Freitag, 30. Oktober 2015

Lächerlich, lächerlicher, Arbeitsamt

Mitten in unser aller Magen-Darm-Theater neulich fiel ein Beratungstermin beim Arbeitsamt.

Ich hatte nun die Wahl:
entweder ich hocke mich für 2 Stunden in das überfüllte Wartezimmer von Docs Vertretungsarzt, um mir eine AU für's AA zu besorgen oder ich sitze die 20 Minütchen bei meiner Beraterin ab und hab dann wieder für 3 Monate Ruhe.
Ich entschud mich für letzteres.

"In den letzten 6 Wochen habe ich 30 Bewerbungen geschrieben. Der Arbeitsmarkt sieht ja derzeit gut aus!", freue ich mich zur Begrüßung.
"Nein", widerspricht Frau Oberschlau. "Der Arbeitsmarkt sieht derzeit schlecht aus. Im Herbst immer. Ab März wird's besser."
HÄ?? In welcher Parallelwelt lebt die denn?
30 Bewerbungen in 6 Wochen! Soviel hab ich in früher in 1 Jahr geschrieben.

"Haben Sie die Nachweise zur Betreuung Ihres Sohnes mitgebracht?", fragt sie.
Ich reiche sie ihr, mit der Bemerkung, dass ich Kopien davon bereits ihrem Kollegen gegeben hätte.
Es stellt sich 'raus, dass der Kollege es in den 6 Wochen seit ich da war, weder geschafft hat, die Nachweise an sie weiterzuleiten, noch die benötigten Daten in meinen Account einzutragen.
Nun ja, er hat halt viel zu tun, der Gute, nicht wahr.

Sie öffnet meinen Account, in dem ich meine Bewerbungen abgespeichert habe.
"Habe ich Ihnen schon das Formular gegeben, in das Sie Ihre Eigenbemühungen eintragen müssen?"
Ich: "Ist das denn nötig? Sie sehen ja dort in meinem Account, wann ich mich wo bewerbe."
Sie faselt was von damit wir uns in unseren Bemühungen nicht überschneiden... als Kontrolle für sie selbst... blablabla...
OK, schreibe ich halt alles zusätzlich auf einen extra Zettel und schicke ihr den monatlich zu.



Ich frage sie, was sie von einer Fortbildung im Bereich Buchführung hält. Buchhalterinnen werden oft gesucht.
Aber:
"Ich sehe Sie eher am Empfang, beim Arzt oder Anwalt und nicht im stillen Kämmerlein stupide Zahlen bearbeiten. Sie sind der Typ für den Vertrieb mit Kundenkontakt."
WATT?!
Vermittle ich den Eindruck, dass ich Bock auf Menschen habe, du strunzblöde Kuh?
Das stille Kämmerlein ist mein Traum!
Donnerwetter, die Alte hat Menschenkenntnis, Hut ab.

"...und deshalb würde ich Ihnen gerne eine Fortbildung im Bereich 'Vertrieb' spendieren. Im nächsten Frühjahr."
Ja. Danke. 

Ich erzähle ihr von meinem Vorstellungstermin neulich, aber das interessiert sie kein bisschen.
Statt dessen zeigt sie mir zum 398. Mal, wie man die Suchfunktion bei Jobbörse.de nutzt.
Ach Meeeedchen... die Jobbörse nutze ich schon seit Jahren und stelle mich beim Suchen um einiges schlauer an als Du, oder wieso sonst kriege ich 20 passende Jobs angezeigt und du nur 2?

Dann entlässt sie mich mit den Worten:
"Nehmen Sie bloß nicht den erstbesten Job an! Nicht, dass Sie noch in der Probezeit wieder hier sitzen."
Aus der Fülle der Jobangebote, die ich kriegen werde, suche ich mir selbstverständlich nur den schönsten heraus, versprochen!

Und dann macht sie noch eine auf Pythia (nur nicht ganz so sexy):
"Ich sehe Sie im nächsten Juni in einem festen Arbeitsverhältnis."
Aha.
"Und wenn nicht, dann greift Plan B: Arbeitnehmerüberlassung", sagt's und rümpft angeekelt die Nase.
"Oder heiraten!", schlage ich vor und rümpfe meinerseits angeekelt die Nase. Da muss sie herzlich lachen.

Lächeln und winken, Juliane.
Lächeln und winken...


Label: Arbeitsamt

Mittwoch, 14. Oktober 2015

Hell yeah (Achtung: doppeldeutig!)

"Neulich hatte ich so richtig Frust," erzählt Doc, während er meinen Hals ausleuchtet, "und da bin ich in den Jagdshop und hab mir erstmal 2 Taschenlampen gegönnt. Diese hier hat 1800 Lumen, damit kann ich Dir bis in den Magen leuchten!"

"Und guck mal!", er fummelt noch eine Minilampe aus der Kitteltasche. "Diese hier hat sogar 2000 Lumen!"
Sagt's und blendet mir mittig durch die Iris direkt in die Hypophyse.
Herrschaftszeiten.
"Als ich damit gestern abend in die Tanne im Garten geleuchtet habe, sind die Vögel vor Schreck vom Baum gefallen. Har har!"

"Boah!" tue ich beeindruckt.
Dieser Lumen ist wohl das, was in der Frauenwelt den Zentimetern eines HighHeel-Absatzes entspricht.
Ich vermute mal DAS hier wäre so ein 2000-Lumen-Schuh.

Wieder was gelernt: Frauen shoppen Schuhe bei Frust, Männer Taschenlampen.

10 Minuten später taumele ich, noch halbblind, aus der Praxis, eine Handvoll Rezepte dabei.
(Unter anderem für Codein. Davon hab ich nur Gutes gehört, damals von meinem Junkienachbarn. Ich freu mich!)
Womit wir auch schon beim eigentlichen Thema wären:
ich bin jetzt seit Ostern dauerkrank und kann jetzt auch irgendwie nicht mehr so richtig...
Ohne Großeltern und richtigen Babysitter und mit einem Kindsvater, der nur alle paar Samstage mal für ein paar Stündchen kommt, isses ja doch irgendwie hart, nech.

Ich mach mal 'ne kurze Pause.
Mit allem.
Außer mit Lucky Luke, der ist ja dauerfit, latscht durch die Gegend und zerstört nach und nach meinen Haushalt.

So, ich lech mich hin.
Bis demnächst mal.
Tüdelü!

Sonntag, 11. Oktober 2015

Babysitter des Grauens

Heute ein Beitrag zum Thema "Sowas glaubt einem wieder kein Schwein".

Da unser Babysitter, das geldgeile Luder, uns zugunsten einer besser zahlenden Familie verlassen hatte, war Babysittercasting angesagt.
Wieder über die FB-Gruppe meiner Stadt. Diesmal melden sich zwar viel weniger Kandidatinnen, dafür aber auch offenbar keine Wollny-Familienmitglieder. *freu*

-15.50 Uhr:
Für 16 Uhr ist ein kurzes Kennenlernen anberaumt mit Melanie (20).
Man plaudert, sie erzählt, dass sie eine Ausbildung zur Erzieherin macht und irgendwann kommt 'raus, dass ich ihre Mutter kenne - wenn das keine guten Zeichen sind!

-16.20 Uhr:
Alle Formalitäten sind geklärt und auch Lucky Luke scheint zufrieden. Wir machen einen Sitting-Termin für Sonntag aus. Prima.

Und dann wird's gruselig.
Melanie bleibt nämlich sitzen. Sagt nichts mehr und sitzt da nun im Sessel.
Dreieinhalb Stunden lang.

-16.51 Uhr:
Ich stehe auf: "Tjaaaa, dann sehen wir uns Sonntag, ne?"
Sie: "Ja."

-17 Uhr:
Himmel, wat will die? Essen, trinken oder reden jedenfalls nicht.

-17.18 Uhr:
Ich kriege Hunger. Wenn sie sich wenigstens um Lucky Luke kümmern würde, aber sie rührt sich kein bisschen und ich muss selbst hinter ihm herhechten.

-17.30 Uhr:
Ich gehe in die Küche, mache mir 'ne Stulle und 'ne Tasse Tee.
Auftritt Elvis. "Was will die noch hier?", flüsterte er. Ich zucke mit den Achseln. Wenn ich das nur wüsste.

-17.41 Uhr:
Ich, zurück im Wohnzimmer: "Öhm, dann also bis Sonntag".
Sie: "Ja."
Herrje!
Vielleicht sollte ich ihre Mutter anrufen und sie abholen lassen?

-18 Uhr:
Ich mache Lucky Luke einen Grießbrei und mit den Worten "Sooo, dann wollen wir mal Abendbrot essen!" setze ich uns an den Esstisch.
Melanie guckt bloß.

-18:19 Uhr:
Ich bin genervt. Ich wollte noch was bloggen und nu muss ich hier den Babysitter für den Babysitter und das Baby, das anfängt mein Bücherregal auszuräumen, machen.
Während ich überlege, wie ich's formulieren soll ("Wolln Se nicht endlich mal gehen? Wieso sitzen Sie hier so lange? Is' noch was? Hau ab, du bist gruselig! Sind Sie auf der Suche nach einem Nachtlager, oder was?!"), sagt Melanie: "Wir ham unsere Wohnung nich kindersicher gemacht. Wenn mein kleiner Bruder was anfasst, das er nicht soll, dann gibt's was auf die Finger."
Oha. Wie selten dämlich ist'n das? Die Wohnung nicht kindersicher machen und dann das Kind hauen, wenn's an die verbotenen Sachen geht - super Logik.
Ich: "Also hier gibt's ganz sicher nichts auf die Finger!"
Sie: "Aber so lernen die das!"
Mon Dieu - Erzieherin? Ernsthaft?! Bitte, lieber Gott, lass sie durch alle Prüfungen fallen!

-18.34 Uhr:
Ich kriege Angst. Zieht die gleich ein Messer und metzelt uns alle nieder?

-18. 41 Uhr:
Ich setze einen Hilferuf an meine Whatsappkontakte ab.
"Soll ich dich anrufen?" bietet der hilfsbereite Herr S.aus A. an. Was soll das nützen?!
Man ist ratlos, verspricht aber, mich mittels SEK 'rausschießen zu lassen.

-18.50 Uhr:
Das SEK lässt auf sich warten.
Mir wird langweilig und ich mache den Fernseher an. Ich packe mir Lucky Luke auf den Schoß, wir gucken Sandmännchen.
Ja, wir alle.
Spinnt die?

-19 Uhr:
Mir schwant was:
die will Zeit sammeln, um gleich fett abzukassieren, wetten?!
Zum Kennenlerntermin gibt's aber keine Kohle. Außerdem hat sie keinen Finger gerührt.

-19.03 Uhr:
Ich gehe pinkeln. Hoffentlich steckt sie sich in der Zeit nicht mein Silber ein!
Meine Sorge scheint unbegründet. Sie sitzt da wie festgewachsen. Hat sie eine Kinderlähmungsepisode? Einen MS-Schub??

-19.05 Uhr:
Wir gucken "Robin Hood".
Ja, wir alle.

-19.20 Uhr:
"Robin Hood" ist zu Ende.
Melanie springt auf: "Ich muss jetzt gehen!"
War es DAS? Sie wollte nur mal in Ruhe "Robin Hood" gucken??


Selbstverständlich habe ich ihr am nächsten Tag abgesagt.

Mittwoch stellt sich eine Studentin vor.
Daumendrücken ausdrücklich erwünscht!

Freitag, 9. Oktober 2015

Outfit des Grauens - Billige Bewerbungsklamotten

Die Elternzeit neigt sich dem Ende, Jobsuche startet.
Zeit also, sich richtige Bewerbungsbusinessspießerklamotten zu kaufen.
Bisher war ich immer in Jeans und Rolli (wegen den hektischen Flecken am Hals) und Blazer zu Vorstellungsgesprächen gegangen.

An der Uni hatte ich mein Büro gegenüber vom Empfang und habe zig Bewerber 'rein- und 'rausmarschieren sehen:
niemand trug Jeans. Huch!
Kostüme, Kleider, Hosenröcke - alles war vertreten, nur keine Jeans.
Also, außer bei mir damals...
"Hat ja trotzdem geklappt!", könnte man nun einwerfen, aber:
ich will auch mal aussehen, wie eine Streberin Bewerberin von Welt.

Wenig Kohle und figurtechnisch unauffällig - da kommt nur H&M in Frage.
Oder KiK, aber ich bin ja nicht bei Shopping Queen und habe das Thema "Wohlfühlen in Polyester" zu erfüllen, nicht wahr.

Ich entschud mich für diese HOSE, diese BLUSE.

Bestellt, anprobiert, passt, gefreut, behalten.
Komplettes Outfit für 70 Euro.
Aufgebügelt und ab in den Schrank.

Dann das erste Bewerbungsgespräch.
Mich in die Klamotten geschmissen und hin zur Firma.

Tja, was soll ich sagen?
Die Schuhe entpuppten sich als viel zu groß (im Sommer gekauft, Stichwort: Elefantenfüße) und schlappten um die Fersen herum. Gleichzeitig waren die Absätze aus diesem harten Plastik, das nicht nur arschglatt ist, sondern auch einen Höllenlärm veranstaltet.

Ich KLACK!schlitterKLACK!schlitterKLACK!schlitterte also im Schneckentempo auf's Gebäude zu und hoffte, dass mich niemand sah und hörte.
Rein, Trench aus und ab zum Gespräch.

Wieder draußen kam ich an einer Spiegeltür vorbei und es bot sich mir ein Bild des Grauens:


*KREISCH*
Wie gut, dass ich zum Abschied nicht gewunken hatte!



Durch die knapp halbstündige Sitzerei
hatte sich die Hose 2 Nummern größer gebeult.


Die Bluse war zerknittert und am allerschlimmsten:
so dünn, dass akuter Nippelalarm gegeben war!
Nein, das wird nichts genützt haben!
Ich saß 2 Damen gegenüber.

Auch schlimm:
dass mir neuerdings beim Bloggen ein kleiner Kackbär durch's Bild läuft.

Unter'm Strich: ich sah aus wie 'n Kerl.
Kundenberater bei Axa, oder so.

Und da ich viel zu spät aufgebrochen war, weil ich unbedingt Level 398 bei Candy Crush knacken wollte, hatte ich in der Eile vergessen, mit dem Labello über meinen Lippenstift zu streichen und nun pappten meine trockenen Lippen beim Sprechen aufeinander und blieben an den Zähnen kleben:




Lerngeschenk? Klar!
Keine billigen Polyäthylenhydrochloridfähnchen kaufen, die dann beim Tragen für unangenehme Überraschungen sorgen können.
Neue Klamotten zuhaus längere Zeit probetragen, um zu sehen, ob und wohin sich welche Naht/welches Futter beim LiegenSitzenStehen verzieht, ob Arsch Hose frisst oder Nippelalarm gegeben ist.

Der Job bietet indiskutable Konditionen übrigens, also bitte keine Daumendrückereien.
Danke.


Weitere grausige Outfits: HIER.