumen.

Frohgemut betrat ich das Arbeitsamt.
Und dann das:
Ich durfte nicht!
Ich durfte mich nicht arbeitslos melden!
Das macht man nämlich 3 Monate vorher und nicht 3,5 Monate vorher!
Wo kämen wir denn da hin, wenn alles so kreuz & quer und außerhalb der vorgeschriebenen Fristen und so.... ?!

Das Arbeitsamtsinfoschalterfrollein schickte mich also allen Ernstes und unverrichteter Dinge wieder weg, weil ich mit meiner Arbeitslosmeldung 13 Tage zu früh dran bin.
Mein Argument, dass ich früh gekommen sei, damit ich keinesfalls die Frist versäume, zog nicht.
Auch, dass ich nun extra die 20 Kilometer gefahren sei und mit Baby und in dieser Hitze und überhaupt... interessierte nicht.

Wenigstens konnte ich das Arbeitsamtsinfoschalterfrollein überreden, in meiner Akte zu vermerken, dass ich überpünktlich da gewesen sei.

Ich fahr' dann in 13 Tagen nochmal hin, nech...


Glückwunsch, Arbeitsamt! Du bist so dämlich, Du verdienst ein eigenes Label.

Sonntag, 5. Juli 2015

Sommer, verpiss dich!

Hiermit reihe ich mich ein in die immer größer werdende Schlange der sich outenden Sommeraversionistas, wie zum Beispiel Annika, Frau Lavendel und Isabella-Anja.

Was ich am Sommer so dermaßen doof finde, dass ich eine Petition gegen ihn erwäge (ernsthaft!):

- Ab 26°C bin ich krank.
Wäre ich nicht im Erziehungsurlaub – ich müsste mich krankmelden!
Herzrasen, Kreislauf, Kopfschmerzen. Dazu noch schwitzen (und stinken!) ohne sich überhaupt zu bewegen. Und es gibt keinen Ausweg. Gefangene im eigenen Saft.
Die daraus resultierende Aggression ist nicht zu unterschätzen. In keiner anderen Jahreszeit verpasse ich Türen und Möbeln mehr Macken und meine "Fick Dich!"-Fluchfrequenz liegt sommers bei 6x pro Minute.
Würde ich an solchen Tagen zur Krönung meine Tage kriegen - töten täte ich! TÖTEN!

- Die Wohnung stinkt.
Tagsüber kann man nicht lüften und nachts nur kurz unter Aufsicht, hier wurden in letzter Zeit nachts einige Einbrüche über Balkone verübt.

- Nackte Füße bei Instagram, Facebook und Blogs in Großaufnahme.
Allmorgendlich dasselbe Dilemma: beim Neuigkeitencheck angewidertes Zurückzucken meinerseits. Leute, GEPFLEGT ist hier das Schlüsselwort! Wenn ich noch EINmal Füße sehe mit
++ splitterigem Lack
++ überlangen Werwolfskrallen
++ fetziger (und das meine ich nicht im positiven Sinne!) Nagelhaut
++ unlackierten, aber trotzdem bräunlich verfärbten Nägel
++ Schrunden
++ Hallux Valgus, Hallux Malleus, etc.
werde ich das Internet löschen! Ich schwör's!

- Der ungemütliche und mir schlechtes Gewissen machende „Wir müssen unbedingt draußen was machen, bevor das Wetter wieder schlechter wird!"-Zwang meiner Mitmenschen.
Ey, hallo?! Für mich sind wolkenfreier, azurblauer Himmel mit Temperaturen ab +26°C schlechtes Wetter!

- Klimageräte bringen's nicht.
Hat mir mal jemand aus Mitleid angeschleppt. Was das Ding vorne an kalter Luft rausbläst, heizt es hinten durch den Motor wieder auf.
Effekt = Null.

- Schwimmen bringt's nicht.
Stürzt du dich zwecks Abkühlung in kühle Freibad- oder Stausee-Fluten, tritt beim Heraussteigen der aus dem Winter bekannte "Schneehände"-Effekt ein: der Körper heizt noch doller auf, als vorher.

- Sommergewitter bringen's nicht.
Die allseits herbeigesehnten Gewitter senken die Temperatur in meiner Wohnung von 32 auf 30. Yay.

- Fertigfraß rules.
Im Sommer nur Miracoli, Ravioli, TK-Gerichte und Wassereis. Da kann auch garantiert nix schief gehen, was Salmonellen und Listerien betrifft.

- Ich bleibe blass.
Wie soll ich auch bräunen, wenn ich es keine 2 Minuten in der Sonne aushalte?

- Einkaufen wird zur Qual
Ich habe sie alle ausprobiert: Aldi, Lidl, Penny, Netto, Edeka, Rewe, Markant. And the winner mit erfrischenden 15°C ist: Aldi! (Angoraschlüpfer unter der Hotpants also nicht vergessen!)
Die Autofahrt die dazu nötig ist, muss aber erstmal überlebt werden.
Ich habe alles in der Nähe, aber die Klimaanlage im Auto schafft Kurzstrecken nicht. Musste gestern eine Einkaufsfahrt abbrechen, weil Lucky Luke im Wagen das weiße Mund-Dreieck bekam.

- Sommer macht mich zum Loser.
Jeden Abend im TV das gleiche: Reporter aus Infotainment-Shows befragen Menschen, wie sie den Tag bei der Hitze gut 'rumkriegen.
Die Befragten sitzen dabei an Baggerseen oder in Biergärten in der prallen Sonne und strahlen in die Kamera!
WIE MACHEN DIE DAS?!

- Ich schaffe .... NIX.
Die Wohnung verlottert, weil Haushaltsgeräte wie Staubsauger und Bügeleisen und Spülmaschine für noch mehr Hitze sorgen.
Genauso wie TV und  Computer, an denen ich mir also keine Ablenkung verschaffen und keine Besorgungen online machen kann.

- Balkonnutzung Fehlanzeige.
Mein Wohnzimmer liegt Südseite. Balkon -natürlich- oben ohne. Trotzdem windstill. Lucky Luke kann sein Planschbecken erst nach 19 Uhr nutzen und bis dahin ist es eine verdammt lange Zeit, wenn man kollaptisch darniederliegt, das Baby aber fit ist.

- Man passt nur noch in die Arizona von Birkenstock weil die Füße eingelagert haben.


Der Asphalt schmilzt, die Alten rafft's dahin, Wälder brennen ab.
Und wenn man sich dann nach 6 Tagen das erste Mal wieder aus der Bude traut, weil es draußen auf angenehme (haha) 28°C runtergekühlt ist, steht einem ein Großeinkauf bevor.
Und das soll schön sein?!
Ich kann gar nicht so viel Wassereis lutschen, wie ich kotzen möchte.

Also Sommer:
verpiss' dich -
keiner vermiss' dich!

Ach ja, und:
Fick dich fick dich fick dich!