Montag, 30. Januar 2017

Vorstellungsgespräche - Das Lustigste

Ich betrete eine Anwaltskanzlei, in der ich mich als Schreibkraft beworben habe.

Diese Kanzlei, in bester Lage, ist die größte der Stadt, besteht aus 7 Anwälten und 14 ReNo-Fachangestelltinnen und hat, was das Arbeitsklima betrifft, einen sehr guten Ruf.

Einer der Anwälte begrüßt mich freundlich und wir führen ein sehr launiges Gespräch.
Er freut sich über meine buchhalterische Fortbildung vom letzten Jahr und über mein Hobby "bloggen", denn:
"Dann kann ich Sie anders einsetzen als für's Schreibbüro; vorbereitende Arbeiten für den Steuerberater zum Beispiel. Und mit Blog-Erfahrung könnten Sie sich um unsere Homepage kümmern."
Oh gut, denn tippen kann ich sowieso nicht.

Als ich ihn frage, ob es möglich sei, die 38-Stunden-Stelle in eine 30-Stunden-Stelle zu kürzen, bejaht er sofort.

Dufte.

Er fragt nach meinem Gehaltswunsch.
Ich nenne ihn.
Er lacht herzlich.
Dann nennt er mir den Betrag, den er bereit ist zu zahlen (900 Euro weniger).
Ich lache herzlich.

Die Verabschiedung folgt alsbald.
Noch beim Rausgehen wische ich mir die Lachtränen aus den Augen.

Zuhause google ich das Durchschnittsgehalt von ReNo-Angestellten.
Alter...!
Falls hier eine ReNo-Fachangestellte anwesend ist, könnte diese mir bitte erklären, wieso man einen Beruf erlernt, von dem man weiß, dass man damit seinen Lebensunterhalt gar nicht bestreiten kann.
Bitte danke.


Label: Vorstellungsgespräch

Dienstag, 24. Januar 2017

Kontinentalplattenverschiebung

Wie der Titel bereits vermuten lässt, geht es um die Wechseljahre.


!! Obacht, nicht magenfesten Lesern sei gesagt:
dieser Post kann Spuren von Scheidensekret enthalten !!

Rückblickend nahm bei mir alles vor 4 Jahren seinen Anfang (oder besser: sein Ende).
Und da ich schließlich zu den Dienstleistungsbloggern gehöre, möchte ich meine bisherigen Erfahrungen mit euch teilen.
Ja, kostenlos!


1. Der Rhythmus geht flöten:
Während jahrzehntelang auf meine Periode und ihren präzisen 28-Tage-Rhythmus Verlass war, brachen vor 4 Jahren wahre Tsunamis über meine supisüßen LaPerla-Spitzenhöschen herein. Zwischen 41 und 14 Tagen war alles drin, meistens aber im 14 Tage-Rhythmus, was mir den übelsten Eisenmangel meines Lebens bescherte.
Es konnte mich quasi immer und überall überraschen. Was mich dazu brachte, mir einen Riesenvorrat an Einlagen anzulegen und zwar von der Größe und Sicherheit, wie man sie nur im Sanitätshaus bekommt. Mooncup? HA HA HA HA! Der tuppersche Eidgenosse wäre angebrachter gewesen.
Im Büro hatte ich eigens eine Schublade für Ersatzschlüpfer, Wechseljeans und Surfbretter, wie medizinisches Fachpersonal diese quadratmetergroßen Binden liebevoll nennt.
(Tipp: Tena-Lady-Einlagen für Blasenschwäche sind aufgrund ihrer konkaven Auffangrüsche sehr vorteilhaft konstruiert! Da bleibt garantiert jeder Koagel wo er ist und flutscht nicht schlankerhand in die beige Chino, um einen vor aller Welt zu blamieren.)
Diese Phase dauerte bei mir 2 Jahre.


2. Der Rhythmus pendelt sich ein:
Periode 1 mal pro Quartal und das in Maßen. Joa, so kann man's aushalten.
Nervig: alle 28 Tage plagen mich trotzdem Phantomunterleibsschmerz und PMS.


3. Körperhaarwuchs:
Mir sind ungefragt Haarbüschel auf Zehen, Fußrücken und Knien gewachsen.
Mein Gesicht ist mittlerweile von einem weichen Flaum umgeben und ich kontrolliere regelmäßig meine Nasenhaare.
Die Haare an den Schienbeinen wachsen länger als je zuvor und die Achselhaare muss ich jeden 3. Tag scheren.


4. Die Figur geht flöten:
Wenn du selbst Stretchhosen nicht mehr zukriegst, missmutig zur Waage schleichst und dann feststellst, dass du nicht 1 Gramm zugenommen hast - willkommen in den Wechseljahren!


5. Die Fruchtbarkeit nimmt zu:
Was einem KEINER sagt:
zu Beginn der Wechseljahre fährt der Körper die Fruchtbarkeitshormonmaschinerie nochmal so richtig hoch. Motto: wer will nochmal, wer hat noch nicht? Denn in Bälde ist der Gebärofen aus. Für immer. Ende. Fini.
Meine Logik war: wo Arhythmus - da keine Fruchtbarkeit.
Statt dessen werden immer nur Hitzewallungen und Stimmungsschwankungen propagiert.
Ich möchte nicht wissen, wie doof Gianna Nannini (damals 56) aus der Wäsche geguckt hat, als der Dottore ihr die frohe Botschaft überbrachte.


6. Hitzewellen:
Über Hitzewellen wird ebenso fehlinformiert, wie über die "morgendliche Übelkeit" in der Schwangerschaft, die sich nämlich bei 99% der Schwangeren (sogar bei Herzogin Kate, wie William damals verriet) als Ganztagesübelkeit entpuppt.
Das Wort "Welle" suggeriert ja ein kurzes Schwappen, wie man es vom Strandurlaub in Großenbrode kennt.
Bei mir schwappt da nix kurz, ich habe stundenlange Hitzezustände. Heiße, trockene Glut unter der Haut. Fies, aber ohne eimerweise herauszuschwitzen wie meine Tante, die sich ständig die hochrote Stirn tupfen und sich mehrfach täglich umziehen musste.
In meinem Schrank befinden sich nunmehr Blusen und Shirts. Ja, auch für den Winter.


7. Der Blutdruck steigt:
Vormals eher der hypotone Typ, schramme ich nun seit 2 Jahren an der Grenze zu behandlungsbedürftigen Blutdruckwerten entlang.


8. Stimmungschwankungen:
Ja, ha ha. Die gehören bei Frauen zur Grundausstattung, wie willste die den Wechseljahren zuordnen?
Ich sach ma so: wenn du bereits während deiner Schwangerschaft(en) vor dir selbst Angst hattest, dann wappne dich gut für die Wechseljahre!
Begriffe wie "rasende Furie", "depressiver Werwolf" und "manische Episode" treffen's ganz gut.
Ich befinde mich manchmal in Zuständen, in denen ich wahlweise entweder aus dem Fenster oder mit Blumenkranz im Haar nackt über eine Wiese springen will.
Was gut dazu passt: Singledasein und Teenager, die außer Haus leben.
Was nicht gut dazu passt: trotzende Zweijährige und die restliche Menschheit.


9. Sonstige Körperlichkeiten:
- empfindliche Mamillen
Und wenn ich "empfindlich" sage, dann meine ich !!!!!EMP! FIND! LICH!!!!!
- Labiendürre
Ich empfehle: "Vagisan für die geschmeidigere Scheide". Ab und zu mal die Creme gecremt oder ein Zäpfchen integriert und schon läuft's flutscht's isses besser. Denn wo trockene Schleimhäute aufeinanderpappen, da kein Wohlgefühl. (Falls es bis hierher überhaupt ein männlicher Leser geschafft hat: ihr kennt das von Augenentzündungen.)
- Ganzkörperschmerzen
Zeit für die ose-Zipperlein Arthr und Osteopor. Anders kann ich mir meine häufigen Ganzkörpermuskel- und Gelenkschmerzen jedenfalls nicht erklären.


10. 
Sex:
Interessiert mich nicht die Bohne, aber wenn er mal des Weges kommt, ist er ziemlich gut. Nein, keine Details, ich -> Dame!


11. Medikamente:
Will ich drauf verzichten. Aber kann ich? Mich schrecken Aussagen wie die der 65-jährigen Nachbarin: "Nach 17 Jahren Hormonersatz versuche ich es jetzt mal ohne".


So, das war's im Groben.
Da es ja WechselJAHRE heißt und nicht WechselWOCHEN, ist da thematisch durchaus noch Spielraum.
Ich melde mich.

Was tun mit dem letzten OB?
Verschenken? Beerdigen? Rahmen lassen?
Tragen und bei Ebay an einen perversen Japaner verkaufen?


Sonntag, 22. Januar 2017

Frau mit Tagesfreizeit


Als Lucky "NervBert" Luke neulich meine Kommode ausräumte, fiel mir beim 
Wiedereinräumen eine alte Urkunde in die Hände:




Unser UrOmma hatte 12 Jahre bei der britischen Army gedient.
Ja, als Geheimagentin. Was sonst?

Jedenfalls hatte sie mich ein paar Mal mitgenommen.
Ich war noch klein, aber die paar Erinnerungen daran sind durchweg gut:
Quality Street. Plumpudding. Glenfiddich (was Mutti, Tanten und Ommas kurzfristig gute Laune bescherte). Lustige, junge Männer. Der süße Corgi des Obersten.
Und Action:
Panik, als die Wachhunde ausgebüxt waren. Jeder ins nächstbeste Gebäude, Türen und Fenster schließen und auf Entwarnung warten - MOVE!!
Ich durfte an Panzer, Stewkanone und anderes militärisches Gerät packen (zuhause durfte ich nicht mal ans Radio langen).
Was wohl mein späteres Faible für alles Britische (especially Burberry und britische Männer) erklärt.

In Erinnerungen schwelgend googelte ich also nach den Victoria Barracks und stellte fest, dass die verlassene Kaserne heute als Lost Place ein beliebtes Ziel von Fotografen, Geocachern und Teenagern, die sich gruseln wollen, ist.
Es sollte mal eine "Altenstadt" darin errichtet werden, aber es scheiterte, wie so oft, am Geld.

Ich bin hingefahren.
Stand dann da vor den Toren.
Kurzes Video hier: HIER

Das Gelände ist ziemlich groß, dort gibt es unter anderem eine Kirche, Kino, Supermarkt, Radiostation und Spochthalle; aber ziemlich unübersichtlich, da es mitten im Werler Stadtwald liegt.

Mein gestörtes Verhältnis zu Wald ist ja bekannt:


  • Exhibitionisten lauern hinter Bäumen
  • zwielichtige Typen in Tarnklamotten führen querwaldein ihre Rottweiler spazieren
  • das Handy meldet ein Funkloch
  • wenn man einen ganz besonders miesen Tag erwischt, entdeckt der Hund eine Leiche im Unterholz und
  • wenn man dann vor Schreck kollabiert, kann man nicht gerettet werden, weil Waldwege zu eng und unübersichtlich für einen Rettungswagen sind (den man aber wegen des Funklochs ohnehin nicht hätte rufen können)
  • PLUS rotten Gebäude - das ist zu viel Gruselfaktor für ein alleinstehendes Mädchen.

    UPDATE: 
    Bin eben drauf aufmerksam gemacht worden, dass ich hier quasi zu einer illegalen Sache aufrufen würde. Ich lösch dann mal...



    Main entrance II.



    Main entrance I.

    Die Tore sind verriegelt.
    Selbstverständlich würden wir VOR dem Tor stehenbleiben und NICHT den aufgebrochenen Nebeneingang oder das herausgeschnittene Zaunelement nutzen,
    denn das wäre ja illegal!

    Montag, 16. Januar 2017

    Vorstellungsgespräche - Das Gemütlichste

    Ich betrete ein namhaftes Schraubenfabrikationsunternehmen in der Nachbarstadt.
    Eine nette Frau meines Alters begrüßt mich und platziert mich im Konferenzraum mit der Bitte, kurz auszuharren, sie müsse erst den Chef suchen.
    In der Zwischenzeit könne ich mir ja ein Getränk nehmen und von den selbstgebackenen Keksen probieren.

    An den Wänden hängen viele Fotos.
    Der Chef, der offenbar einen Hang zu farbenfrohen Anzügen hat, ist zu sehen mit:
    Bill Clinton (aubergine), Kofi Annan (hellblau), Bob Geldof (smaragd), Richard von Weizsäcker (ocker), Nelson Mandela (marine),Tony Blair (apricot), Gerhard Schröder (bordeaux) und so weiter.
    Ui!

    Vor Ehrfurcht schnappatmig geworden, verschlucke ich mich prompt an einem der sehr trockenen Kekse. Der Husten wird während des folgenden Gesprächs leider nicht aufhören, obwohl ich 2 Gläser Wasser und 1 Apfelschorle nachkippe (ja, vor den Augen des Chefs).

    Die Sekretärin kommt.
    Ich, mittlerweile heißschweißig und mit hochrotem Kopf, kläre sie großgestisch über meine Luftröhrenmalessen auf.
    Sie nickt mitfühlend.

    Auftritt Chef:
    Ein fazial unschöner, aber sehr schnieke gekleideter Mittfuffziger tänzelt herein.
    Einreiher mit Weste, Einstecktuch, Krawattennadel, Budapester, Gürtel, Uhr -
    alles harmoniert perfekt; der ganze Mann ein Traum in nachtblö.
    Büschn overdressed für den sauerländer Mittelstand, aber hübsch anzusehen.

    Er schüttelt mir schlapp die Fingerspitzen.
    Ich begrüße ihn heiser.
    "Frau Juliane hat sich gerade verschluckt", klärt die Sekretärin auf. "Deshalb kann sie jetzt nicht so viel reden."
    "Ach", sagt der Chef und mustert mich leicht angeekelt.
    Loriot at its best.

    Mein Röcheln bringt den Chef offenbar derart aus der Fassung, dass er sich nach ein paar kurzen Fragen entnervt verabschiedet ("Wichtiger Termin!").
    Ich bin sicher, dass er seiner Mitarbeiterin unbemerkt TOP oder FLOP signalisiert hat.




    Nachdem die Sekretärin und ich Petitessen wie Aufgabenbereich, Einstellungsdatum und Gehalt erörtert haben, gehen wir zum gemütlichen Teil über.
    Das heißt: sie geht über, ich staune.

    Sie bietet mir Kaffee an.
    Ich hatte eigentlich angenommen, dass das Gespräch beendet sei, aber offenbar will die Gute mich näher kennenlernen, weil ich demnächst ihre Kollegin sein werde.
    Wir sitzen da also bei Kaffee und Keksen und plaudern ein bisschen über's Wetter, über das Keksrezept und über ihre grade überstandene Grippe und dann fragt sie nach dem Alter meiner Kinder, die dumme Nuss. Das hat ja noch keiner gewagt!
    Was korrekt hätte heißen müssen: "20 Monate und 18 Jahre", mache ich schlankerhand zu "20 und 18".
    Sie freut sich, ihre Kinder sind im selben Alter. Schon erwachsen, aber doch noch regelmäßig für Aufregung sorgend, haha.
    Kaffee nachschenkend erzählt sie mir den neuesten Klops, den ihr Großer sich am Wochenende mit dem Auto seines Vaters geleistet hat. Sogar die Polizei war verwickelt, weil die Schwester dachte, der Wagen sei geklaut, was wiederum den Vater annehmen ließ, die Tochter sei entführt. Fragt nicht.
    Screwball at its best.

    Ich gebe auch noch ein paar Elvis-Storys zum Besten und dann erzählt sie, dass dringend ein Nachfolger für die Firma gesucht wird, da der overdressede Mittfuffziger weder Frau noch Kinder hat und der letzte in der Schraubenfabrikationsdynastie ist.
    Tja, bei dem Alter, dem Aussehen und dem tuntigen Gehabe wird das mit der Zeugung eigener Nachfolger aber sehr knapp.

    Nun ja...
    Tjaja...
    Jaaa....

    Das Geplauder stockt und ich beschließe, dass es Zeit ist zu gehen.
    Meine neue Freundin guckt bedauernd.
    Will die sich vor ihrer Arbeit drücken oder was?

    Ich bin sicher, wer so nett mit mir plaudert, stellt mich auch ein, ne?

    Nee.
    1 Woche später bekomme ich die Absage.
    4 Wochen später erfahre ich, dass die Stelle mit einem Mann besetzt wurde.
    Ach.


    Label: Vorstellungsgespräch

    Freitag, 13. Januar 2017

    Vorstellungsgespräche - Jubiläum!

    Hey - PARTY!

    Ich absolvierte gestern mein 10. Vorstellungsgespräch!
    Und das 9.!
    Fühlte sich ein bisschen an wie dieser Samstag im Oktober 2013, als ich 2 Dates an 1 Abend hatte, ich Teufelskerl, ich!

    Warum ich nach 10 Gesprächen immer noch keinen Job habe?
    Weil ich mich zu Übungszwecken auf jede Stelle, die nur ansatzweise "BÜRO!" schreit bewerbe. Auch als Key Account Managerin (kenn' ich gar nicht), Immobilienkauffrau (bin ich gar nicht), Stenotypistin (kann ich gar nicht) oder auf 40 Stunden (bring' ich gar nicht).

    Aber jedes Gespräch zeigt mir, was in meiner Eigen-Darstellung verbesserungswürdig ist.
    Das beinhaltet z. B. Klamotten (wir erinnern uns an Billigblusen, die Riesenschweißflecken machen), meinen Sermon ("Guten Tag, ich bin eine 49-jährige Industriekauffrau blabla"), oder wie ich elegant das Alter meiner Kinder umschiffe.
    Eine Stelle, die super zu meinem Profil UND Lucky Lukes Kiga-Zeiten passt, war halt noch nicht dabei.

    Die Gespräche ähneln sich grundsätzlich alle (klar: "Ich habe Job - Du brauchst Job") , aber jeder Chef geht's anders an.
    Wenige wollen, dass ich mein Wissen über die Firma darlege - die meisten stellen die Firma selber vor.
    Der eine fragt nach Hobbys und Charaktereigenschaften - der andere fragt nur nach beruflichen Dingen wie Fortbildungen, Fremdsprachen usw.
    Einer macht auf Großkotz - der andere entschuldigt sich fast für die viele Arbeit, die der Job mit sich bringt.
    Der eine Chef schickt seinen Stellvertreter - ein anderer sitzt nicht nur selber im Gespräch, sondern hat noch seinen Stellvertreter, den Betriebsleiter und die Betriebsratsvorsitzende im Schlepptau.
    In der einen Firma gibt's Kaffee, Wasser, Kekse - in der anderen gibbet nüscht.
    In der einen Firma wirst du verschiedenen Tests unterzogen - in der anderen Firma plauderst du gemütlich mit der Frau vom Chef.
    Nur 2 von 10 Chefs haben nach dem Alter meiner Kinder gefragt und 1 fragte nach meinem Familienstand.

    Ich bin jedesmal gespannt,  was mich erwartet.

    Sollte mich allerdings die Polizei einladen (30 Std. Schreibkraft im Morddezernat), werde ich da auf keinen Fall hingehen! Ich kann doch so schlecht lügen.
    Und wenn die mich dann fragen:
    "Sind Sie immer gesetzestreu? Naaaaa??" werde ich so-fort diese dunkelroten Flecken am Hals kriegen und dann weiß doch jeder Fahnder Bescheid.
    (Manchmal schnalle ich mich auf den 100 Metern zwischen Kiga und Bäcker nicht an und meistens fahre ich in der Kirschbaumallee 50, obwohl nur 30 erlaubt, aber die Kirschbaumallee ist so breit und immer leer und vor 34 Jahren habe ich mal beim Juwelier Ohrringe geklaut. Ja, echte! Habe sie mir in den Mund gesteckt und bin 'rausmarschiert. Eigentlich ganz geschickt, wa?! Aber selbstverständlich völlig inakzeptabel!!)


    Die Zeiten des schlecht sitzenden Billig-Outfits sind vorbei. Ich habe in gut sitzendes und edel wirkendes, weil 3x teurereres Outfit investiert
    (wie 
    SIE hier, nur mit schwarzer Seidenbluse drunter und ungeknöpft natürlich.
    Und geschlossenem Mund).



    Zeit für einen Rückblick auf die schönsten Gespräche.


    Heute: Das kürzeste.

    Angezeigte Zeit im Auto beim Aussteigen: 9.58 Uhr.
    Angezeigte Zeit im Auto beim Einsteigen: 10.04 Uhr.

    Der mies gelaunte Chef einer Metallbaufirma umriss kurz meinen zukünftigen Aufgabenbereich im Einkauf, nicht ohne zu betonen, wie unfassbar verantwortungsvoll der Posten sei, weil ich da schließlich mit Millionen jonglieren täte.
    Ob ich schon mal mit Millionen jongliert hätte? Nein? Hm.
    Dann vergewisserte er sich, dass ich Arbeitslosengeld erhalte und somit ein 4-wöchiges Probearbeiten möglich sei. Als ich bejahte, stand er auf und komplimentierte mich mit den Worten: "Gut, dann werde ich alles weitere mit Ihrer Arbeitsamts-Betreuerin persönlich klären" hinaus.
    Ich war nicht zu Wort gekommen und als ich 6 Minuten später wieder im Auto saß, wusste ich nichts über Nebensächlichkeiten wie Einstellungsdatum oder Gehalt.

    Er hat sich nie bei ihr oder mir gemeldet.

    Reaktion meiner AA-Betreuerin: "4 Wochen?? Der spinnt wohl! Höchstens 10 - 14 Tage!"


    Label: Vorstellungsgespräch

    Donnerstag, 12. Januar 2017

    Die 5 Phasen der Verwahrlosung

    Voraussetzung: Arbeitslosigkeit. Is' klar, ne?


    Phase 1:
    Du ziehst morgens eine bequeme Joggingbuxe über, denn du willst ja nur kurz das Kind in den Kiga bringen.
    Dann zurück zuhause: duschen, MakeUp druff, adrett anziehen.
    Dann zum Edeka, Obst kaufen.
    Phase 2:
    Passend zur Joggingbuxe lässt du MakeUp und Hairstyling weg, denn du willst ja nur kurz das Kind in den Kiga bringen.
    Zurück zuhause: duschen, Joggingbuxe wieder an, dann haste nicht so viel zu waschen und das MakeUp kannste dir auch sparen um zu sparen.

    Phase 3:
    Wer Joggingbuxe trägt und kein MakeUp, muss auch nicht täglich duschen. Man will ja eh nur kurz zum Kiga.
    Und vielleicht noch rasch zur Post, eine Bewerbung einwerfen.
    Und zum Edeka, Funny Frisch Paprika kaufen.
    Und wenn du schon im Edeka bist, kannste auch eben nebenan in der Apotheke "Vagisan - die Creme für die geschmeidigere Scheide" kaufen.
    Du bist von 5 Kunden die einzige Frau und die Apothekerin ist schwerhörig.
    Du weißt genau, dass dich nun 4 Männer (davon 2 Ex-Arbeitskollegen) und 1 Apothekerin mustern und überlegen, wozu so 'ne Schlunze wohl eine geschmeidigere Scheide braucht.
    Aber ach komm, is' egal...

    Phase 4:
    Während du nach einem ausgiebigen Mittagsschlaf mittlerweile täglich "Shopping Queen" und "Zwischen Tränen und Tüll" guckst und Funny Frisch frisst, überlegst du angestrengt, wann du eigentlich das letzte Mal geduscht hast. Ist aber dank Rexona 48h Maximum Protection schnurz und du hast eh nix vor.

    Phase 5:
    Du musst angestrengt überlegen, welcher Tag eigentlich heute ist und musst schlussendlich das Handy zu Rate ziehen.
    Du guckst mittlerweile täglich "Volle Kanne" und isst um 11.28 Uhr zu Mittag. Ravioli.
    Du betest zu Gott, dass kein Personaler auf die Idee kommen möge, dich zum Bewerbungsgespräch einzuladen, und das, obwohl du ihn gar nicht leiden kannst (also Gott, nicht den Personaler).
    Duschen? Vergiss' es.... 


    Ich bin mir übrigens sicher, dass Joggpants von einem arbeitslosen Modedesigner in Phase 3 kreiert wurde.

    Derjenige, der mir einen Job besorgt, bekommt meine letzten 1.000 Ocken geschenkt!

    Und nun entschuldigt mich, ich muss nur mal eben kurz zum Kiga!
    Und zum Edeka, FunnyFrisch sind alle.

    Donnerstag, 5. Januar 2017

    2016 - Das Jahr, in dem wir alle fett wurden

    Lucky Luke.
    Hat Schokolade, Gummibärchen, Chips und Pizza für sich entdeckt.
    Danke Kiga! Du bist nicht nur Brutstätte der interessantesten Keime, du lehrst unsere Kinder auch die Vielfalt zuckerbasierter Lebensmittel.
    Ich glaube, Lucky ist der einzige 2-Jährige, dem man ein "Bauarbeiterkreuz" nachsagen kann.

    Die Nachbarin vorne rechts unten.
    Zu ihren dagebliebenen Pfunden von Baby No. 4 kamen noch einige Kilos einer plötzlich aufgetretenen Hormonstörung hinzu.

    Frau Haessy, die putzigste Misanthropin seit es Schokolade gibt.
    Nutellasucht per magna.

    Die Bekloppte über mir.
    Ihr wisst schon: diese miesgelaunte Pissnelke, die unter irgendeinem Psycho-Dings leidet, gegen das keiner ihrer zahlreichen Psychiatrieaufenthalte so richtig erfolgreich war.
    Im Februar wurde ihre Medikation geändert und seitdem huiuiui...

    Kusine Püppi.
    Nur 1 Wort: Wechseljahre.

    Herr B und Rosalie.
    Wie ich gestern erfahren musste, liegt da gewichtstechnisch auch was im Argen. Aber man (und frau) ist auf einem guten Weg. Sogar mit Sport!!

    ALLE Mitschülerinnen der FiBu-Schulung.
    Frustfressen und Langeweilemampfen bescherten uns pro Monat 1 Kilo mehr.
      
    Meine gute Freundin Claudia.
    Stress mit Ehemännern, Blagen und Sorge um die erkrankte Schwester waren einfach zuviel für die erfolgreiche Dirndldesignerin.

    Ich.
    Mischung aus Frustfressen, Langeweilemampfen, Wechseljahren und den ganzen Leckereien, die so den Weg kreuzen.
    Tante Trudchen bescheinigte mir unlängst "dicke Waden" und unser Omma spendierte mir angesichts meiner sehr spack sitzenden Hosen (Stichwort: camel toe) 2 neue Jeans zum Geburtstag. Ich trage nun Gerry Weber ("Die Jeans für die weibliche Silhouette" oder wie Elvis es ausdrückt: Altfrauenbuchse).



    In meiner Not bestellte ich mir ein paar Kleider (untenrum luftig, nix zwickt).
    Aber selbst im Kleid sehe ich aus wie Fatty Finn.

    Wir erinnern uns an bessere Zeiten:
    Januar 2016


    Tja, nu ham wa den Salat.
    Im wahrsten Sinne des Wortes. Grün, öde und bar jeden Goûts liegt er vor mir. Böäch. Weg damit.
    Zuerst werde ich wohl erstmal die Süßigkeiten und Chips weglassen.

    Man ist ja ständig in Versuchung!
    Habt ihr schon mal süße Paprika-Chips mit jungem Gouda überbacken?? Ja? JA??


    Ihr müsst unbedingt die Champagnertorte im neuen Sauerland-Café probieren!
    Ich kann an nix anderes mehr denken!

    Ich habe Egg Benedict für mich entdeckt.
    Sieht unspektakulär aus, schmeckt aber göttlich und haut kalorisch voll rein dank der Sauce Hollandaise. Und der Eier. Und der Butter.
    (Bitte beachten: das Alibi-Basilikumblatt!)


    Kusine Püppi faxt mir dauernd ungefragt neue Rezepte zu.
    Hier: Joghurtbombe.
    1 Becher Joghurt, 8 Liter Sahne und die dazupassende rote Grütze sind nicht ohne.


    Beim Weihnachtswichteln vom Lauftreff (wir laufen gar nicht mehr; genaugenommen müsste es Sitztreff heißen), habe ich 4 Kilo Schokonüsse gewonnen. Tja...

    Ey, hallo?! Wer kann denn zu sowas NEIN sagen?!
    (Bitte beachten: die Alibi-Gurke im Hintergrund!)


    Die gute Nachricht: neulich musste ich ein halbvolles Glas Nutella entsorgen. Es war ranzig geworden.

    Ich roll' dann mal zum Kindergarten...
    Bis dahin.