Donnerstag, 27. Juli 2017

Autos shoppt man nur alleine!

Liebe Damen,

der Kauf eines Fahrzeugs kann ebenso viel Bock machen, wie Slingpumps- oder Jahreszeitendeko-Shopping, wenn man nur 2 simplen Regeln folgt.

Ein Autokauf steht an?
Sei es, weil das alte zusammengebrochen ist oder weil dein reicher Liebhaber dir seine Platinkarte mit den Worten "Hier, Darling, kauf' dir endlich ein vernünftiges* Auto!" 'rüberschiebt?
*Obacht! Sagt ein Mann in diesem Zusammenhang "vernünftig" bedeutet das: viele PS, sehr viele Zylinder, ganz viele Gänge, supi viele Airbags und gedeckte Farben. Und ja, ich bin fest davon überzeugt, dass ein reicher Liebhaber "Darling" sagt.

Aber keine Panik! Ich lasse euch kostenfrei(!) an meinem reichen Erfahrungsschatz teilhaben. Keine Ursache!


Regel No. 1: Erzähle niemandem von deinem Vorhaben!
Frauen reagieren beim Thema Autokauf eher verängstigt:
"Trauste dir das alleine zu? Nimm' lieber den Volker (Stefan, Gunter, ...) mit. Der kennt sich aus. Frauen werden bei sowas ja immer über's Ohr gehauen!"
oder praktisch denkend:
"Nimm' doch den Kadett von Onkel Erich! Der hat jetzt 2 Jahre in der Garage gestanden und ist noch tiptop in Schuss!" (der Kadett, nicht der Onkel).

Männer langweilen mit:
Hubraum, PS, Zylinder, Hinterradantrieb, Höchstgeschwindigkeit, Verbrauch, CO2-Emmission, TÜV, Jahreswagen, Tageszulassung und ähnlichem Schnickschnack, der eh nicht interessiert.
Mein Auto soll hübsch aussehen und ein gewisses Maß an Sicherheit bieten.
Aber in erster Linie hübsch aussehen! Punkt.
Im schlimmsten Fall wollen Volker, Stefan und Gunter mitkommen und dann wird der Autokauf wahrlich kein Vergnügen (siehe Regel 2)!

Nachwuchs, vor allem männlicher, ist auch keine große Hilfe:
"Autohaus Müller hat auch Lamborghinis im Programm! Lass' uns eine Probefahrt machen!! Oooch, wieso denn nicht?! Aber Du nimmst doch ein Cabrio?? Und tiefergelegt und mit fettem Auspuff! Und auf jeden Fall Soundanlage im Kofferraum!"

Aber man ist 1. nicht doof und hat 2. eh schon genaue Vorstellungen von der neuen Karre, nicht wahr?
Die einen legen Wert auf Sitzheizung, Isofix, beleuchteten Schminkspiegel oder 7 Gänge.
Mir persönlich ist wichtig:
- Klimaanlage
- Heckscheibenwischer (ich hatte mal einen Wagen ohne und das war bei Schneefall äußerst lästig)
- 4 Türen (die Kofferraumklappe zähle ich persönlich nicht als Tür. Also bitte!)
- Allwetterreifen (wer hat schon Bock 2 x pro Jahr in der Werkstatt zum Reifenwechsel aufzuschlagen?) und natürlich:
- eine hübsche Farbe (hellgrün, blutrot oder flieder).

Was darüber hinausgeht (Kofferraumbeleuchtung, Funkschlüssel, beheizbare Außenspiegel, Fensterheber, CD-Player, etc.) ist in meinen Augen unnötiger Schnickschnack.
Optimalerweise kennt man jemanden, der das zukünftige Auto bereits fährt und Auskunft geben kann, ob JEE oder NEE.
Wenn nicht: Internet. Erfahrungsberichte lesen und sehen, wo die Schwachstellen liegen und ob man mit denen leben kann.
Ich könnte z. B. sehr gut damit leben, wenn mein 3er BMW gelegentlich Probleme mit seiner Common-Rail-Pumpe hätte.

Wenn das Wunschauto alles bietet, was man will - ab zum Autohaus!
Wenn das Wunschauto das nicht bietet - ab zum Autohaus! Stichwort Nachrüsten.



Regel No. 2: Nimm bloß keinen Mann mit!
Die verderben dir den ganzen Spaß, glaub mir. Und Shopping soll Spaß machen!
Liefern sich mit dem Autoverkäufer ein Fachvokabular-Duell (gähn), umrunden den Wagen mehrfach mit skeptischer Miene, treteln prüfend vor die Reifen und wollen einen Blick auf den Motor werfen (gähngähn).
Im schlimmsten Fall verlangen sie den Wagen von unten zu sehen (triplegähn) und klopfen mit pseudofachmännischem Blick hier und da herum.
Schlussendlich werden sie vorschlagen, nochmal woanders zu gucken und eventuell andere Autorassen in Betracht zu ziehen.
Sollte sich dann endlich zu einem vernünftigen(!) Auto entschlossen worden sein, wird soukmäßig gefeilscht.
Puh. Nicht sexy sowas, Jungs, NICHT SEXY!
Preisnachlass, neue Reifen, Verbandskasten, Matten, voller Tank, Inspektion, Schlüsselanhänger ist auch ohne peinliche Feilscherei drin.
Dekolleté oder bissken Bein zeigen reicht völlig.



Ihr könnt diese Regeln selbstverständlich ignorieren, aber dann endet ihr in einem ungeliebten, kacke aussehenden (weil function meist der form followt), aber hochsoliden Ding in schwarz, grau, weiß oder nachtblau. Und das für die nächsten 12 Jahre! Ach, was rede ich denn? Hochsolides schafft locker 17 Jahre!


SL für Sauerland, is' klar, ne?
Und der Rest?
Na? Hä?
Wer weiß es??

Dass dieses Kennzeichen durchgewunken wurde, wundert mich.
Immerhin ist 5150 der US-Polizeicode für psychisch gestörte Straftäter.
Aber hey, allemal besser als GV-69 oder AA-666 oder diese affigen, personalisierten Kennzeichen, womöglich noch mit Geburtsdaten der Kinder, wa?! Bah!


Und nun viel Erfolg beim nächsten Autokauf und allzeit gute Fahrt!

Label: Autofahren

Freitag, 14. Juli 2017

Fuffzich

In ein paar Monaten werde ich fuffzich und ich kriege diesen scheiß Post darüber einfach nicht hin!!

Sollte total witzig und und ironisch und so werden, aber alles, was ich dazu schreibe, klingt wie ein depressiver Haufen Mist!

Denn fünfzig ist viel und schlimm und mir bleibt das Scherzen darüber im faltigen Halse stecken, weil ich nur noch denken kann: "Scheiße, ich werde bald sterben!".
Und dabei hat es das Schicksal / Mutter Natur / der liebe Gott / whoever bis hierher, zumindest gesundheitlich, gut mit mir gemeint!
Alle Brüste noch dran, keine Beeinträchtigungen durch Apoplexe oder Herzinfarkte.

Kann mir irgendjemand irgendwas Positives über's Alter berichten??
Also außer, dass man nicht mehr everybodys darling sein will, zum Beispiel?
Ich tue meine Meinung kund; kann ohne schlechtes Gewissen Nein! sagen; höre Viellaberern nicht mehr höflich zu, sondern fahre über'n Mund; geige der Kindergärtnerin die Meinung, ohne zu denken "Lieber nicht, sonst lässt sie das am Kind aus!", und es ist mir scheißegal, ob die Leute doof gucken, wenn ich mir mitten in Aldis Kassenschlange plötzlich Jacke und Bluse runterreiße, nur noch im Top da stehe und mir mit dem KW29-Prospekt hektisch zufächele.

Und außer, dass man diese gewisse Gelassenheit an den Tag legt, weil man durch nichts mehr so wirklich beeindruckbar ist? Alles schon mal da gewesen, vieles erlebt, been there, done that. Kein Grund mehr contenancelos abzugehen, wie mit 20 zum Beispiel.


Mit 20 hatte man noch harmlose Sorgen:
Examen.
Baldige Entjungferung?
Esprit oder Benetton?
Boah, die Alten nerven!

Oder mit 30:
Beförderung?
Schleier oder Fascinator zum Brautkleid?
Werde ich schwanger bis zum 35.? Man will schließlich nicht als Risikoschwangere enden!*
*Hier lachte mein persönliches Schicksal laut auf. Sehr laut.

Oder mit 40:

Noch Paartherapie oder schon Scheidung?
Scheiß Minijobs!
Mit welcher Lehrerin muss ich schlafen, damit Elvis die Gym-Quali schafft?
Hämorrhoiden-Creme hilft wirklich gegen Augenfalten??*
*Nein.

Zum 50. denkste nur noch:
"Scheiße, sterben..." und, falls du sehr eitel bist: "Kann ich noch ärmellos tragen?"*
*Nein.

Statt dessen verfasste ich zig Posts, in denen ich schrub, dass e
s ein Trugschluss ist, dass mit fuffzich die "2. Lebenshälfte" anbricht, wie  Eckart von Hirschhausen, ebenfalls Jhrg. 1967, neulich bei Böttinger behauptete. Nix Hälfte! Letztes Drittel.

Und dass man mit 50 nicht mehr zum knackfrischen Mittelfeld gehört, sondern zu den älteren Eisen. Zu denen, über die in Dokus über Arbeitslose immer gesagt wird:
ab 50 stellt dich kein Chef mehr ein.
(Gut, bei mir könnte es am Kleinkind liegen, aber sicher bin ich da nicht...)

Und dass mich diese vereinzelten weiße Haare an Zeh, Damenbart, Braue, Wimper und Schamhaar nicht mehr amüsieren, sondern schrecken.

Und dass ich bei NeueLiebe.org auf die ersten Witwer treffe, weil ich das angegebene Wunschalter von "42 - 50" auf "50 - 56" heraufgesetzt habe.

Und dass mich, so als depressiver Grundcharakter,
das "Geschenk des Lebens" *hüstel*kotz* als Konzept zwar niemals überzeugt hat*, mir aber nun der Arsch auf Grundeis geht, wenn ich an das baldige Ende denke.
Eigentlich käme da jetzt Religion ins Spiel, nicht wahr, aber ich habe vor einigen Jahren mit Gott Schluss gemacht, müde vom jahrelangen Suchen und nix finden, und alte Geschichten soll man nicht wieder aufwärmen.
*Juliane, 1977: "Ich soll mich durch 'n ganzes Leben quälen, mit 3x am Tag Zähne putzen, und Hausaufgaben machen und so und als Dank sterbe ich am Ende?! Was soll'n der Scheiß?!"

Was wird wohl in meiner Grabrede stehen?
"Ihr Leben verdankte sie 2 Trotteln, die nicht nur zu doof zum Verhüten waren, sondern auch nicht in der Lage, für angemessene Sozialisation zu sorgen.
Und diese verhunzte Sozialisation ließ sie lebenslang an ihren Mitmenschen verzweifeln, ja, sie verabscheute dieses komplizierte zwischenmenschliche Miteinander, oder besser gesagt: Gegeneinander.
Bereits als Teenager wünschte sie sich als Inschrift auf ihrem Grabstein: ENDLICH!
Und so teilte sie das selbe Schicksal ihrer Ahninnen: genervt, unfähig, etwas gescheites mit dem Leben anzufangen, einen frühen plötzlichen Herztod herbeisehnend.
Nun, diesen Wunsch mochte ihr das Schicksal nicht erfüllen, denn unsere liebe Juliane verstarb im Alter von 108 Jahren."
(Ey, wehe!)

Oder so ähnlich.
Wird um mich eigentlich irgendjemand weinen? Also so richtig mit Herzschmerz und so?
Wohl eher nicht.
Immerhin bin ich kein Sonnenscheinchen, der Freude ins Leben anderer bringt und ein Heilmittel gegen Krebs habe ich auch nicht erfunden. Ich fluche wie ein Berserker und als Mutter bin ich viel zu ungeduldig und laut und irgendwie auch nicht so dolle.

Ich frage mich, wie ich mittlerweile eigentlich 'rüberkomme?
Etwa wie eine von den mir so verhassten frustrierten, humorlosen Wechseljahreszicken?
Neulich war Susanne Fröhlich bei "Inas Nacht" zu Gast und ich musste feststellen, dass die beiden mit 40 supercool waren, aber jetzt, mit ü50, nur noch affig schabrackig rüberkommen und dann kriege ich Angst, denn die peinliche, merkwürdige Alte will ich nicht werden.


Tja, und weil so einen negativen Post ja keiner lesen will, schreibe ich lieber gar nix.

Und nun entschuldigt mich, ich geh' mal rasch was Gescheites aus dem letzten Drittel machen...


"Ich schenk' dir das jetzt schon," sagte meine Freundin.
"Denn wer weiß, ob du an deinem Geburtstag überhaupt noch lebst!"
Und weil ihr mein baldiges Ableben leid tut,

hat sie besonders tief in die Tasche gegriffen :-)