Mittwoch, 27. April 2016

Abenteuer Arbeitsamt - Understatement

Meine Beraterin, die äußerst Gesprächige, ist krank.
Yay!

Ihre sehr nette und zum Glück schweigsamere Vertreterin scrollt sich durch das bisherige Gesprächsprotokoll und sagt dann:
"Aha, meine Kollegin schreibt, dass Sie zuletzt an der Uni die Abteilung X aufgeräumt haben."

Wie bitte? Ich hör' wohl nicht recht!

"Aufgeräumt?? Ich habe diese Abteilung aufgeBAUT! Ich wurde an der Uni extra eingestellt, um diese Abteilung, die es noch gar nicht gab, aber nötig wurde, einzurichten. Ich habe die vorhandenen Räume und Arbeitsmaterialien gesichtet, geprüft, eingerichtet, manches aussortiert, manches neu besorgt, Dateien und Datenbanken angelegt, Abläufe geplant, Newsletter verfasst, Formulare erstellt, Kollegen eingewiesen und so weiter und so weiter. Eben alles von Grund auf AUF-GE-BAUT!"

Vertreterin: "Ja, äh, das ist ja quasi wie aufräumen."

Ich: "Nee! Aufräumen klingt, als hätte ich da feucht durchgewischt!"

Vertreterin: "Aaaach, das ist doch nicht so wild. Das Protokoll lesen ja nur wir hier intern, ein potentieller Arbeitgeber wird das nicht zu Gesicht bekommen."

Ich: "Trotzdem, klingt so, als wär ich da die Putze gewesen."

Ich würde gerne hinzufügen, dass "aufgeräumt" ungefähr so sinnig formuliert ist, als würde ich in ihr Profil eintragen: "Beim Arbeitsamt herumgesessen", trau mich aber aus längerer-Hebel-Gründen nicht.
Vermutlich gibt's für meine Tätigkeiten an der Uni nur wieder keinen passenden Textbaustein.
Daran hapert's ja immer irgendwie.
Kein passender Textbaustein parat und ZACK! ist dein Profil in unschöne Tiefen downgegraded.

Übrigens: ein Grund, warum ich meine Bewerbungen nicht über das entsprechende Programm auf der AA-Homepage anfertige und versende, ist, dass mein Straßenname zu lang ist.
Statt Freiherr-vom-Stein-Straße steht da Freiherr-v.-Steinstraßeweil nicht genug Leerzeichen zur Verfügung stehen.
Sieht aus, als wär ich zu doof, meinen Straßennamen korrekt zu schreiben.
Super.

Als ich mal nach einem Job in einem Archiv arbeitslos wurde, wusste die Beraterin nicht, was sie in mein Profil eintragen soll.
"Archivarin geht nicht, das haben Sie ja nicht studiert, oder?"
Ich: "Nein. Ich bin Industriekauffrau, die die letzten Jahre im Archiv angestellt war."
Beraterin: "Hmm, was trage ich denn da ein? *scrollscroll* Bürogehilfin?"
Ich: "Wie wäre es mit 'Angestellte im Archiv'?"
Beraterin: "Geht nicht, das bietet das Programm nicht an."
Ach so...
*augenroll und seufz*

Als ich das meiner Nachbarin Petra erzähle, meint die:
"Kenn ich! Als ich nach 3 Jahren Elternzeit wieder arbeiten wollte, hat mein Chef mich an die Luft gesetzt. Ich also zum Arbeitsamt. Sagten die: nach 3 Jahren ohne aktive Tätigkeit in meinem Beruf als Speditionskauffrau wär ich 'raus und könne leider nur noch als Bürohilfskraft in deren Datenbank geführt werden."

WHAT?!

Die spinnen, die Römer...

Mittwoch, 20. April 2016

Miese Drecksau

Samstag Abend lief's zwischen mir und Kandidat 14 noch ganz normal.

Sonntag whatsappte er, dass er mich süß und attraktiv und lustig findet.
Yay.

Dienstag fragte er, ob ich am Wochenende Zeit hätte.
Spazieren gehen, zusammen essen und so...

Mittwoch will ich ihm eine Freundschaftsanfrage bei FB schicken und sehe, dass er offensichtlich seit Montag(!) liiert ist.
Nee, nicht mit mir, sondern mit einer ziemlich alten Schabracke.

HÄÄÄ??
Wtf?!

Ist das einer von diesen FB-Gags, bei denen man die beste Freundin als "Ehefrau" angibt?

Ich frage per Whatsapp, ob und wann er vorhat, die Verabredung für Sonntag abzusagen.
"Das hätte ich noch gemacht. Hatte viel zu tun. Viel Glück noch!"

Öhm. Aha. Ok.
Irgendne Erklärung?!
Nö?
Na gut...

Hinsichtlich der Tatsache, dass er seit Montag Abend liiert ist und sich am Dienstag noch mit mir verabredet hat, kommt ein "Gleichfalls" selbstverständlich nicht in Frage und ich verabschiede mich mit meinem bewährten "Fick dich!"

...und mehr Worte will ich darüber nicht verschwenden...



He, 15!
Ich weiß, du bist da draußen irgendwo!
Ich werde dich finden und erlegen, harharhar!

Ach ja, und dann habe ich dem jungen Paar noch auf die Pinnwand gekotzt:



Dienstag, 19. April 2016

Börsenbericht - Kandidat 14: Der Koch

Jede Menge Zuschriften bei NeueLiebe.org, das liegt bestimmt an meiner neuen Brille!
Seit ich die trage, sind mir Männer UND Frauen sehr zugetan!

Kandidat 14: Der Koch (43)

Tätowiert, gepierced, getunnelt.
In seinem Profiltext steht: Tätowiert, gepierced, getunnelt. 180 cm, 70 kg.
Herrje, ein Poet.
Dementsprechend zäh erwies sich dann der dem ersten Date vorangegangene 3-wöchige Mailverkehr, die folgenden Whatsapp-Nachrichten ebenfalls und das Date findet nur deshalb statt, weil mir unglaublich langweilig ist.
Ich muss dringend wieder ans arbeiten kommen!

Lucky Luke nervt höllisch, also flüchte ich und sitze bereits eine gute halbe Stunde vor dem Termin im Café.
Dann Auftritt Koch: ein Combi fährt vor, heraus springt ein schlaksiger Junge.
Ja: JUNGE!
Meine Peter-Pan-Aversion haut mir gröhlend auf die Schulter.

Äußerst irritierend:
er ist 43, sieht aus wie 33 (keine Falten!), ist gekleidet wie 23 (Batman-Shirt!!) und hampelt nervös herum wie ein 13-jähriger ("Ich bin so aufgeregt!")
Ich widerstehe dem Drang, ihm tröstend durch's grauweißmelierte Haupthaar zu wuscheln.
Super, da fühl ich mich nicht 5 Jahre älter, sondern gleich fünfZIG!
Wir plaudern nett, er zeigt mir auf Wunsch seine zahlreichen Tattoos. Comichelden.
Nix gegen hübsche Formen und Muster, aber sich mit Hulk und Co. den ganzen Körper vollkritzeln zu lassen, finde ich irgendwie unschön.
Außerdem besitzt er Comics. 872 Comics, um genau zu sein.

(Dating Tipp No. 324:
Wenn die Dame auf die Frage nach Hobbys antwortet: "Ich spiele gerne an den Geräten meiner Söhne", verzieht der Gentleman bitte keine Miene**, sondern hilft mit dem korrekten Vokabular aus.
In diesem Fall: "Konsolen".
**auch nicht, wenn die Dame sich hysterisch kichernd unterm Tisch windet!)

Er hat ein Kindergartenkind. Ja, da schau her! Wenn das nicht passt.
Von einer jungen Dame, die meine Tochter sein könnte.
Hach, ich Faltenwurfding konkurriere ja so gerne gegen frischknackige Girlies.

Nach 2 Stunden beende ich das Date, obwohl er gerade sehr interessant über Haute Cuisine berichtet. Aber Luckys Babysitter wartet.
Da sich herausstellt, dass wir beide noch nicht im neuen Jazzclub der Stadt waren, verabreden wir uns locker für den folgenden Samstag.

Er meldet sich nicht mehr, ich auch nicht.
Abgehakt. 
"Einen 3. Bengel, der womöglich unbeholfen 'rumrammelt wie ein Teenie, brauchste so nötig wie einen Pickel am Arsch!" (O-Ton Charlotte)

Dann Freitag Abend seine SMS:
"Wann und wo soll ich dich morgen abholen?"
Da mir wieder ultralangweilig ist und der Dienstagsmann sich seit seiner Verfehlung neulich unsichtbar gemacht hat, sage ich zu.


Date 2:
Diesmal hat er wohl seinen reiferen Zwillingsbruder geschickt:
ich habe ein ernorm nettes Date mit einem erwachsenen Mann, in Erwachsenenklamotten.
Der "Bengel" hat sich in Luft aufgelöst und der Mann gefällt mir wider Erwarten ausgesprochen gut.
Wir schlendern durch die City, meiden den Jazzclub und gehen statt dessen essen.
Als wir später auf dem Weg zum Auto an einem Biergarten vorbeikommen, sitzen dort sein bester Freund samt Frau und winken uns zu sich. Na dufte...
Wir sitzen dann 2 Stunden bei 6 Grad und Whisky und Taccos in der sauerländer Nacht herum und haben richtig Spaß.

Ich habe zwar jetzt eine kombinierte Lungen-Blasenentzündung, aber hey - offenbar halten mich Freund und Frau für Recall-würdig, denn das dritte Date steht an und ich freu mich :-)

Moooment!
Das DRITTE?
Das berühmt-berüchtigte dritte??
Jou.
Ach du Scheiße.
*schluck*
(öhm, also *schluck* im Sinne von "Holy shit, wat bin ich uffgereeecht!")

Nun denn...
Wish me luck.



...to be continued...



UPDATE:

Nö, not to be continued.
Wie ich herausfand datete der Koch nicht  nur mich, sondern offenbar auch seine Freundin.
*seufz*
Label: Börse

Freitag, 8. April 2016

Börsenbericht - Kandidat 13: Der Kripobeamte

Um den Herz-Schmerz rund um den Physio abzufedern, reaktivierte ich kurzschlusshändlerisch mein NeueLiebe.org-Profil.

Das nächste Opfer:

Kandidat 13: Der Kripobeamte (49)

Normalerweise lösche ich Nachrichten von Kandidaten ohne Profilfoto.
Die haben entweder was unschönes (im wahrsten Sinne) zu verbergen oder sind paranoid wie Sau, auf dass sie niemals von jemand Bekanntes wiedererkannt werden mögen, weil sie selbst es superuncool finden, im Internet nach einer Partnerin zu suchen.

Da ich aber immer wieder von Männern beeindruckt bin, die mehr als 3 Sätze fehlerfrei hinbekommen, ließ  ich mich auf einen Mailaustausch mit Hubert aka Neonlicht100 ein.
Wir schruben lahahange Mails und das mehrfach täglich.
Irgendwann outete er sich als Kripobeamter, der spezialisiert ist auf Computerkriminalität und Cybercrime und deshalb extrem sparsam umgehe mit Eigeninformationen im Internet.
Ergo hatte ich keine Chance, ihn zu ergoogeln.

Den Beruf fand ich spannend, den Typ mit jeder Mail leider immer weniger.
Er schrub zwar lang & breit und fehlerfrei, aber auch so dermaßen altbacken, dass ich zwischendurch befürchtete, der 71-jährigen Hildegard aus Unterschleißheim, Hobby: Fakeprofile, auf den Leim gegangen zu sein.
Außerdem lebte er noch mit Frau und Kindern unter einem Dach, obwohl man sich bereits vor 1 Jahr getrennt hatte.

Nach 1 Woche regen Mailverkehrs (hihi) über NeueLieb.org, erschien ich vertrauenswürdig genug, seine Mailadresse zu bekommen, deren Absender allerdings den Namen "Jörg" anzeigte. Angeblich der Spitzname, den Kollegen ihm verpasst hatten.
Hä?
Hubsi, Pulle oder Bomber sind Spitznamen, aber Jörg??
Nach einer weiteren Woche (ja, immer noch ohne Bild), bekam ich seine Handynummer. Natürlich ohne WhatsApp-Verbindung.
Heilige Scheiße, der Typ war ja noch paranoider als ich, die sich 2 Wochen lang nicht getraut hatte, zu posten, bloggen oder mailen, weil immer in dem Glauben, der Typ erhäckt sich alle meine Zugänge und liest heimlich mit.
Aber dann: nach noch 1 Woche bekam ich eine zweite Handynummer, diesmal mit WhatsApp.
Und dann, nach weiteren 4 Tagen, bekam ich endlich ein Foto zugesandt.

Tja, was soll ich sagen, ohne hier als Lookism-Arschloch dazustehen?
Hmmm, also mal abgesehen davon, dass HubsiJörg eine besonders uncoole Frisur trug (das schüttere Haupthaar zu einem flauschigen! Igel hoch gefönt) und ein besonders uncooles Schlabbershirt in himmelblö mit senfgelbem Aufdruck, der Designed by KiK! schrie, wies er eine frappante Ähnlichkeit mit Henny Nachtsheim und meiner Tante Martha (rotbackiges Dorfömmaken) auf.
Nichts gegen Henni, aber ich kann und will nicht irgendwann meine Tante Martha auf mir haben, ihr versteht...

Oha, wie nun abservieren?
Ha! Wunderwaffe Lucky Luke eingesetzt!
Aber selbst durch die Erwähnung eines Kleinstkindes ließ er sich nicht abschrecken.
Ein paar Tage lang schruben wir noch hin und her, dann verabschiedete ich mich mit:
"Sorry, es hat sich zeitgleich etwas mit jemand anderem ergeben."
Was ja auch irgendwie stimmt, Stichwort "Dienstagsmann".
JörgHubert verstand das und wünschte mir noch alles Gute.

Ich hoffe sehr, er missbraucht seine Häckerkenntnisse nicht, zumindest habe ich bisher keine auffälligen Bewegungen auf Blog oder Zalandoaccount feststellen können.
Und wenn - ISSES MIR NU AUCH EGAL!



Die bisherigen Reinfälle: Börsenberichte

Montag, 4. April 2016

Abenteuer Arbeitsamt - Ungleichgewicht

Von der für mich zuständigen Sachbearbeiterin weiß ich mittlerweile Folgendes:

- sie ist seit 26 Jahren glücklich verheiratet
- trotz dieser langen Beziehung wird noch oft gemeinsam essen gegangen, natürlich mit einem guten Wein dazu
- trotz dieser langen Beziehung wird noch regelmäßig gemeinsam der neue Whirlpool genutzt, dessen Einbau 2 Wochen gedauert und eine Menge Nerven und Geld gekostet hat
- sie hat 1 "hinreißend" aussehende Tochter (also, wenn Mutti & Vati weißgott keine Eyecandys sind, wo soll denn da die Schönheit herkommen?)
- ihr Mann ist (trotz vorbildlich geführter Ehe und regelmäßigem Genuss von gutem Wein & Whirlpoolorgien) kürzlich abgekackt und in der Psychiatrie gelandet, aber aufgrund der erstklassigen Betreuung dort, kann er heute schon wieder seinen Beruf als Beamter in leitender Position ausüben
- für ihr Alter (54) findet sie sich recht gut aussehend (ey, Schabrackenalarml Dagegen bin ich GNTM!)

- sie besitzt einen Pudel
- sie latscht regelmäßig zur Kirche und hat dort einen Posten inne
- sie hat durch ihre Berufstätigkeit ihrer Tochter das komplette Studium finanziert
- ihre Tochter wurde mit 4 Jahren zum Schlüsselkind, weil Mutti sich selbst verwirklichen und wieder VZ arbeiten wollte
- ihre Mutter war als typische Omi nicht zu gebrauchen, weil sie keinen Bock auf Kinderbetreuung hatte. Jetzt, mit 70, ist sie bereits körperlich am Ende
- ihre Schwiegermutter hingegen war die Seele der Familie. Jetzt, mit 85, ist sie fit wie ein Turnschuh, kulturell interessiert und viel auf Reisen

Sie hingegen weiß von mir, dass ich Industriekauffrau und arbeitslos bin und dass ich einen kleinen Sohn habe, der die Arbeitsaufnahme irgendwie erschwert, weshalb sie gedenkt, mir die Leistungen zu kürzen, da ich die geforderten 52 Stunden nicht so richtig zur Verfügung stehen kann.


Ist die Alte ein Lerngeschenk und wenn ja: was soll ich damit?
Draus lernen?
Was kann man denn aus sowas lernen?

Ich werde einfach das tun, was man mit unliebsamen Präsenten macht: versehentlich fallen lassen oder weiterverschenken...



Label: Arbeitsamt