Montag, 13. November 2017

Wie ich mal fast aus dem Kindergarten flog...

Der Vorstand ließ neulich per Muttipost mitteilen, dass nicht nur die Weihnachtsferien kurzfristig um 2 Tage verlängert würden, sondern dass der Kiga im nächsten Jahr zusätzlich 1 Woche in den Osterferien und an sämtlichen Brückentagen schließt.

16 Schließtage mal eben schlankerhand erhöht auf 26!
Wow.
Wie scheiße ist das denn??
Abgesehen davon, dass ich nur 20 Tage Urlaub im Jahr habe, bleibt die Firma zwischen den Jahren geöffnet und mir steht in der Probezeit noch gar kein Urlaub zu.

Ich fragte den Pilot wegen der Weihnachtsferien. Der wollte sich ungern festlegen, sagte dann aber semi-verbindlich zu. Yay.

Und wie wir jungen, hippen Dinger das heutzutage so handhaben, Handy geschnappt und ein wütendes kleines Video in den WhatsApp-Status gepackt.
Tenor: ist der Vorstand eigentlich noch ganz dicht? Diese üppigen Schließzeiten kann ich nicht auffangen und meinen neuen Job quasi direkt hinschmeißen.

Stunden später WA-Nachricht einer Kiga-Mutter:
"In den Sommerferien haste die Möglichkeit, Lucky in einem der Verbund-Kigas unterzubringen. Musst nur ne Bestätigung der Firma vorlegen."
Ach ja... stimmt!
In meiner Panik hatte ich gar nicht mehr daran gedacht.

3 Tage später: 
Die Kiga-Leiterin nimmt mich beiseite und rät mir, mich nach einem anderen Kindergartenplatz umzusehen und zwar rasch.
Jemand hat mein Video dem Vorstand gezeigt und der sei nicht nur grundsätzlich sehr unentspannt, sondern nun auch ziemlich unamused.
Der Obervorstand sei allerdings im Urlaub, aber danach hoffentlich so relaxed, dass er, wenn er von meinem Vergehen erfahren würde, vielleicht Milde walten lassen täte und wir bleiben dürften.

Ach.
Du.
Scheiße.
Mitten im Jahr einen anderen Kigaplatz suchen???
Ich habe noch lange keinen Urlaubsanspruch und müsste mich um Dinge kümmern wie Kita-Karte beantragen, Anmeldung/Ummeldung; von Eingewöhnungsphase ganz zu schweigen!
Ich würde also noch in der Probezeit wegen Betreuungsproblemen unangenehm auffallen!
Bye bye, neuer Job!

So rächt sich impulsgesteuerte Geschwätzigkeit.

Zuerst trat ich aus der Kiga-Whatsapp-Gruppe aus und löschte die Kontakte.
So lange ich nicht weiß, welche von den 25 Müttern mich da 'reingeritten hat, kommen alle in Sippenhaft.
Komischerweise fragte mich niemand, auch nicht die 2 Admins, wieso ich ausgetreten bin.
Stecken die beiden dahinter?
Haben sich ALLE abgesprochen?
Hat mein Video etwa im ganzen Kiga die Runde gemacht??
Haben noch andere meiner Videos die Runde gemacht? Womöglich das, in dem ich bedauere, dass Luckys neuer Playmobil-Raketenwerfer zwar aussieht wie ein Dildo, aber leider kein Batteriefach hat?
Und war nur der Muttibrief zu sehen gewesen oder womöglich auch meine Blümchenschlafanzughose?
Wem hatte ich was Böses getan, dass man mich anschwärzte?
Eigentlich gehöre ich zu den stillen, "braven" Müttern, grüße die anderen nett und lasse die Erzieherinnen ihre Arbeit machen, ohne dazwischenzuklugscheißern.
Außerdem hatte ich im letzten Jahr für eine 200 €-Spende gesorgt!

In meiner Panik rief ich beim Jugendamt an.
"So einfach kann man Sie nicht rausschmeißen", beruhigte mich die Zuständige. "Hier herrscht Recht auf freie Meinungsäußerung, auch wenn so ein Video nicht gerade das beste Mittel der Wahl ist. Außerdem können die nicht schließen, wie sie wollen! Die dürfen eine bestimmte Anzahl an Tagen nicht überschreiten."
Ich lernte: Höchstzahl 20 Tage, mehr nur mit Zustimmung des Elternbeirates, und auf keinsten mehr als 30.
Aha! Das könnte allerdings das angepisste Verhalten des Vorstands erklären:
erhöhen ganz stikkum die Schließzeiten und dann posaunt die blöde Lucky-Mutter das 'raus und hält das schwarz-auf-weiß vor die Kamera!
Die Zuständige verspricht, mir kurzfristig Karte und Platz zu besorgen, sollte ich wirklich fliegen.

Ich verkürze mir die Galgenfrist mit etwas, das man in Notsituationen nicht tun sollte: googeln.
Und was muss ich lesen?!
Alle naselang werden Eltern aus Kindergärten geschmissen, gerne auch fristlos, weil sie Kritik zu üben wagen! Kündigungsgrund: "gestörtes Vertrauensverhältnis zwischen Einrichtung und Eltern".
*schluck*

Ich fühlte mich schwerverbrecheresk, aber die FB-Schwarmintelligenz pushte mich in die andere Richtung:
verbrecherisch sei ja wohl eher das hinterfotzige Miststück, das einen privaten Status öffentlich weitergibt, ne?!

Das Ganze roch nach Beef, also suche ich in den Gelben Seiten nach einem Anwalt für Sozialrecht, denn sollte ich tatsächlich durch eine fristlose Kiga-Kündigung meinen Job verlieren, denn wohin so fix mit dem Kinde?, wären Kiga und Petze dran. Aber sowas von!
Hallo Scheidungsanwalt, my old friend!

4 Tage später war der Obervorstand aus dem Urlaub zurück und ließ via Kiga-Leiterin ausrichten:
"Sie können bleiben, aber noch ein Video und Sie müssen wirklich gehen", sagt die Kiga-Leiterin. "Wenn Sie sich hier über was ärgern, lassen Sie es direkt bei mir 'raus, ich kann einiges ab!"

Puh!
Nochmal Glück gehabt!
So 'nen Psychostress kann ich ja gar nicht ab!
Trotz 6 Tagen Dünnschiss hat gleichzeitiges Frustfressen eine Gewichtsabnahme verhindert.
Hmpf.

Das kann man jetzt finden, wie man will.
Ich bin erleichtert, dass ich keinen Kartenbeantragungs-, Ummelde- und Eingewöhnungsstress habe.
Aber will ich wirklich dableiben?
Mit dem Wissen, nichts zu wissen?
Nicht zu wissen, wer die miese(n) Fotze(n) war(en)?
Für die hat das Ganze leider keine Konsequenzen.
Es sei denn, ich finde es heraus.

Am Samstag haben wir den Martinszug geschwänzt.
Ich mag nicht inmitten einer Truppe latschen, von der ich nicht weiß, wer mich so scheiße findet, dass er mich loswerden will.


Winterzeit - Charityzeit.
Der edle Spender vom letzten Jahr wollte heuer einen Tausender lockermachen, was ich ihm strengstens untersagt habe.
Aus Gründen.






*Dieser Text ist natürlich erstunken und erlogen!
Ich hatte auch zu keinem Zeitpunkt Dünnschiss. Ich bin schließlich eine Dame.
Nur für den Fall, dass du hier mitliest, blöde Kuh.