Montag, 26. Juni 2017

Wechseljahre muss man sich leisten können

Ich hatte ja keine Ahnung, welche Kosten auf mich zukommen, wenn ich erstmal im Klimakterium feststecke!
Ich Naivling dachte nämlich: biste die Periode los, sparste Hygieneartikel.
Unter'm Strich also mehr Geld für Snickers und Gin.

Was ja auch zutrifft, aber es entstehen Kosten ganz anderer Art.

Wasserkosten zum Beispiel.
Wer täglich 273 mal von heftigen Hitzewellen heimgesucht wird, der schwitzt und stinkt.
Ebenso müffeln dann Blusen, Shirts und, da ich abartigerweise auch an den Beinen schwitze: Jeans.
Also wird öfter geduscht und die Waschmaschine angeschmissen.

Während ich bisher mit trockener Kopfhaut gesegnet war und mit 2x pro Woche Haarewaschen auskam, muss ich meine neu entstandenen Fettsträhnen nun täglich einschäumen.
Was außerdem bedeutet, dass ich, als leidenschaftliche Vorratskäuferin, die gehorteten 19 Pullen "Head & Shoulders-Shampoo für trockenes Haar" (knapp 75 Ocken!) in die Tonne kloppen kann!
Oder es für die Schamhaarregion verwenden, denn da herrscht ja angeblich die gefürchtete Scheidentrockenheit, die ich persönlich für eine Erfindung der Pharmaindustrie halte.
Überlegt doch mal: wenn du 24/7 wilde Sexfantasien hast dir 27 mal pro Tag der Schweiß am ganzen Körper 'runterläuft, wo läuft der dann auch hin? Genau.



Reparaturkosten.
Wenn die Hormone tanzen, ein Mitmensch nervt und ich gleichzeitig überhitze, dann reagiere ich ein klein wenig heftiger, als normal.
In der Folge besitze ich nun einen Micke mit Loch, einen abgerissenen Sonnenbrillenhalter im Auto und diverse bunte Macken in der Wohnzimmertapete von all den gepfefferten Duplosteinen, auf die ich barfuß im Halbdunkeln so trete.



Pflegeprodukte.
Nicht nur die Haare fetten neuerdings, sondern auch das Gesicht.
Die Zeit des Tupfens ist angebrochen: man tupft unter den Armen und die Glanzschicht von Stirn und Backen.
Großpakete Klopapier, 30er-Packungen Tempos und Zewarollen haben Einzug gehalten.

Ich brauche definitiv mehr Deo und Waschmittel.

Und MakeUp.
Zusätzlich zur neuen "Schneewittchenteint trotz Fettglanzfresse"-Foundation von Maybelline, habe ich mir ein teures, 99% deckendes Camouflage gekauft, denn jede Hitzewelle verleiht mir kurzfristig Tomatentäng und wer wie ich relativ häufig zu Vorstellungsgesprächen geht, will sich die Schmach, urplötzlich vor potentiellen Kollegen den dunkelroten Dampfkessel zu geben, ersparen.

Nägel und Haare wachsen wie bekloppt. Damit die pfiffige Kurzhaarfrise pfiffig bleibt, sitzte nonstop beim Frisör zum Nachschneiden und Ansatz färben, und im Nagelstudio wurde die (quasi von mir allein finanzierte) Wartelounge benannt.

Und da ich mich wider besseren Wissens in jeden Durchzug lege/setze/stelle, der sich meinem dauerüberhitzen Körper bietet, sind meine Augen ständig verquollen und dagegen helfen diese Koffein-Augenroller, im Preissegment einer ganzen Kaffeeplantage.



Lebensmittelkosten.
Hormonopfer und Menschen ohne Sexualleben neigen zum Vielfraß.



Klamotten.
Durch die Vielfresserei legt sich das ein oder andere Kilo auf die Hüfte. 
Zeit für weitere Hosen.
Sehr weite Hosen, denn ich kann neuerdings keine Hosen mehr an den Beinen ertragen.
WTF?!
Besser: lange, weitschwingende Kleider, die engen nicht ein und lassen jede Hitzewelle innerhalb der üppigen Stoffbahnen lässig verpuffen.
So jedenfalls meine Fantasie.
In echt besitze ich keine Kleider, freue mich aber schon sehr auf den Hermesmann, der mit einem Zalando-Paket samt riesiger Flatterfummel-Auswahl unterwegs ist. 



Medikamente.
Man will, dass es aufhört.
Die Stimmungsschwankungen, das 365-Tage-PMS, die Schwitzerei, das Gelenkziepen, die Migräne-Attacken, der Hunger, der Haarausfall.
Dafür muss frau verschiedenes ausprobieren: Mönchspfeffer aka Keuschlamm, Traubensilberkerze, Passionsfruchtblüte, Johanniskraut, Maca, Hormonpflaster, usw. usw. usw.
Teure Ausprobiererei, denn eine Wirkung lässt sich erst Wochen später feststellen, wenn überhaupt, und dann muss man das Mittel der Wahl ewig lang (-> WechselJAHRE) einwerfen. Dumm nur, dass es das alles nicht auf Rezept gibt (außer die Hormone und die können töten) und man sich doof & dämlich dabei latzt.
Die gute Nachricht: es ergibt sich eine Möglichkeit zum sparen, indem man die gegen Scheidentrockenheit angepriesenen Gleitgele und Cremolums NICHT kauft.
("Vagisan für den gepflegten Sex" - hahahahaha! Wer denkt sich denn so 'nen Slogan aus?! Ein untervögelter Endfuffziger?)



Tjaha!
Da sind die Tausender, die man für Binden und OBs ausgegeben hat, Peanuts, wa?
Kleine Überlegung am Rande: könnte ich meiner Mutter wohl eine Rechnung schicken über die Hygieneartikel, die ich in den letzten 35 Jahren benötigt habe?! Immerhin sind ja meine Eltern mit ihren Chromosomen dran Schuld, dass ich ein Mädchen wurde.
Wie sieht das rechtlich aus? Anwälte anwesend? Bitte melden!


Also, liebe junge Damen, ihr seht, der gute Rat, dass man beizeiten für's Alter sparen soll, ist durchaus berechtigt!

So, ich gehe jetzt die Rechnung schreiben.
Tschö!



Label: Wechseljahre

Freitag, 9. Juni 2017

Terminophobie

Sicherlich gibt es eine korrekte lateinische Bezeichnung für das, was ich meine; vermutlich sogar eine ICD, aber ich hab's auf die Schnelle nicht ergoogeln können.
Und schnell muss es gehen. Zeit ist knapp mit so 'nem Kleinkind am Hacken.
Zum Bloggen komme ich jedenfalls kaum noch.

Wie gut, dass ich eine zuverlässige Babysitterin habe, aber die kann ich nicht so oft bemühen, wie ich es gerne täte; sie hat ja auch 1 Leben und zusätzlich wurde mir unlängst vong Amt das Geld gekürzt, weil Elvis wieder da ist (ja, so hab ich auch geguckt. Fragt nich...).

Wo der Pilot abgeblieben ist, fragt ihr?

Nun ja, es gibt Menschen, mit denen kannst du Termine abmachen; die kommen dann auch und zwar pünktlich.
Und dann gibt es Terminphobiker wie den Pilot.
Auf einen festen Termin angesprochen reagiert so jemand wie eine Kakerlake, wenn das Licht angeht. Zack - weg!
Nicht in der Lage, sich festzulegen, weil sie durch einen fixen Termin ihre Freiheit beschnitten sehen und hast mal einen Termin abgemacht, kommt derjenige garantiert zu spät oder vergisst es ganz.

(Mein 1. Freund kam zu unserem 1. Date 20 Minuten zu spät.
Als ich ihn darauf aufmerksam machte, meinte er bloß:
"Ist doch nicht schlimm, wir wollen ja schließlich nicht in die Oper."
Ey, hallo?! ICH bin die Oper!!)

Als vor ca. 2 Jahren die Mutter seines Erstkindes nach regelmäßigen Besuchsterminen verlangte, lief es gut für Lucky und mich:
der Pilot kümmerte sich jeden 2. Samstag für ein paar Stunden um ihn.
Das ging ein paar Monate gut, aber dann gab es wieder irgendein Gehudel zwischen ihr und ihm und dann sah man ihn entweder wochenlang gar nicht oder direkt 3 Samstage hintereinander. Wann genau, erfahre ich ja immer erst am Abend vorher.

Irgendwann schlich sich eine gewisse Regelmäßigkeit ein:
jeden Mittwoch, und das über einige Wochen, meldete er sich spätnachmittags
"Seid ihr zuhause?", trudelte eine halbe Stunde später ein und blieb knapp 2 Stündchen.
Öhm, ok, dann statt samstags nun mittwochs.

Irgendwann plante ich was für einen bestimmten Mittwoch. Nix besonderes, irgendeine Erledigung, oder vielleicht wollte ich einfach nur mal im Café um die Ecke vor einem Cappucella sitzen und ins Nichts starren, ich weiß es nicht mehr.
Um seine Terminphobie wissend, überlegte ich tagelang, ob ich es wagen könnte, den Pilot zu fragen, ob er gedenke, wieder am Mittwoch zu erscheinen.
Ich wagte es am Dienstag Abend.
Und was geschah? Zack - die Kakerlake!

Wieso ich gerade auf den Mittwoch käme? Weil er in den letzen Wochen immer mittwochs reinschneite? Ach? Ist ihm gar nicht aufgefallen. Aber nee, (und hier kommt die Kakerlake ins Spiel:) er hätte so 'n Kopfbrummen und erfahrungsgemäß würde er dann morgen, also Mittwoch, mit Migräne flachliegen.
Ich wusste es!
Dermaßen verschreckt meldete er sich prompt 2 Wochen lang gar nicht.

Typisch auch für einen Terminophoben sind solche Schoten:
"In den Herbstferien habe ich Urlaub,  dann nehme ich dir den Kleinen ganz oft ab."
Yay! Wie schön!
Schön für ihn, denn letztendlich flog er mit seinem Bruder in den Urlaub.

"Das geht aber so nicht!", meinte die Jugendamtsmitarbeiterin und schrub ihm einen Brief, vor 6 Monaten bereits, mit der Auflage, sich bei ihr zwecks Umgangsregelung zu melden. Mit Frist.
"Was, wenn er sich nicht fristgerecht meldet?", wollte ich wissen.
"Dann drohe ich mit Gericht und dann parieren die Väter, denn vor'm Richter haben die meisten Schiss."
Was daraus geworden ist, weiß ich nicht, weder er noch sie haben mich jemals wieder deswegen kontaktiert.
Terminphobiker meets Amt - unholiest union ever!

Vielleicht hat der böse Richter den Pilot auch bereits eingebuchtet, seit dem letzten Kontakt sind mittlerweile 15 Tage vergangen.

Wie oft er sich um Lucky kümmert, frug neulich sein Vater.
2x pro Woche, log der Pilot.
Unfassbar.
Nur gut, dass ich das etwas korrigieren konnte, als mich sein Bruder kurz zuvor ebenfalls frug, ohne dass der Pilot dabei war.

Tja, ihr seht: es bleibt bekloppt...

Schönes Wochenende.