Sonntag, 13. August 2017

2 Jobs in 3 Tagen

Nach 22 Monaten zäher Suche bekam ich plötzlich zwei Jobzusagen innerhalb von drei Tagen.

Die eine Zusage bekam ich von einem verschlagen aussehenden Mittvierziger, Typ schmieriger Mafiaboss, auf dessen Namen (und denen seiner Brüder, Neffen und Schwippschwägerinnen) zig Firmen verschiedenster Branchen laufen und dem somit heimlich die halbe Stadt gehört.
Mein Arbeitsplatz wäre ein 10 qm-Verschlag ohne Fenster, in der Ecke einer lauten, stinkenden, dreckigen Fabrikhalle, den ich mir mit 2 Kollegen hätte teilen müssen.
Vorteil: nur 8 km von zuhause entfernt.

Aus Gründen entschied ich mich für die Firma, die zwar 20 km entfernt ist (und wir alle wissen, wie sehr ich Autofahren hasse), aber deren Thematik mir zusagt und deren beide Geschäftsführer mir sympathisch sind, und das nicht nur, weil sie meine langjährige Berufserfahrung in verschiedenen Bereichen schätzen und genau diese Bereiche müssen bedient werden.
Ausgerechnet der kinderlose Chef hielt beim Vorstellungsgespräch ein Loblied auf Mütter und ihre Skills. Stichwort: Organisation und Durchblick.
Dieses Vorstellungsgespräch verlief übrigens dermaßen normal, seriös und geschäftsmäßig, dass es sich tatsächlich nicht lohnen würde, darüber zu bloggen.

Meine gewünschte Stundenzahl wurde ebenso akzeptiert, wie die gemütliche Anfangszeit von 9 Uhr.
Als sie hörten, dass ich jeden Tag 40 km zu fahren habe, sicherten sie mir direkt einen Fahrtkostenzuschuss zu.

Ich solle mir auch keine unnötigen Sorgen machen:
alles, was die Firma und mein Aufgabengebiet betrifft, würde mir ganz langsam und gemächlich nähergebracht, schließlich wisse man, wie schwer ein Wiedereinstieg nach 2 Jahren ohne Arbeit sein kann.

Klingt traumhaft, oder?

Hm.
Als erfahrene Paranoikerin klingt mir das alles ein bisschen zu gut.
Nicht falsch verstehen, ich freue mir den Arsch ab, echt!

But look:
Sie wissen zwar, dass sich meine Zeiten nach der Betreuung meines kleineren Sohn richten, haben aber weder nach seinem Alter noch nach meinen Familienstand gefragt.

Irritierend die Tatsache, dass sie sich noch am selben Tag, an dem ich das Angebot annahm, beim Jobcenter einen Eingliederungszuschuss beantragt haben.
Das teilte mir meine Beraterin dort mit, die so eine flotte Herangehensweise nicht kennt.

Die Probezeit dauert mindestens 8 Monate, wenn ich die überlebt habe, winkt allerdings ein unbefristeter Vertrag.
Ich hoffe nicht, dass sie mich während dieser Probezeit wieder an die Luft setzen, sobald der Zuschuss nicht mehr gezahlt wird.

Nichtsdestotrotz freue ich mich sehr und das nicht nur, weil ich heilfroh bin, dass ich hier rauskomme!
Es sind nämlich immer noch Kiga-Ferien und Babysitter-Omma hat uns grandios im Stich gelassen.
Hat bereits am 3. Tag in den Sack gehauen.
Nachdem sie sich am 1. Tag rasch vom Acker gemacht hatte, weil Lucky pennte; am 2. Tag eine halbe Stunde zu spät kam, und am 3. Tag (Mittwoch) ein schönes Wochenende wünschte und wenn ich Bedarf hätte, könne ich mich ja melden. Ja, äh, mein Bedarf beträgt 10 Tage, wie abgemacht?!
Mit so einer läppschen Arbeitseinstellung gehe ich selbstverständlich nicht in meinen neuen Job.

Jedenfalls übernimmt nun Elvis die 2. Ferienhälfte.
Also drückt mir die Daumen, dass die Jungs sich nicht versehentlich gegenseitig töten und dass ich nicht versehentlich eine Firma in den Ruin treibe.

Freitag, 4. August 2017

Vorstellungsgespräche - Der Kindergeburtstag

Ein mir gänzlich unbekanntes (weil sehr spezielle Werkzeuge produzierendes) Unternehmen hat mich eingeladen.

Im Eingangsbereich hängt ein riesiges Wandtattoo:
"Lasset uns nicht lieben mit Worten, sondern mit der Tat und der Wahrheit. 1, Johannes 3.18"
Oha.
Das und der Satz in der Stellenanzeige "Wir sind ein christlich geführtes Unternehmen" lässt mich nun befürchten, dass hier Nonnen und Mönchen werkeln.

Aber nein, die 3 überaus gut gelaunten Firmenleiter, die mich in einem riesigen Konferenzsaal begrüßen, sind einfach nur sehr gläubige Menschen, wie sich herausstellt.

Wir 4 suchen uns aus der Fülle der dargebotenen Getränke und Kekse etwas aus, plaudern kurz über's Wetter und dann geht er los, der Kindergeburtstag.
Der Personalchef hatte mich bereits am Telefon vorgewarnt, dass das Gespräch ungefähr 90 Minuten dauern wird.

Ein Feuerwerk der guten Laune prasselt auf mich nieder und dieses Bewerbungsgespräch ist das kurzweiligste, das ich jemals erlebt habe; es wird viel gelacht, es werden Anekdoten zum Besten gegeben, der Firmenchef (ein Mittvierziger im schlabberigen Jack & Jones-Shirt {tut das nicht, Männer ab 21, tut das nicht!}) und ich tauschen uns zwischendurch über unsere Kinder im Studentenalter aus und der Personaltyp mahnt mehrmals augenzwinkend zur Ernsthaftigkeit.

Jeder der 3 hat einen Hefter vor sich liegen, daraus lesen sie die Fragen ab, die sie abwechselnd auf mich abfeuern. Kreuzverhör quasi.
Wie behalten Sie in Ihrem Leben den Überblick?
Nehmen Sie die die Bestellung eines Kunden an, der etwas dringend zu einem bestimmten Termin braucht und Sie wissen genau, dass der Termin nicht eingehalten werden kann? (-> Richtige Antwort wahrscheinlich: als Geschäftsfrau JA, als Christin NEIN)
Wie und wo speichern Sie Dateien?
Wie gehen Sie mit einer Zicke im Team um?
Definieren Sie Zicke! Wie heißt das männliche Pendant?
Welche Hobbys haben Sie?
Welche technischen Gimmicks nutzen Sie, abgesehen vom Handy, noch?
usw. usw. usw.

Es folgt eine kleine Konversation auf englisch.

Kaum ist die Kladde abgearbeitet, legt man mir Werkzeuge und so Produktdingens aus Holz und Metall vor und ich soll versuchen, zu erklären, ob und wie die zusammenpassen und sie letztendlich auch zusammenfügen.
Anschließend soll ich alles wieder auseinandernehmen und in eine spezielle Verpackung packen, die ich aber erst falten muss.

Da die Stelle eh nicht passt und ich mich hier nur beworben habe, um ein "Übungs" -gespräch zu ergattern, ist es mir schnurz, wie ich 'rüberkomme, bin ergo relativ locker und habe sogar richtig Spaß dabei.

Kaum ist die Verpackung zusammengefaltet und das Werkzeugdingens reingestopft, kriege ich ein Laptop vorgesetzt. Ich darf aus 3 Aufgaben 1 aussuchen:
1. Briefe zu einem Serienbrief zusammenfügen.
2. Eine einfache Formel in Excel erstellen.
3. Einen Bestellvordruck ausfüllen.

Ich entscheide mich für 3. Wie gut, dass ich so viel über's Internet bestelle! Das kommt mir jetzt zugute.
1. habe ich noch nie gemacht und Excel-Formeln?! Geh' mir wech! Schnallt das überhaupt irgendjemand OHNE abgeschlossenes Informatikstudium?!

Anschließend werde ich durch die gesamte Firma geführt und im Betrieb noch genötigt, verschiedene Werkzeugsdingens zu so Produktdingern zuzuordnen.

Dann werden die Basics besprochen. Ich fühle mich leicht verarscht, als man mir für 35 Stunden 3.000 Ocken brutto bietet.

Nach 90 Minuten ist tatsächlich Schluss.
Man bedankt sich überschwänglich für das amüsante und sehr angenehme Gespräch und verspricht, sich in 3 Tagen zu melden.

3 Tage später erhalte ich die netteste Absage ever, in der man mir von Herzen alles Gute wünscht.
Ich bedanke mich meinerseits für die gebotene Gelegenheit, mich vorstellen gedurft zu haben, woraufhin man sich wiederum herzlich für meine Bedankung bedankt.

Grundsätzlich war das spaßig, aber...
...liebe Personal-Fuzzis, ganz ehrlich, ne? wenn ihr wüsste, wie albern ihr mit solchen Spielchen 'rüberkommt...
Was soll das? Seid ihr nicht in der Lage, einen Bewerber anhand von Ausdrucksweise, Mimik und Gestik, etc., einzuschätzen? Nein? Tja, denkt mal drüber nach...


So, und beim nächsten Mal erzähle ich euch dann, wie es dazu kam, dass ich plötzlich innerhalb von 2 Tagen 2 Jobzusagen bekam...


Label: Vorstellungsgespräche

Dienstag, 1. August 2017

Babysitter des Grauens, Teil 827

Kiga-Ferien stehen an und damit es nicht zu Todesfällen kommt, suchte ich mal wieder einen Babysitter.
Babysitter A ist zeitgleich im Urlaub.
Babysitter B geht als Aupair ins Ausland.
Zeit also, einen neuen zu besorgen.

Babysitterdienst:
die Mädels, die man mir vorschlug, fielen 'raus:
die eine hatte aufgrund ihrer 27 verschiedenen Hobbys nur 1 x pro Quartal Zeit und die andere merkte nach 2x sitten, dass sie mehr Zeit zum Lernen braucht.

Dann erschien in der Zeitung ein Artikel über die frisch diplomierten Babysitter der VHS.
Ich fragte nach, wo man diese Frischlinge buchen könne.
Ja, ähm, das wisse man nicht so genau, wahrscheinlich aber beim Babysitterdienst, oder? Ach, nicht?! Ja, äh, dann müsse man sich erstmal schlau machen und mich zurückrufen.
Nennt mich kleinlich, aber wenn ich seit Jahren Dutzende Gören durch's Babysitterdiplom schleuse, dann weiß ich doch, wie und wo man die anschließend buchen kann!

Es stellte sich heraus, dass ein Ordner existiert, der Heilige Gral der Alleinerziehenden quasi, und zwar im Kindergarten in der Kastanienallee.
Also hin.
Wie schön: alle 5 gelisteten BS wohnen in meine Nähe!
Wie unschön: der Ordner ist dermaßen veraltet, dass 4 der darin aufgeführten Teenies bereits weit weg wohnende Studentinnen sind oder gar selbst Mütter, die ihrerseits Babysitter suchen.
Die 5. kommt zwar zum Kennenlernen, entscheidet sich dann gegen uns und für einen Warenverräumungsjob bei Aldi.
*hmpf*

Also wieder in der ungeliebten Sauerlandgruppe bei FB inseriert.

Es meldet sich eine Kiga-Mutter, die ihre 65-jährige Mutter feil bietet.
'ne Omma. Nun ja, warum nicht...
Immerhin wohnt sie nur 5 Häuser weiter.

Ich rufe sie an, sie redet viel und springt von Thema zu Thema ohne einen Gedanken zu Ende zu formulieren. Mir schwirrt der Schädel, vielleicht bin ich einfach zu denkfaul geworden.
Sie erzählt, dass sie Tagesmutter ist, aber derzeit keine Kinder betreut. Sie würde aber noch regelmäßig Fortbildungen vom Jugendamt mitmachen, bei dem sie als Tagesmutter gemeldet ist. Und deshalb könne sie zum Beispiel nicht am nächsten Mittwoch, da wäre sie nämlich bei solch einem Seminar.
Oh, die Dame scheint ein Glücksgriff zu sein!
Letztendlich machen wir einen Kennenlerntermin für nächsten Mittwoch aus.
Ja, für Mittwoch, um 4! Fragt nich'.

Am nächsten Tag frage ich unsere Kiga-Chefin, ob sie die Frau kennt.
Tut sie nicht, und sie erklärt, dass die hiesigen Tagesmütter gar nichts mit dem Jugendamt zu tun haben, sondern mit dem Sozialdienst der Kirche. Aha?!
Außerdem findet sie es merkwürdig, dass Omma bei dem heutigen Run auf Tagesmütter, gar keine Kinder da hat.
Na super...

Der Termin naht.
Omma kommt 15 Minuten zu spät (was sie zuerst erklärt mit "Meine Tochter musste länger arbeiten und ich passe ja dann auf ihren Kleinen auf", was aber iwie keinen Sinn macht, denn sie hat den Kleinen ja dabei, später mit "Ich wollte Ihnen erst noch 15 Minuten Ruhe gönnen, falls Sie erst um 4 nach Hause gekommen sind").
Ich habe Migräne und schlucke rasch eine Ibu.
Als Omma das sieht, schüttelt es sie: Uuuuuh! Pillenschlucken kann sie nicht mitansehen!
Damals, nach ihrem Nervenzusammenbruch hat sie nämlich so viele Pillen schlucken müssen, da hätte sie heute noch ein Trauma von!
Aha?!

Sie erzählt, wie der Mann sie damals wegen einer Jüngeren verlassen hat und dann das gemeinsame Haus und Geschäft den Bach 'runter sind und alles...
Heute muss sie nur noch 1 Sorte Schlucken, aber wegen ihrer Schmerzen. Sie ist ja neulich, als sie ihren Sohn in Bayern besuchen wollte, notfallmäßig in der Schmerzambulanz gelandet und so sind aus 2 geplanten Monaten Sohnbesuch gleich 4 geworden.
Aha?!
Eine Schmerzambulanz ist doch nichts, wo man notfallmäßig landet und dann bleibt, oder?!

Sie erzählt noch von ihrem Hunden und von ihrer Südküche, in der es sommers so heiß wird, dass sie erst im Herbst wieder die Jalousien hochziehen wird.
Nicht, dass ich mich wundere.
Hallo?! Ich habe die Frau bis gerade gar nicht gekannt, wieso sollte ich mir Gedanken über 'runtergelassene Fremdjalousien machen?!
Als ich frage "Sie wohnen also in Nr. 8? Das ist doch das grüne Haus an der Ecke?", weiß sie nicht mal, dass das Haus grün ist.

Und als ich frage "Sie sind also Tagesmutter?", kommt heraus, dass sie lediglich einen Oma-Kurs der VHS besucht hat, um ihre 2 Enkel zu betreuen, damit ihre Töchter arbeiten gehen können.
Aha?! 
Wenn man 3 Kinder groß gezogen hat, ist ein Oma-Kurs notwendig? So so.

Wir machen trotz allem einen Termin aus, weil ich die Kiga-Mutter nicht vergrätzen will und weil ich weiß, dass Elvis dann da sein wird, der den Tag aufgrund seiner Nachtschicht verpennt.
Geplant sind eigentlich täglich 2 Stunden während der Ferien - aber... Lucky und ich werden am nächsten Tag leider Magendarm bekommen und zack, sind wir die Omma elegant losgeworden.

Aber wer weiß, vielleicht steckt in ihr ja eine verschüttete Mary Poppins und alles wird ganz ganz dufte...


Label: Babysitter

Donnerstag, 27. Juli 2017

Autos shoppt man nur alleine!

Liebe Damen,

der Kauf eines Fahrzeugs kann ebenso viel Bock machen, wie Slingpumps- oder Jahreszeitendeko-Shopping, wenn man nur 2 simplen Regeln folgt.

Ein Autokauf steht an?
Sei es, weil das alte zusammengebrochen ist oder weil dein reicher Liebhaber dir seine Platinkarte mit den Worten "Hier, Darling, kauf' dir endlich ein vernünftiges* Auto!" 'rüberschiebt?
*Obacht! Sagt ein Mann in diesem Zusammenhang "vernünftig" bedeutet das: viele PS, sehr viele Zylinder, ganz viele Gänge, supi viele Airbags und gedeckte Farben. Und ja, ich bin fest davon überzeugt, dass ein reicher Liebhaber "Darling" sagt.

Aber keine Panik! Ich lasse euch kostenfrei(!) an meinem reichen Erfahrungsschatz teilhaben. Keine Ursache!


Regel No. 1: Erzähle niemandem von deinem Vorhaben!
Frauen reagieren beim Thema Autokauf eher verängstigt:
"Trauste dir das alleine zu? Nimm' lieber den Volker (Stefan, Gunter, ...) mit. Der kennt sich aus. Frauen werden bei sowas ja immer über's Ohr gehauen!"
oder praktisch denkend:
"Nimm' doch den Kadett von Onkel Erich! Der hat jetzt 2 Jahre in der Garage gestanden und ist noch tiptop in Schuss!" (der Kadett, nicht der Onkel).

Männer langweilen mit:
Hubraum, PS, Zylinder, Hinterradantrieb, Höchstgeschwindigkeit, Verbrauch, CO2-Emmission, TÜV, Jahreswagen, Tageszulassung und ähnlichem Schnickschnack, der eh nicht interessiert.
Mein Auto soll hübsch aussehen und ein gewisses Maß an Sicherheit bieten.
Aber in erster Linie hübsch aussehen! Punkt.
Im schlimmsten Fall wollen Volker, Stefan und Gunter mitkommen und dann wird der Autokauf wahrlich kein Vergnügen (siehe Regel 2)!

Nachwuchs, vor allem männlicher, ist auch keine große Hilfe:
"Autohaus Müller hat auch Lamborghinis im Programm! Lass' uns eine Probefahrt machen!! Oooch, wieso denn nicht?! Aber Du nimmst doch ein Cabrio?? Und tiefergelegt und mit fettem Auspuff! Und auf jeden Fall Soundanlage im Kofferraum!"

Aber man ist 1. nicht doof und hat 2. eh schon genaue Vorstellungen von der neuen Karre, nicht wahr?
Die einen legen Wert auf Sitzheizung, Isofix, beleuchteten Schminkspiegel oder 7 Gänge.
Mir persönlich ist wichtig:
- Klimaanlage
- Heckscheibenwischer (ich hatte mal einen Wagen ohne und das war bei Schneefall äußerst lästig)
- 4 Türen (die Kofferraumklappe zähle ich persönlich nicht als Tür. Also bitte!)
- Allwetterreifen (wer hat schon Bock 2 x pro Jahr in der Werkstatt zum Reifenwechsel aufzuschlagen?) und natürlich:
- eine hübsche Farbe (hellgrün, blutrot oder flieder).

Was darüber hinausgeht (Kofferraumbeleuchtung, Funkschlüssel, beheizbare Außenspiegel, Fensterheber, CD-Player, etc.) ist in meinen Augen unnötiger Schnickschnack.
Optimalerweise kennt man jemanden, der das zukünftige Auto bereits fährt und Auskunft geben kann, ob JEE oder NEE.
Wenn nicht: Internet. Erfahrungsberichte lesen und sehen, wo die Schwachstellen liegen und ob man mit denen leben kann.
Ich könnte z. B. sehr gut damit leben, wenn mein 3er BMW gelegentlich Probleme mit seiner Common-Rail-Pumpe hätte.

Wenn das Wunschauto alles bietet, was man will - ab zum Autohaus!
Wenn das Wunschauto das nicht bietet - ab zum Autohaus! Stichwort Nachrüsten.



Regel No. 2: Nimm bloß keinen Mann mit!
Die verderben dir den ganzen Spaß, glaub mir. Und Shopping soll Spaß machen!
Liefern sich mit dem Autoverkäufer ein Fachvokabular-Duell (gähn), umrunden den Wagen mehrfach mit skeptischer Miene, treteln prüfend vor die Reifen und wollen einen Blick auf den Motor werfen (gähngähn).
Im schlimmsten Fall verlangen sie den Wagen von unten zu sehen (triplegähn) und klopfen mit pseudofachmännischem Blick hier und da herum.
Schlussendlich werden sie vorschlagen, nochmal woanders zu gucken und eventuell andere Autorassen in Betracht zu ziehen.
Sollte sich dann endlich zu einem vernünftigen(!) Auto entschlossen worden sein, wird soukmäßig gefeilscht.
Puh. Nicht sexy sowas, Jungs, NICHT SEXY!
Preisnachlass, neue Reifen, Verbandskasten, Matten, voller Tank, Inspektion, Schlüsselanhänger ist auch ohne peinliche Feilscherei drin.
Dekolleté oder bissken Bein zeigen reicht völlig.



Ihr könnt diese Regeln selbstverständlich ignorieren, aber dann endet ihr in einem ungeliebten, kacke aussehenden (weil function meist der form followt), aber hochsoliden Ding in schwarz, grau, weiß oder nachtblau. Und das für die nächsten 12 Jahre! Ach, was rede ich denn? Hochsolides schafft locker 17 Jahre!


SL für Sauerland, is' klar, ne?
Und der Rest?
Na? Hä?
Wer weiß es??

Dass dieses Kennzeichen durchgewunken wurde, wundert mich.
Immerhin ist 5150 der US-Polizeicode für psychisch gestörte Straftäter.
Aber hey, allemal besser als GV-69 oder AA-666 oder diese affigen, personalisierten Kennzeichen, womöglich noch mit Geburtsdaten der Kinder, wa?! Bah!


Und nun viel Erfolg beim nächsten Autokauf und allzeit gute Fahrt!

Label: Autofahren

Freitag, 14. Juli 2017

Fuffzich

In ein paar Monaten werde ich fuffzich und ich kriege diesen scheiß Post darüber einfach nicht hin!!

Sollte total witzig und und ironisch und so werden, aber alles, was ich dazu schreibe, klingt wie ein depressiver Haufen Mist!

Denn fünfzig ist viel und schlimm und mir bleibt das Scherzen darüber im faltigen Halse stecken, weil ich nur noch denken kann: "Scheiße, ich werde bald sterben!".
Und dabei hat es das Schicksal / Mutter Natur / der liebe Gott / whoever bis hierher, zumindest gesundheitlich, gut mit mir gemeint!
Alle Brüste noch dran, keine Beeinträchtigungen durch Apoplexe oder Herzinfarkte.

Kann mir irgendjemand irgendwas Positives über's Alter berichten??
Also außer, dass man nicht mehr everybodys darling sein will, zum Beispiel?
Ich tue meine Meinung kund; kann ohne schlechtes Gewissen Nein! sagen; höre Viellaberern nicht mehr höflich zu, sondern fahre über'n Mund; geige der Kindergärtnerin die Meinung, ohne zu denken "Lieber nicht, sonst lässt sie das am Kind aus!", und es ist mir scheißegal, ob die Leute doof gucken, wenn ich mir mitten in Aldis Kassenschlange plötzlich Jacke und Bluse runterreiße, nur noch im Top da stehe und mir mit dem KW29-Prospekt hektisch zufächele.

Und außer, dass man diese gewisse Gelassenheit an den Tag legt, weil man durch nichts mehr so wirklich beeindruckbar ist? Alles schon mal da gewesen, vieles erlebt, been there, done that. Kein Grund mehr contenancelos abzugehen, wie mit 20 zum Beispiel.


Mit 20 hatte man noch harmlose Sorgen:
Examen.
Baldige Entjungferung?
Esprit oder Benetton?
Boah, die Alten nerven!

Oder mit 30:
Beförderung?
Schleier oder Fascinator zum Brautkleid?
Werde ich schwanger bis zum 35.? Man will schließlich nicht als Risikoschwangere enden!*
*Hier lachte mein persönliches Schicksal laut auf. Sehr laut.

Oder mit 40:

Noch Paartherapie oder schon Scheidung?
Scheiß Minijobs!
Mit welcher Lehrerin muss ich schlafen, damit Elvis die Gym-Quali schafft?
Hämorrhoiden-Creme hilft wirklich gegen Augenfalten??*
*Nein.

Zum 50. denkste nur noch:
"Scheiße, sterben..." und, falls du sehr eitel bist: "Kann ich noch ärmellos tragen?"*
*Nein.

Statt dessen verfasste ich zig Posts, in denen ich schrub, dass e
s ein Trugschluss ist, dass mit fuffzich die "2. Lebenshälfte" anbricht, wie  Eckart von Hirschhausen, ebenfalls Jhrg. 1967, neulich bei Böttinger behauptete. Nix Hälfte! Letztes Drittel.

Und dass man mit 50 nicht mehr zum knackfrischen Mittelfeld gehört, sondern zu den älteren Eisen. Zu denen, über die in Dokus über Arbeitslose immer gesagt wird:
ab 50 stellt dich kein Chef mehr ein.
(Gut, bei mir könnte es am Kleinkind liegen, aber sicher bin ich da nicht...)

Und dass mich diese vereinzelten weiße Haare an Zeh, Damenbart, Braue, Wimper und Schamhaar nicht mehr amüsieren, sondern schrecken.

Und dass ich bei NeueLiebe.org auf die ersten Witwer treffe, weil ich das angegebene Wunschalter von "42 - 50" auf "50 - 56" heraufgesetzt habe.

Und dass mich, so als depressiver Grundcharakter,
das "Geschenk des Lebens" *hüstel*kotz* als Konzept zwar niemals überzeugt hat*, mir aber nun der Arsch auf Grundeis geht, wenn ich an das baldige Ende denke.
Eigentlich käme da jetzt Religion ins Spiel, nicht wahr, aber ich habe vor einigen Jahren mit Gott Schluss gemacht, müde vom jahrelangen Suchen und nix finden, und alte Geschichten soll man nicht wieder aufwärmen.
*Juliane, 1977: "Ich soll mich durch 'n ganzes Leben quälen, mit 3x am Tag Zähne putzen, und Hausaufgaben machen und so und als Dank sterbe ich am Ende?! Was soll'n der Scheiß?!"

Was wird wohl in meiner Grabrede stehen?
"Ihr Leben verdankte sie 2 Trotteln, die nicht nur zu doof zum Verhüten waren, sondern auch nicht in der Lage, für angemessene Sozialisation zu sorgen.
Und diese verhunzte Sozialisation ließ sie lebenslang an ihren Mitmenschen verzweifeln, ja, sie verabscheute dieses komplizierte zwischenmenschliche Miteinander, oder besser gesagt: Gegeneinander.
Bereits als Teenager wünschte sie sich als Inschrift auf ihrem Grabstein: ENDLICH!
Und so teilte sie das selbe Schicksal ihrer Ahninnen: genervt, unfähig, etwas gescheites mit dem Leben anzufangen, einen frühen plötzlichen Herztod herbeisehnend.
Nun, diesen Wunsch mochte ihr das Schicksal nicht erfüllen, denn unsere liebe Juliane verstarb im Alter von 108 Jahren."
(Ey, wehe!)

Oder so ähnlich.
Wird um mich eigentlich irgendjemand weinen? Also so richtig mit Herzschmerz und so?
Wohl eher nicht.
Immerhin bin ich kein Sonnenscheinchen, der Freude ins Leben anderer bringt und ein Heilmittel gegen Krebs habe ich auch nicht erfunden. Ich fluche wie ein Berserker und als Mutter bin ich viel zu ungeduldig und laut und irgendwie auch nicht so dolle.

Ich frage mich, wie ich mittlerweile eigentlich 'rüberkomme?
Etwa wie eine von den mir so verhassten frustrierten, humorlosen Wechseljahreszicken?
Neulich war Susanne Fröhlich bei "Inas Nacht" zu Gast und ich musste feststellen, dass die beiden mit 40 supercool waren, aber jetzt, mit ü50, nur noch affig schabrackig rüberkommen und dann kriege ich Angst, denn die peinliche, merkwürdige Alte will ich nicht werden.


Tja, und weil so einen negativen Post ja keiner lesen will, schreibe ich lieber gar nix.

Und nun entschuldigt mich, ich geh' mal rasch was Gescheites aus dem letzten Drittel machen...


"Ich schenk' dir das jetzt schon," sagte meine Freundin.
"Denn wer weiß, ob du an deinem Geburtstag überhaupt noch lebst!"
Und weil ihr mein baldiges Ableben leid tut,

hat sie besonders tief in die Tasche gegriffen :-)

Montag, 26. Juni 2017

Wechseljahre muss man sich leisten können

Ich hatte ja keine Ahnung, welche Kosten auf mich zukommen, wenn ich erstmal im Klimakterium feststecke!
Ich Naivling dachte nämlich: biste die Periode los, sparste Hygieneartikel.
Unter'm Strich also mehr Geld für Snickers und Gin.

Was ja auch zutrifft, aber es entstehen Kosten ganz anderer Art.

Wasserkosten zum Beispiel.
Wer täglich 273 mal von heftigen Hitzewellen heimgesucht wird, der schwitzt und stinkt.
Ebenso müffeln dann Blusen, Shirts und, da ich abartigerweise auch an den Beinen schwitze: Jeans.
Also wird öfter geduscht und die Waschmaschine angeschmissen.

Während ich bisher mit trockener Kopfhaut gesegnet war und mit 2x pro Woche Haarewaschen auskam, muss ich meine neu entstandenen Fettsträhnen nun täglich einschäumen.
Was außerdem bedeutet, dass ich, als leidenschaftliche Vorratskäuferin, die gehorteten 19 Pullen "Head & Shoulders-Shampoo für trockenes Haar" (knapp 75 Ocken!) in die Tonne kloppen kann!
Oder es für die Schamhaarregion verwenden, denn da herrscht ja angeblich die gefürchtete Scheidentrockenheit, die ich persönlich für eine Erfindung der Pharmaindustrie halte.
Überlegt doch mal: wenn du 24/7 wilde Sexfantasien hast dir 27 mal pro Tag der Schweiß am ganzen Körper 'runterläuft, wo läuft der dann auch hin? Genau.



Reparaturkosten.
Wenn die Hormone tanzen, ein Mitmensch nervt und ich gleichzeitig überhitze, dann reagiere ich ein klein wenig heftiger, als normal.
In der Folge besitze ich nun einen Micke mit Loch, einen abgerissenen Sonnenbrillenhalter im Auto und diverse bunte Macken in der Wohnzimmertapete von all den gepfefferten Duplosteinen, auf die ich barfuß im Halbdunkeln so trete.



Pflegeprodukte.
Nicht nur die Haare fetten neuerdings, sondern auch das Gesicht.
Die Zeit des Tupfens ist angebrochen: man tupft unter den Armen und die Glanzschicht von Stirn und Backen.
Großpakete Klopapier, 30er-Packungen Tempos und Zewarollen haben Einzug gehalten.

Ich brauche definitiv mehr Deo und Waschmittel.

Und MakeUp.
Zusätzlich zur neuen "Schneewittchenteint trotz Fettglanzfresse"-Foundation von Maybelline, habe ich mir ein teures, 99% deckendes Camouflage gekauft, denn jede Hitzewelle verleiht mir kurzfristig Tomatentäng und wer wie ich relativ häufig zu Vorstellungsgesprächen geht, will sich die Schmach, urplötzlich vor potentiellen Kollegen den dunkelroten Dampfkessel zu geben, ersparen.

Nägel und Haare wachsen wie bekloppt. Damit die pfiffige Kurzhaarfrise pfiffig bleibt, sitzte nonstop beim Frisör zum Nachschneiden und Ansatz färben, und im Nagelstudio wurde die (quasi von mir allein finanzierte) Wartelounge benannt.

Und da ich mich wider besseren Wissens in jeden Durchzug lege/setze/stelle, der sich meinem dauerüberhitzen Körper bietet, sind meine Augen ständig verquollen und dagegen helfen diese Koffein-Augenroller, im Preissegment einer ganzen Kaffeeplantage.



Lebensmittelkosten.
Hormonopfer und Menschen ohne Sexualleben neigen zum Vielfraß.



Klamotten.
Durch die Vielfresserei legt sich das ein oder andere Kilo auf die Hüfte. 
Zeit für weitere Hosen.
Sehr weite Hosen, denn ich kann neuerdings keine Hosen mehr an den Beinen ertragen.
WTF?!
Besser: lange, weitschwingende Kleider, die engen nicht ein und lassen jede Hitzewelle innerhalb der üppigen Stoffbahnen lässig verpuffen.
So jedenfalls meine Fantasie.
In echt besitze ich keine Kleider, freue mich aber schon sehr auf den Hermesmann, der mit einem Zalando-Paket samt riesiger Flatterfummel-Auswahl unterwegs ist. 



Medikamente.
Man will, dass es aufhört.
Die Stimmungsschwankungen, das 365-Tage-PMS, die Schwitzerei, das Gelenkziepen, die Migräne-Attacken, der Hunger, der Haarausfall.
Dafür muss frau verschiedenes ausprobieren: Mönchspfeffer aka Keuschlamm, Traubensilberkerze, Passionsfruchtblüte, Johanniskraut, Maca, Hormonpflaster, usw. usw. usw.
Teure Ausprobiererei, denn eine Wirkung lässt sich erst Wochen später feststellen, wenn überhaupt, und dann muss man das Mittel der Wahl ewig lang (-> WechselJAHRE) einwerfen. Dumm nur, dass es das alles nicht auf Rezept gibt (außer die Hormone und die können töten) und man sich doof & dämlich dabei latzt.
Die gute Nachricht: es ergibt sich eine Möglichkeit zum sparen, indem man die gegen Scheidentrockenheit angepriesenen Gleitgele und Cremolums NICHT kauft.
("Vagisan für den gepflegten Sex" - hahahahaha! Wer denkt sich denn so 'nen Slogan aus?! Ein untervögelter Endfuffziger?)



Tjaha!
Da sind die Tausender, die man für Binden und OBs ausgegeben hat, Peanuts, wa?
Kleine Überlegung am Rande: könnte ich meiner Mutter wohl eine Rechnung schicken über die Hygieneartikel, die ich in den letzten 35 Jahren benötigt habe?! Immerhin sind ja meine Eltern mit ihren Chromosomen dran Schuld, dass ich ein Mädchen wurde.
Wie sieht das rechtlich aus? Anwälte anwesend? Bitte melden!


Also, liebe junge Damen, ihr seht, der gute Rat, dass man beizeiten für's Alter sparen soll, ist durchaus berechtigt!

So, ich gehe jetzt die Rechnung schreiben.
Tschö!



Label: Wechseljahre

Freitag, 9. Juni 2017

Terminophobie

Sicherlich gibt es eine korrekte lateinische Bezeichnung für das, was ich meine; vermutlich sogar eine ICD, aber ich hab's auf die Schnelle nicht ergoogeln können.
Und schnell muss es gehen. Zeit ist knapp mit so 'nem Kleinkind am Hacken.
Zum Bloggen komme ich jedenfalls kaum noch.

Wie gut, dass ich eine zuverlässige Babysitterin habe, aber die kann ich nicht so oft bemühen, wie ich es gerne täte; sie hat ja auch 1 Leben und zusätzlich wurde mir unlängst vong Amt das Geld gekürzt, weil Elvis wieder da ist (ja, so hab ich auch geguckt. Fragt nich...).

Wo der Pilot abgeblieben ist, fragt ihr?

Nun ja, es gibt Menschen, mit denen kannst du Termine abmachen; die kommen dann auch und zwar pünktlich.
Und dann gibt es Terminphobiker wie den Pilot.
Auf einen festen Termin angesprochen reagiert so jemand wie eine Kakerlake, wenn das Licht angeht. Zack - weg!
Nicht in der Lage, sich festzulegen, weil sie durch einen fixen Termin ihre Freiheit beschnitten sehen und hast mal einen Termin abgemacht, kommt derjenige garantiert zu spät oder vergisst es ganz.

(Mein 1. Freund kam zu unserem 1. Date 20 Minuten zu spät.
Als ich ihn darauf aufmerksam machte, meinte er bloß:
"Ist doch nicht schlimm, wir wollen ja schließlich nicht in die Oper."
Ey, hallo?! ICH bin die Oper!!)

Als vor ca. 2 Jahren die Mutter seines Erstkindes nach regelmäßigen Besuchsterminen verlangte, lief es gut für Lucky und mich:
der Pilot kümmerte sich jeden 2. Samstag für ein paar Stunden um ihn.
Das ging ein paar Monate gut, aber dann gab es wieder irgendein Gehudel zwischen ihr und ihm und dann sah man ihn entweder wochenlang gar nicht oder direkt 3 Samstage hintereinander. Wann genau, erfahre ich ja immer erst am Abend vorher.

Irgendwann schlich sich eine gewisse Regelmäßigkeit ein:
jeden Mittwoch, und das über einige Wochen, meldete er sich spätnachmittags
"Seid ihr zuhause?", trudelte eine halbe Stunde später ein und blieb knapp 2 Stündchen.
Öhm, ok, dann statt samstags nun mittwochs.

Irgendwann plante ich was für einen bestimmten Mittwoch. Nix besonderes, irgendeine Erledigung, oder vielleicht wollte ich einfach nur mal im Café um die Ecke vor einem Cappucella sitzen und ins Nichts starren, ich weiß es nicht mehr.
Um seine Terminphobie wissend, überlegte ich tagelang, ob ich es wagen könnte, den Pilot zu fragen, ob er gedenke, wieder am Mittwoch zu erscheinen.
Ich wagte es am Dienstag Abend.
Und was geschah? Zack - die Kakerlake!

Wieso ich gerade auf den Mittwoch käme? Weil er in den letzen Wochen immer mittwochs reinschneite? Ach? Ist ihm gar nicht aufgefallen. Aber nee, (und hier kommt die Kakerlake ins Spiel:) er hätte so 'n Kopfbrummen und erfahrungsgemäß würde er dann morgen, also Mittwoch, mit Migräne flachliegen.
Ich wusste es!
Dermaßen verschreckt meldete er sich prompt 2 Wochen lang gar nicht.

Typisch auch für einen Terminophoben sind solche Schoten:
"In den Herbstferien habe ich Urlaub,  dann nehme ich dir den Kleinen ganz oft ab."
Yay! Wie schön!
Schön für ihn, denn letztendlich flog er mit seinem Bruder in den Urlaub.

"Das geht aber so nicht!", meinte die Jugendamtsmitarbeiterin und schrub ihm einen Brief, vor 6 Monaten bereits, mit der Auflage, sich bei ihr zwecks Umgangsregelung zu melden. Mit Frist.
"Was, wenn er sich nicht fristgerecht meldet?", wollte ich wissen.
"Dann drohe ich mit Gericht und dann parieren die Väter, denn vor'm Richter haben die meisten Schiss."
Was daraus geworden ist, weiß ich nicht, weder er noch sie haben mich jemals wieder deswegen kontaktiert.
Terminphobiker meets Amt - unholiest union ever!

Vielleicht hat der böse Richter den Pilot auch bereits eingebuchtet, seit dem letzten Kontakt sind mittlerweile 15 Tage vergangen.

Wie oft er sich um Lucky kümmert, frug neulich sein Vater.
2x pro Woche, log der Pilot.
Unfassbar.
Nur gut, dass ich das etwas korrigieren konnte, als mich sein Bruder kurz zuvor ebenfalls frug, ohne dass der Pilot dabei war.

Tja, ihr seht: es bleibt bekloppt...

Schönes Wochenende.


Sonntag, 28. Mai 2017

Menschen, die man nicht vermisst

Es gibt Menschen, die verschwinden aus einem Leben und man vermisst sie noch Jahre später.

Und es gibt Charlotte.

1 Jahr ist es nun her, seit unserem letzten Kontakt und ich vermisse sie kein Stück und dabei waren wir uns doch recht nahe.

Ich lernte Charlotte vor 10 Jahren am Arbeitsplatz kennen.
Meine beiden Kolleginnen und ich arbeiteten einträchtig nebeneinander her und dann kam Charlotte.
Eigentlich ganz harmlos und etwas gestrig wirkend mit ihrer fusseligen Doro-Pesch-Gedächtnisfrise, ihren Strickwesten und den Fußbettlatschen, brachte sie Misstrauen, Neid und Paranoia herein und es wurde kompliziert.
Kein Arbeitsauftrag von "oben", den wir plötzlich nicht mehr einfach nur erledigen konnten, weil Charlotte alles bis zum Erbrechen hinterfragte und sich am liebsten durch die 4 Vorgesetzten bis zum obersten Chef durchversichert hätte, dass das, was wir da tun sollen auch Recht und Ordnung hatte.

So nervig sie als Arbeitskollegin war, so coolsockig war sie allerdings privat.
Wir fanden recht fix einen Draht zueinander und erzählten uns unsere intimsten Gedanken und Erlebnisse.
Ich schätzte sie für ihre Bodenständigkeit, ihre klare Meinung, ihre Ehrlichkeit, ihren trockenen Humor.
Der beste Charlotte-Moment:
Weihnachtsfeier 2008. Ich hatte noch nie so einen riesen Spaß während einer Firmenfeier.

Aber auch privat konnte sie recht kontrollzwangig und umständlich sein.
Sah überall Gefahren, Feinde, Übelwollen.

Und sie ließ ihre Mutter nonstop "tanzen".
Schlimmstes Beispiel:
Vormittag im Büro. Charlotte wählt Mutters Nummer:
"Bring sofort geschlossene Schuhe zur Schule! Die Wettervorhersage meldet für gleich Regen und das Kind trägt Sandalen!"

Sie kritisierte auf's Schärfste, aber selbst Kritik annehmen? Nein! Sie ist schließlich Opfer.
Immer!
Vom Vater verlassen, vom Vater ihres Kindes beschissen, jahrelang auf Alg2 angewiesen, alleinerziehend von verheirateten Müttern gemieden.

Als ich mit Lucky schwanger wurde, prophezeite sie mir düstere Zeiten als alleinerziehende Hartz4-Empfängerin, gemieden von der Gesellschaft.
Genau so, wie sie es selbst erlebt hat.
Äh...
Nein...?

Danke der Nachfrage, aber uns geht es gut.
Dass mich Frauen mit Mann meiden, kann ich nicht bestätigen, ebenso wenig werde ich abwertend behandelt, wenn ich meinen Alg2-Bezug erwähne.
Im Gegenteil, ich wurde noch nie so oft zum Essen eingeladen wie in letzter Zeit.
Der Kleine bekommt von Nachbarn oder Erzieherinnen Klamotten und Spielsachen geschenkt, sogar über'n Blog kriege ich Angebote!
(DANKÖ!!!)
Kommt eben immer darauf an, wie man selber so drauf ist und 'rüberkommt, nech?

Charlotte brach an dem Abend den Kontakt zu mir ab, an dem ich während einer WA-Unterhaltung schrub, dass ich mich beim Jugendamt zum Thema Pflegefamilie für Lucky erkundigt hätte, weil ich einfach nicht mehr könne und wolle.
Sie regte sich ziemlich auf.
"...gefälligst selbst um's Kind kümmern..."
"...nicht jammern..."
"...du hast wenigstens den Vater...ich hatte niemanden..."
Hm, eigentlich nicht das, was man von einer Freundin hören will.
Als ich zurückgab, dass sie mitnichten alleine war, sondern zeitlebens mit ihrer Mutter als ständig parat stehende Babysitterin gelebt hätte, war Madame höchst empört.
Und schwupps! war sie aus meinem Leben verschwunden.
Was mir aber erst 3 Wochen später auffiel, als ich im Kalender ihren Geburtstag sah.

Witziger side effect:
Auch sie hat dazu beigetragen, dass ich so dermaßen fix & alle war, dass ich ernsthaft überlegt hatte, Lucky wegzugeben; immerhin hatte sie mir anlässlich Lucky Geburt versichert, den Babysitter zu machen.
Als ich sie dann später einmal darum bat, hieß es allerdings:
"Nee, das geht nicht, dann muss ich ja für mein eigenes Kind einen Babysitter suchen."
Das Kind war da 12 und die Oma wohnt im Haus.

Und dabei macht sie gerne auf gläubig und gutmenschig, aber hm, kann ich jetzt nicht bestätigen; sowas bigottes wie Charlotte ist mir seit der schnippischen Gemeindesekretärin, die anlässlich von Urommas Beerdigung 3 Euro unterschlagen wollte, nicht mehr untergekommen.

Nur, falls ihr euch fragt, warum ich hier nicht mehr über sie schreiben tu.

Sonntag, 21. Mai 2017

Vorstellungsgespräche - Der Softskill-Checker

Ich sitze einem Typ Mann gegenüber, den ich abgrundtief verabscheue:
einem 50-jährigen Peter Pan in Camp-David-Polo (die werden noch hergestellt??), diversen Lederbändchen ums Handgelenk und knallbuntem, achteckigem Brillengestell.
Er nennt sich Dino, abgeleitet von Bernhard = Berhardino = Dino.
(Ja, SO hab ich auch geguckt).
Weil Dino aber leider keine Ahnung vom Mitarbeitercasting hat, hat er sich eine ganze Lexe putziger Psychofragen aus dem Internet ausgedruckt und wendet die nun an.

Da diese Stelle für mich aufgrund ihrer abendlichen Arbeitszeiten nicht in Frage kommt (leider, denn diese Firma hat ein eigenes Café, das während der gesamten Arbeitszeit geöffnet hat und für jeden Mitarbeiter 2 Tassen pro Tag umsonst ausgibt!!!) und das Ganze für mich eh nur eine Trockenübung ist, bleibe ich recht entspannt.

Hier ein Ausschnitt der putzigsten Fragen:

"Welche Hobbys haben Sie?"
- "Ich nutze gerne die Konsolen meiner Söhne und ich blogge seit 7 Jahren."
" Das sind aber ungewöhnliche Hobbys für eine Frau. Was spielen Sie denn gerade? Aha, 'Assassins Creed'. Ja, äh, ich kenn mich da nicht so aus. Und Ihr Blog ist im Internet zu finden? Könnte ICH den also lesen?"
- "Ja."
".....?"
(Nein, du kriegst meine URL nicht.)

"Wie würde ihr Ex-Chef Sie beschreiben?"
(Gute Frage! Mein Ex-Chef, also der, der mir als erster und einziger Mitarbeiterin der Uni ein Firmenhandy in pink genehmigt hat, hat sich des öfteren lobend über mich geäußert.)

"Was sagt Ihr Ehemann über Sie?"
(Mal eben nebenbei den Familienstatus abchecken, wa? Mein Ex-Ehemann täte nun sagen: "Gut, dass ich die Alte los bin!")
- "Mein Ehemann würde sagen: Sie kann zwar nicht gut kochen, haha, aber sie ist sparsam, bla, Organisationstalent, blabla, zuverlässig.. bla..."
Was Chefs eben gern hören wollen.

"Wenn Sie mit dem Zug fahren, gucken Sie aus dem Fenster oder unterhalten Sie sich lieber mit Mitreisenden?"
(Ich und öffentliche Verkehrsmittel?? Spinnt der?!)

"Welches Straßenschild wären Sie?"
(Ein STOPSCHILD! Was sonst?! Klares STOP für solche dämlichen Fragen!)
- "Ende aller Streckenverbote."
"Und wieso?"
- "Weil ich das Muster so hübsch finde."
Har har! Eat this, du Hobbypsychologe!

"Woran denken Sie, wenn Sie alleine im Auto sitzen?"

(An Sex. Meine Stoßdämpfer sind defekt und sauerländer Straßen sehr sehr huckelig.)
- "An nichts spezielles. Ich konzentriere mich auf's Fahren."

Ich finde das Ganze mittlerweile recht albern und überlege, ob ich sowas bringen soll:


Für die Fremdsprachenphobiker: "Was sagt ihr? Ich soll alle umbringen und dann abhauen? - Sorry, die Stimmen! Nee, Scherz! Das haben sie nicht wirklich gesagt."

"Nennen Sie mir 10 Dinge, die Sie mit meinem Kuli machen können."
*seufz*
Na gut:
- "Ihn auseinander nehmen und daraus etwas McGyver-mäßiges basteln, um damit dann die Welt zu retten
- jemanden erstechen
- ihn in den Müll werfen
- ihn, wenn Sie nicht hinschauen, mitgehen lassen, und ihn dann
- bei Ebay verticken oder
- an einen Ihrer unterbezahlten Angestellten verschenken
- ihn verbrennen und die Reste als Kunstwerk an die Wand hängen und -ach ja-
- einen Brief schreiben"

Chef unterbrach mich nach Punkt 8, vermutlich kam das Ganze ein Mü psychopathisch rüber und er bekam Angst.


"Wenn Sie zu bestimmen hätten, ein Bundesland loswerden zu müssen, welches wäre das?"
(Wtf?!)
- "Ich möchte keins missen."
"Müssen Sie aber!"
- "OK, dann das Saarland. Es ist zu klein, um so richtig zum BSP beizutragen.
Ei, unn de Sproooch is grausam."
(Saarländer anwesend? Sorry, er hat mich GEZWUNGEN! Ei, abbä das mit de Sproooch tut stimme, das müsst er zugäbbe! Drie Jooohr hannisch braucht, um dem Uwe sei Fraa ihr Gschwätz zu kapiere, drie Joohr!! Die isch nämlich ausm Saarlui und schwätscht nahezu unverständlich!)

"Haben Sie noch Fragen an MICH?"
Ich deute auf seine leere Kaffeetasse:
"Nennen Sie mir 10 Dinge, die Sie mit dieser Tasse machen können."
(Ja, da guckste blöd, wa?)

Mann, wie affig.
Später habe ich im Netz nachgeschaut, was für ein spezieller Test das sein soll und was musste ich feststellen? Diese Fragen hat er sich querbeet zusammengesucht bei Facebook, Monster.de und Scherzkeks.com.
Wie überaus professionell...

Er sagte mir eine Benachrichtigung für übermorgen zu.
9 Tage später entschloss ich mich, ihn wegen seiner Unzuverlässigkeit zu rügen, samt Einbeziehen der Tränendrüse ("Wir Arbeitslose hoffen und bangen..."), woraufhin er sich entschuldigte mit: "Die Sekretärin hatte Urlaub."
Ei joo, da kannscht nix mache, gell?

Jetzt habe ich schon so viele Gespräche geführt und doch verläuft jedes total annäsch.
Bin schon gespannt, was mich beim nächsten erwartet...


Label: Vorstellungsgespräche

Dienstag, 16. Mai 2017

Vom urbexen und geocachen

Ich lungerte mal wieder vor'm Lost Place meines Begehrens herum.
Diesmal hatte ich Lucky samt Buggy zur Tarnung mitgenommen. Ich wollte als friedlich spazierengehende Muddi wahrgenommen werden und nicht als Hausfriedensbruch planende Kriminelle.
Urbexen ist ja das ideale Hobby für eine abenteuerlustige Fastfuffzigerin mit Tagesfreizeit, eigener Stirnlampe und den Dr.Martens "939". (Nicht. Aber egal.)

Wir zockelten über einen schmalen Waldweg und näherten uns dem Zaun.
Ich versuchte, aufgeschnittene Elemente im Maschendrahtzaun auszumachen.
Wenn ich hier hinten rein könnte, statt vorne an der vielbefahrenen Hauptstraße, wäre schon toll.
Noch toller wäre es, irgendwelche Urbexer abzufangen und mich denen anzuschließen. Gemessen an der Zahl der Videos und Fotos im Netz müssten die sich hier ja die Maschendrahtzauntorklinke in die Hand geben.

Lucky quengelt ("Im Auto geeehn!"), der Zaun ist waldgrün und meine Dioptrienzahl ü12, was die Sache erschwert. Also zurück zum Parkplatz.

Wer im Internet nach "urban exploration" oder "lost places" oder "abandoned" googelt, dem öffnen sich ganze Welten!
Was für uns Alten früher Schloss Neuschwanstein, Eiffelturm oder Phantasialand, sind für die Jungen heute die UrologenvillaSchloss Tützpatz oder das Geisterdorf Immerath.
Riesenthema und bis zu dem Tag im Januar, an dem ich "Victoria Barracks" googelte, hatte ich noch nie was davon gehört.
Seitdem habe ich hunderte Fotos und Videos angeschaut und, zumindest virtuell, tolle "vergessene Orte" besucht.
Faszinierendes Thema; ich wäre sofort mit dabei, wenn...
... das Ganze nicht illegal wäre und mir eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch einbringen würde. Und gefährlich kann es auch sein.

Und wen sollte ich mitnehmen?
Alleine gehe ich auf keinsten.
Zu zweit isses mir auch noch zu unsicher, so ab 3, 4 Leuten wäre optimal und wenn dann noch mindestens 1 schwerbewaffneter Bodybuilder darunter wäre - spitze!
Ich bin nicht so 'ne coole Socke wie Lina, die am liebsten alleine geht.
Kind (in dem Falle Elvis) mitnehmen, wie Jackieta? Nee!
Unser Oppa, schon immer Freund vereinzelter, kleiner Gesetzesüberschreitungen, der wär mitgegangen. Mit Handfeuerwaffe. Aber der kann ja nu grad nicht.

Ich frage meine Nachbarin. Die kernige mit dem Hund.
"Näää! Sowas mache ich nicht. Viel zu gefährlich! Wenn du ein Hobby in der Art suchst, dann geh' doch geocachen!"
Ja, nee...
Geocachen ist sowas wie Urbexen für Weicheier. Ü-Ei-Suche im Wald, aber mit GPS. Allein schon die Aussprache: Geokäschn. Klingt eher nach "Käsch mich, ich bin der Früüühling!" statt nach knallhartem Abenteuer.

Also schreibe ich ein paar Urbexer in meiner Nähe an und bettele um Mitnahme. Manche antworten gar nicht, manche lehnen ab, ein paar zeigen Mitleid mit der älteren Dame.
Aber in die Kaserne will keiner, alle schon da gewesen. Ist wohl sowas wie ein Anfängerspot.
Ich willige ein, als mir jemand ein verlassenes Haus umme Ecke anbietet.

3 Wochen später:
Der sich meiner erbarmt habende Urbexer, sein Kumpel, dessen Schwester und ich gehen vom Parkplatz in sicherer Entfernung Richtung Haus. Mir geht die Düse und je höher die Düse, desto höher auch die Stimmlage, wie man auf dem Video hören kann.
In dem kleinen Ex-Lädchen vorne fehlen Glastür und Schaufenster komplett, am hinteren Anbau ist teilweise das Dach eingestürzt. Das Gebäude ist üppig mit Graffitis bekritzelt (Graffitis und Tattoos, das sind dieselben Leute, die sowas mögen, wa?), alles ist zugewuchert.
Ich will und darf vorgehen.
Kurz vor der Tür höre ich was im Gebüsch rascheln und kriege ad hoc 180er Puls, der sich auch bis zum Ende der Tour nicht verringern wird.
Während die anderen eher Angst vor dem Besitzer oder einem Sicherheitsdienst haben, gilt meine Sorge eher freilaufenden Hunden oder irren Killern.
Oder als Super-Gau: ein irrer Sicherheitsbeamter mit Listi, Taser und Hang zum Häutesammeln.


Was lauert dahinter?

Die anderen machen ausgiebig Fotos von dem Laden, dann geht's rein ins Nebengebäude. Da sieht's zwar nicht so schlimm aus, aber gruselig finde ich es trotzdem. Man steht da also mitten in einem miefigen Gebäude, von dem man nicht weiß, von wem und warum es verlassen wurde und warum es jetzt so vor sich hinrottet und irgendwie habe ich das Gefühl in eine fremde Privatsphäre eingebrochen zu sein und die Seele des Hauses zu stören (was jetzt abgedrehter klingt, als ich es meine).
Außerdem kriege ich die Fantasie nicht mehr aus dem Kopf, dass der ehemalige Besitzer, der aufgrund vieler übler Schicksalsschläge dem Wahnsinn anheim gefallen ist, hinter der nächsten Türe sitzt, mit dem Schrotgewehr auf uns zielt und raunt:"Ich habe schon auf euch gewartet" - irres Lachen, Schüsse.

Mein Puls rast vor sich hin. Hoffentlich falle ich nicht in Ohnmacht, hier so mitten in den Dreck!
Und dann mache ich ein paar klitzekleine Fehlerchen, für die mich meine neue Posse ("Possiii") hart disst!

Fehlerchen 1:
Ich ziehe eine Jalousie im Vorraum hoch, denn mir geht das Gewese im Halbdunkeln mit den Handy-Funzeln auf den Keks.
Huch! Großes Drama! Sowas macht man nicht!! Man lässt alles so, wie man es vorfindet! Mein Einwand, dass ich nur für bessere Beleuchtung für schönere Fotos sorgen wollte und die Jalousie ja wieder runter lasse, zählt nicht.

Fehlerchen 2:
In dem Haus liegen viele Dinge herum. Wieso die Leute bzw. ihre Erben privaten Kram nicht mitnehmen, bleibt mir ein Rätsel. Jedenfalls sehe ich in großmütterlicher Schrift einen Zettel auf dem Tisch liegen: ein Pflaumenkuchenrezept. Das stecke ich ein. Als Andenken quasi und zum Ausprobieren natürlich.
Huch! Großes Drama Teil 2! Man nimmt doch nix mit! Mein Einwand, dass der Diebstahl eines kleinen Zettels für uns als Hausfriedensbrecher ja wohl das geringste Problem sei und dass es doch eh keiner merken würde, zählt nicht.

Fehlerchen 3:
Vor uns waren schon viele böse Buben in dem Haus und haben Schrankinhalte auf den Boden geschmissen, Stühle umgeworfen, Fensterscheiben zerdeppert, etc. Mich als patente Hausfrau juckt es bei so einem Anblick in den Fingern; und während ich nach einem Besen schiele, um die Scherben beiseite zu kehren, richte ich ein paar Stühle wieder auf und stelle sie an den Tisch.
Huch! Großes Drama Teil 3! Man arrangiert nix um und räumt nicht auf! Das zerstört das Flair, die Aura, die ein "rotten place" ausmacht! Auf meine Frage: "Soll ich die Stühle nun wieder umschmeißen?" wussten die Herrschaften aber auch keine Antwort. 

Was ich bis dahin nicht wusste, es gibt einen Ehrenkodex für Urbexer (Einbrecher mit Ehrenkodex? Öhm... ok, nun gut):
"Take nothing but pictures, leave nothing but footprints."
Fuck, jetzt habe ich obendrein eine Menge fingerprints geleaved! Wenn hier demnächst ein Mord passiert, hat man mich am Arsch! Eigentlich müsste ich nun nochmal hin und so richtig sauber machen! Der Irre mit der Flinte wird's mir danken.


Alte Dokumente.
Wer zur Hölle, lässt denn sowas einfach rumliegen??


Sobald der Urbexer sein Video hochgeladen hat, stelle ich den Link hier ein. Ich hoffe, er schneidet meinen Lachanfall 'raus, den ich bekam, als er vor Schreck einen Satz machte, als irgendwo ein Rohr knackte.

Dieser Dreck überall!
Die Hausfrau in mir drehte sich mehrfach im Grabe um!


Jedenfalls...
habe ich meine erste Urbex-Tour geschafft und überlebt. War spannend, auch ein bisschen traurig, derart verrottete Räumen zu sehen, aber das muss ich nicht nochmal haben. Außer die Kaserne natürlich, da MUSS ich einfach hin.
Geht einer mit?
Ich steuere auch Plunderteilchen, Korodin und Handfeuerwaffe bei.
Na los, traut euch, ich bin jetzt schließlich Profi!


Und HIER meine Ausbeute.
Ja, man sieht nicht viel Haus, soll ja schließlich niemand die Hütte seiner Omma wiedererkennen und uns anzeigen, ne?