Dienstag, 23. August 2016

Börsenbericht - Kandidat 19: Der Motorradfahrer

Dieser Sommer ist busy busy busy und mein Zeitplan ist tight getaktet, wie wir Hipsterbabes sagen. Kaum hatte ich mir Kandidat 18 vom Leib geschafft, verlangte auch schon

Kandidat 19: Der Motorradfahrer (52)

nach einem Date.

Und zwar seit Januar.
Ja, richtig gelesen!
Mit dem Moppedlurch whatsappte ich seit Moooonaten, zwischenzeitlich überholt von Nr. 13, 14, 15, 16, 17 und 18 und vom Dienstagsmann. Recht gemütlich bzw. lahmarschig in seiner Art, schien ihm das nix auszumachen, denn er blieb am Ball. Also an mir.
Ich meinerseits hatte seine Nummer schon 2x gelöscht, denn wer so gar nicht aus'm Quark kommt, ist nicht meins, aber Kusine Püppi meinte: "Und wenn ausgerechnet DER der Mann deines Lebens ist?"
Ich hatte mir ja geschworen: nie wieder ein Handwerker und schon gar keiner, der auch aussieht wie einer, aber seine Hartnäckigkeit war vielleicht ein Zeichen?

Also 1. Date abgemacht.
Im Café nebenan.
Er entpuppte sich als netter, bodenständiger Typ.
Der in jeder freien Minute (und davon gab es wenig) an seiner Karre herumwerkelte oder Wochenendtouren machte.
Wenn er nicht gerade beim Training war, denn er spielte in einer Ligamannschaft Fußball ("Uralte Herren"- höhö)
Und arbeiten tat er ja auch noch.
Wo er mich da hätte unterbringen können, weiß der Geier...
Wir quatschen nett.
Nett, unspektakulär und unaufgeregt - vielleicht ist das ja der Typ Mann, den ich brauche?
2 Stunden später verabschiedeten wir uns voneinander.

Für mich persönlich war die Sache damit erledigt, aber dann sah ich tags darauf den Trailer von "Suicide Squad" im Fernsehen, war direkt schockverliebt, wusste aber auch: den sieht sich keine Frau mit mir an und in Ermangelung eines Herrn, frug ich Mr. Mofa.
1 Woche später ging's ins Kino.

Ich bin einige Jahre nicht mehr im Kino gewesen - wann ist das so ungemütlich geworden??
Kommste nach 2 Stunden raus, biste taub, halbblind und pleite.
Unter'm Strich hat meinen Begleiter der Abend knapp 40 Ocken gekostet.
Ohne Fressalien!






Und weil das Leben es ja generell immer supigut mit mir meint, saß im Kino Nr. 14 hinter uns.
Ihr wisst schon: der Koch, der sich mit mir verabredete, obwohl er eine Freundin hatte.
Diese Freundin war übrigens weit & breit nicht zu sehen.
Mann, wie lange hatte ich auf diesen Moment gewartet: ihm über den Weg zu laufen und ihm ein herzliches "Hallo Arschloch!" um die Ohren zu pfeffern. Die Gelegenheit bekam ich allerdings nicht, denn 14 verschwand recht fix nach der Vorstellung auf'm Klo.
Mein Galan musst ebenfalls pinkeln und so lungerte ich mit Herzklopfen vor'm Herrenklo herum, gebannt von der Frage "Wer von den beiden kommt als erster 'raus?!"
Es war Nr. 19. Nun denn.

Nach der Vorstellung lud er mich noch auf einen Kaffee zu sich ein ("Keine Sorge, ich meine wirklich Kaffee und nicht poppen!").
Wieder nettes, unspektakuläres und unaufgeregtes Geplauder.

Später, ich war grade zuhause angekommen, schrub er, dass ich meinen Ring in seinem Bad vergessen hätte und wohl nochmal wiederkommen müsse.
Da Herr Harley weder Annäherungsversuche, noch Berührungen sonstiger Art versuch hatte, frug ich zurück: "Sag mal ehrlich, abgesehen von dem Ring, willst du mich überhaupt nochmal wieder sehen?"
Akzeptable Antworten:
  • Ja.
  • Ja, gerne.
  • Sehr gerne!
  • Nein.
  • Nein, sorry.

Nicht so akzeptable Antworten:

  • Ja, warum nicht.
  • Och, ich weiß nich...
  • Wenn's sein muss.
Ich bekam: Ja, warum nicht.
Hmpf.
Ich antwortete:
"Ja, warum nicht - das klingt mir zu begeisterungsarm. Und das reicht mir nicht, sorry."

Ey, hallo?!
Ich bin voll ßpäschl und verdiene ein kleines bissken Begeisterung, zumindest von einem potentiellen Lebensabschnittsgefährten!
"...sind doch nur Worte..." kam von ihm zurück.
Ich gab zu bedenken, dass Worte nicht einfach so angeflogen kommen, sondern man immer das schreibt, was man meint.
Aber er hätte doch schließlich JA geschrieben...?
Ich konterte mit einem fabulösen "Tja dann", woraufhin er mir noch "Viel Glück!" wünschte.

Ach so, ja, der Ring...
Den kann er behalten und versetzen, als Ausgleich für das Vermögen, das er im Kino ausgegeben hatte.

Sonntag, 14. August 2016

Börsenbericht - Kandidat 18: Der Redakteur

Kandidat 18: Der Redakteur (50)

Mann, 100 km entfernt (absolutes Knock-out-Kriterium).

ABER:
er war nicht nur absolut originell und unterhaltsam, sondern wartete mit Nerd- & Nischenwissen auf, also konnte ich gar nicht anders, als mich auf ein Date einzulassen.
Welcher Kerl weiß den Namen der Verrenkung, die er auf einem Foto mit einer Ballerina sieht? Welcher Kerl kennt und mag das Theaterstück "Ja, so ein Mann bin ich" des Deutschen Theaters Berlin von 1982?
Und welcher Kerl kann den Film nennen, zu dem "Ich fasse in aller Unschuld in was Weiches und denk', es ist ein Brötchen und da beißt es!" gehört?
Also, wer da nicht zuschlägt als Frau...

Wir einigten uns auf die Mitte, also Soest.
Da wir uns bereits am Telefon eine Menge zu sagen hatten, beschlossen wir, den Tag zusammen zu verbringen.
Essen, spazieren, essen, Kirchen gucken, labern, essen.





Insgesamt verbrachten wir 8 Stunden zusammen.
Mit ihm brach ein Feuerwerk der guten Laune über mich herein.
Ich habe mich lange nicht mehr so amüsiert.
Ich befand mich in einem nicht enden wollenden Loriot-Sketch gepaart mit alten Heinz-Rühmann-Komödien.
Jeder Satz ein Treffer.
Der Typ war mega-witzig. Nicht auf so 'ne plumpe Mario-Barth-Art, sondern auf eine leicht altbackene ("Papa ante portas").
Zwischendurch entschuldigte ich mich sogar dafür, ständig lachen zu müssen und versicherte ihm, dass ich ihn keineswegs auslache.

Nicht so schön: der Mann trug ein petrolfarbenes Hemd. *örks*
Gut, er kann nicht wissen, dass ich blau (und seine 384 Abstufungen) auf den Tod nicht ab kann.
Aber das schlimmste an dem petrolblauen: oben wucherte üppges Brusthaar heraus.
Vor ein paar Jahren noch wäre mir das egal gewesen, immerhin waren Ex-Mann und Voldemort ja behaart wie die Affen, aber seit ich den einen oder anderen der 19 Kandidaten nackt gesehen habe, weiß ich die männliche Ganzkörperrasur zu schätzen.



2 Lokalitäten und 1 Spaziergang durch die Altstadt später (samt Schützenumzug und versehentlichem Durchqueren einer riesigen Hochzeitsgesellschaft mit einer Braut in Kaiserin-Sissy-Robe und nuttigen 20 cm Beate-Uhse-Gedächtnis-Heels!) endeten wir in der "Zwiebel".

Wer es kennt: wir hocken auf dem roten Plüschsofa neben der (geöffneten) Terrassentür, es goß in Strömen, supergemütlich und eigentlich ein ziemlich romantisches Eckchen.
Eigentlich.
4 Stunden waren um und nun wurde es anstrengend.

Anfangs ist es noch toll, wenn wirklich JEDER Satz ein bon mot enthält; doch irgendwann nervt es, wenn man auf die simple Frage nach der Uhrzeit statt stinknormaler Antwort ellenlanges Geschwafel (wenn auch rhetorisch höchst anspruchsvolles) zu hören bekommt.
Auch bekam ich verstärkt den Eindruck, dass, wenn ich denn mal was erzählen "durfte", er mir gar nicht zuhörte, sondern bereits im Geiste seinen nächsten vortrefflich formulierten Konter vorbereitete.
Zusätzlich ging mir die leicht näselige Theo-Lingen-Stimme mit dem jammernden Tonfall allmählich auf die Nerven.




Damit nicht genug.
Getreu des Waalkes'schem Mottos "Nach dem Essen sollst du rauchen oder eine Frau gebrauchen" fing Theo das Fummeln an.
Mitten Im Lokal, die Blicke der umsitzenden Gäste tapfer ignorierend, fuhr seine Hand wiederholt unter meine Bluse und ich konnte kaum "Finger weck vom Speck!" rufen, da fühlte ich auch schon einige feuchte Schmatzer in der Halsbeuge.
Herrje.
Ich mein', ich kann den Mann ja verstehen, bin ich doch weit über die Grenzen des Sauerlandes hinaus für meinen Sex-Appeal bekannt - aber SO geht das nicht!




Wir zahlten alsbald.
Ich war müde (man kann es nicht mehr so...) und wollte nach Hause.
Leider verliefen wir uns auf der Suche nach dem Auto.
Google Maps- und Passantenbefragung (alles Touris in Soest!) brachten wenig.
Nach 1 Stunde durch den Regen fanden wir endlich sein Auto. Während er unsere Schirme in den Kofferraum legte, warf ich einen schnellen Blick ins Handschuhfach.
Seine Brieftasche und 1 (in Worten: EIN) Kondom fielen mir entgegen.
Uäch.
Nee, nicht mit mir, Bürschchen.

Auf dem Weg zu meinem Auto, das am Stadtrand geparkt stand, zeigte Theo sein überbordendes Interesse an mir dadurch, dass er sich für das kommende Wochenende selbst zu mir einlud. Und zwar von Freitag bis Sonntag! Äh...?
"Wir kochen gemeinsam. Irgendwas mit Reis und Huhn. Dazu einen Weißwein. Und zum Nachtisch Tiramisu. Ich bringe alles nötige mit, du musst gar nichts tun, außer schön auszusehen!"
Ey, solche Worte hätt' ich gerne vom ein oder anderen seiner Vorgänger gehört, aber hmpf, so isses halt immer, nech...
Ich hörte schlaftrunken zu, sagte "aha, mhm, ja ja", hüpfte in mein Auto, nicht ohne vorher nochmal ausgiebig gedrückt und speckmäßig befühlt zu werden und  preschte mit meinen 34 PS davon.
Puuuh.

Das ist nun 6 Wochen her und Theo, den ich für das Wochenende selbstverständlich später ausgeladen hatte (was übrigens sehr schwer war, weil er sich nicht so leicht abwimmeln ließ und ich schließlich höflich bleiben wollte), jammert noch heute hinter mir her.
Vor ein paar Tagen bekam ich wieder eine Mail von ihm "Kann ich am Samstag zu dir kommen? Bitte bitte! Du wirst auch gar nicht merken, dass ich da bin, versprochen!"
Wie super unsexy ein jammernder und offenbar devoter Mann doch klingt.
Meine Güte, so jemanden kann doch keine ernst nehmen. Hätte ich eine Erektion gehabt, wäre die auf Nimmerwiedersehen im Off verschwunden.
Ich antwortete, dass Nr. 19* es sicherlich irritierend finden würde, wenn Nr. 18 plötzlich aufkreuzen und womöglich zwischen uns im Kino sitzen würde.
Daraufhin verabschiedete sich Herr Jammerlapp mit einem "von Herzen kommenden FAHR ZUR HÖLLE. Jaaa, in Großbuchstaben!"
Nun denn, ich hoffe, nun herrscht Ruhe.



(* Ich weiß nicht, auf was ich mich mehr freue: auf diesen abgefahrenen Scheiß "Suicide Squad" oder auf the second date mit 19. Ja, ich weiß, ich hinke mit meiner Berichterstattung etwas hinterher, aber das Kind, die Schule... Man kann es nich' mehr so.)

Label: Börse